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Güstrower Anzeiger

22. November 2017 | 14:15 Uhr

Min Lütt Dörp : Viel Natur und liebe Nachbarn

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Wardow-Vierzehner entstand als Aufsiedlung Mitte der 1930er-Jahre

von
erstellt am 19.Aug.2014 | 23:30 Uhr

Der Name sagt es: 14 Bauernhöfe enstanden außerhalb von Wardow als das dortige Gut pleite gegangen war. 1936 besiedelten Holsteiner, Braunschweiger, zwei Mecklenburger sowie Familien aus Niedersachsen das Fleckchen Erde mit einem Teich in der Mitte. Große Bauerhäuser mit Wohn-, Stall- und Scheunenbereich entstanden. Rund 20 Hektar Acker gab es dazu.

Die Eltern von Alois Schmihing (77) gehörten zu jenen Siedlern. Er ist in dem Haus geboren, in dem er heute noch mit der Familie lebt. „Fremde, die hier her kommen, finden es sehr schön“, meint Alois Schmihing. Sie würden die Arbeit nicht sehen, die dahinter steckt. „Man muss schon fleißig sein, will man hier nicht auffallen“, fügt er hinzu. Fast ein halber Hektar Rasen sei kurz zu halten. Manchmal wird es ihm schon ein bisschen viel. Wie viele andere hat auch Alois Schmihing sein Geld in der Landwirtschaft verdient, lernte Schlosser, absolvierte eine Meisterausbildung und leitete viele Jahre die Werkstatt der Tierproduktion in Breesen. Heute gibt es auf dem Hof noch ein paar Hühner und Katzen. „Jeder tut sein Bestes“, sagt Alois Schmihing und lobt den einzigen Landwirt im Dorf, Frank Schulz, der sei „auf Zack und immer hilfsbereit“.


Nachbarschaftshilfe noch selbstverständlich


Das bestätigt auch Renate Jäger (75). „Hier ist noch einer für den anderen da“, betont sie. Man könne immer auf Nachbarschaftshilfe rechnen. Für die 75-Jährige gibt es keinen schöneren Ort zum Leben. Sie lobt das ruhige Wohnen, die Natur und den Zusammenhalt. Geburtstagskinder vergesse man nie. Auch die zugezogenen Berliner hätten sich schnell integriert. Der Berliner habe schon bei manchem Fest Ziehharmonika gespielt, erzählt Renate Jäger.

Sie ist am liebsten draußen. Zu tun gebe es auf dem Hof immer etwas. „Viel frische Luft und Arbeit hält gesund“, formuliert sie ihren Leitspruch. Hilfe habe sie von den Söhnen und den Enkelkindern. „Hier haben schon Leute vor der Tür gestanden, die das Haus kaufen wollten“, erzählt sie. Aber so lange sie könne, bekomme sie hier niemand weg. Aber natürlich sei man für Erledigungen immer auf ein Auto angewiesen. Irgendwann, so denkt Renate Jäger, werden mal viele Häuser hier zu verkaufen sein. Zu viele Senioren wohnen in Wardow-Vierzehner. Die Jungen seien weggegangen und würden wohl kaum wieder kommen.


Schwalbennester und Spatzenzuchtanstalt


Zu den Senioren gehören auch die Berliner Barbara (70) und Siegfried (76) Zimmermann-Stellmach. Als der Sohn 1996 mit dem Geschwader aus Sobernheim nach Laage kam, hatte man nach einem Bauernhof in der Nähe gesucht. Die Schwiegertochter hatte Pferde, erklärt der Berliner, der seine kleine Wohnung am Alexanderplatz in Berlin nicht aufgegeben hat. Drei Wohnungen hat das ausgebaute Haus. Sein Sohn sei handwerklich sehr geschickt, so habe man viel selbst machen können. Ein Auge hat Siegfried Zimmermann-Stellmach stets auf die Vogelwelt, sein Hobby. Er berichtet von vier Schwalbennestern im nicht mehr genutzten Stall, von Meisen und einer Spatzenzuchtanstalt. Sieben Löcher an einem Gebäude bieten Nistmöglichkeiten. Und dann macht der 76-Jährige noch auf eine unglaubliche Laubfroschpopulation aufmerksam. Er werte es als Zeichen dafür, dass die Natur noch ganz gut im Lot sei. Und: „Wir sind viel gereist, haben fast die ganze Welt gesehen. Jetzt lassen wir es ruhiger angehen und freuen uns über die frische Luft hier.“

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