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Neue Bürgermeister : Visionen ausdrücklich erwünscht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ stellt in den Gemeinden neu gewählte Bürgermeister vor / Heute: Birgit Kaspar in Hoppenrade

von
erstellt am 09.Aug.2014 | 23:30 Uhr

Drei Wochen lang ist Birgit Kaspar (53) jeden Morgen nach Hoppenrade gefahren, hat sich an ihren Bürgermeister-Schreibtisch gesetzt, Akten gewälzt, Informationen gesammelt und sortiert. Jetzt macht die neue Bürgermeisterin von Hoppenrade erstmal Urlaub. Ob sie dabei abschalten kann, bleibt abzuwarten, hat sie doch den Kopf voller Ideen. Eine attraktive Gemeinde Hoppenrade sei ihr Ziel. „Was können wir leisten und wo wollen wir hin?“, benennt sie die Fragen, die in den nächsten Monaten geklärt werden sollen.

Ein einfaches Amt ist es nicht, dass die Lehrerin für Sport und Geschichte, die am John-Brinckman-Gymnasium in Güstrow unterrichtet, übernommen hat. Die Gemeinde ist quasi Pleite, steht unter der „besonderen Beobachtung“ der Kommunalaufsicht des Landkreises. Grund für ihren Vorgänger und die gesamte ehemaligen Gemeindevertretung nicht wieder zur Wahl anzutreten. „Mit Sparen allein können wir das finanzielle Problem nicht lösen“, sagt Birgit Kaspar. Zweifelsohne aber müsse man den Gemeindehaushalt zeitnah konsolidieren, daran führe kein Weg vorbei. Intensiv habe sie sich mit der Problematik befasst und aus einem Gespräch bei der Kommunalaufsicht des Landkreises zumindest die Hoffnung mitgenommen, dass man Hoppenrade mit neuer Führung zumindest erst einmal eine Chance gebe.

Als erstes möchte sie Ideen für Hoppenrade sammeln. Dazu soll es im Herbst zwei Veranstaltungen geben. Unterstützung erwartet Birgit Kaspar sich von der „Schule der Landentwicklung“, eine Initiative der Universität Rostock und das Schweriner Landwirtschaftsministerium und Verbindung mit interessierten Gemeinden. Neben einer Bestandsaufnahme sollen Entwicklungsmöglichkeiten ausgelotet werden. „Man braucht einen Traum, braucht Visionen, dann arbeitet es sich leichter“, denkt die neue Bürgermeisterin.

Ein zweites Thema sei die Windkraft. „Das haben wir uns nicht ausgesucht“, sagt Birgit Kaspar. Doch im zweiten Beteilungsverfahren des Planungsverbandes Region Rostock zur Ausweisung von Eignungsflächen für Windkraftanlage sei eine Stellungnahme der Gemeinde gefordert. Dazu möchten Bürgermeisterin und Gemeindevertretung die Meinung der Bürger hören. Eine Einwohnerversammlung ist für den 11. September geplant. „Transparent und kommunikativ“ möchte Birgit Kaspar arbeiten – nicht nur in der Frage der Windkraft. Sie möchte auch, dass die Menschen in der Gemeinde gern zusammenleben, sich einbringen. „Sie wollen nicht ständig etwas von Haushaltskonsolidierung hören“, denkt die 53-Jährige und deshalb gibt es auch schon einen Termin für ein Dorffest. Es ist der 27. September. Und es habe sich auch schon eine Gruppe gefunden, die an eine Chronik arbeitet. „Natürlich braucht sie noch mehr Unterstützung“, betont die Bürgermeisterin. Zum Dorffest soll schon einmal aus der Chronik vorgelesen werden.


„Doch, du kannst das!“


An der Stelle, so gesteht Birgit Kaspar, komme ein bisschen die Geschichtslehrerin durch. In Güstrow geboren habe sie in Rostock studiert und war bald in die Nähe von Krakow am See gekommen. Seit 20 Jahren lebt sie mit der Familie in der Gemeinde Hoppenrade. Birgit Kaspar spricht von vier Goldstücken, ihrem Mann und drei inzwischen erwachsenen Kindern. Schon immer habe sie sich dafür interessiert, was „die kleine und die groß Welt so umtreibt“. Ehrenamtliche Tätigkeit ist für sie Normalität. Sie sitzt dem Förderverein des Brinckmangynasiums vor und ist im Sportverein Hoppenrade aktiv. Der schickte sie bei der Kommunalwahl im Mai ins Rennen. 248 Stimmen (CDU-Kandidat Dieter Görtz 58) erhielt sie. Daraus schöpfe sie viel Motivation. Im vergangenen Herbst, daran erinnert Birgit Kaspar, habe sich zunächst eine Initiatorengruppe gebildet, als deutlich geworden war, dass Bürgermeister und Gemeindevertrtung nicht weitermachen werden. Auch an ihrer Tür habe es geklingelt. Sie war dabei. Und als die Frage beantwortet werden musste, wer sich denn ganz nach vorn wagt, habe ihr Mann zu ihr gesagt: „Doch, du kannst das!“


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