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Personalnot im Rathaus : Viel Arbeit – aber zu wenig Personal

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrow: Bau- und Verkehrsausschuss der Stadtvertretung lehnt Stellenplan der Verwaltung ab / Zwickmühle: kein Geld für mehr Mitarbeiter im Haushalt

svz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Es ist eine Zwickmühle: Auf der einen Seite fordern Stadtvertreter mehr Personal für die Stadtverwaltung, damit diese ihre Aufgaben richtig erfüllen kann. Auf der anderen Seite ist die Stadt Güstrow zu strengem Sparzwang verpflichtet und vor allem dazu, die immensen Personalkosten zu senken, weil auch der kommende Doppelhaushalt 2014/15 nicht ausgeglichen ist. Aus dieser Zwickmühle fanden die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses der Stadtvertretung am Montagabend einen anscheinend einfachen Ausweg: Sie lehnten den neuen Doppelhaushalt mit dem darin enthaltenen Stellenplan mit nur einer Gegenstimme ab.

„Der Stellenplan ist nicht zufriedenstellend“, brachte es der Ausschussvorsitzende Stephan Murr (CDU) auf den Punkt. „Die Verwaltung muss arbeitsfähig sein und alle Belange abarbeiten können.“ Damit meint er vor allem auch zusätzliche Arbeitsaufträge durch die Stadtvertretung, wie zuletzt den Antrag der CDU-Fraktion, einen Maßnahmeplan zur Instandsetzung des Gehwegenetzes der Stadt durch die Verwaltung erarbeiten zu lassen. Mit dieser Aufgabe stieß das Stadtentwicklungsamt an seine personellen Grenzen. Wie Leiterin Jane Weber auf Nachfrage von Murr im Ausschuss sagte, sei das Personal in ihrem Amt, speziell in der Abteilung Tiefbau, in den vergangenen Jahren drastisch heruntergefahren worden. Hinzu sei ein längerer Krankheitsausfall gekommen. Gleichzeitig würden die Aufgaben immer komplexer werden. „Fünf Mitarbeiter sind in der letzten Zeit gegangen. Frau Weber hat in ihrem Amt so viel Arbeit, dass sie bestimmte Sachen nicht mehr schafft“, so Murrs Reaktion. „Extrawünsche“ der Stadtvertretung seien so kaum noch zu bewältigen. „Das kann nicht sein. Dann brauchen wir uns ja gar nicht mehr mit Ideen einbringen.“ Immer öfter höre er Klagen der Verwaltung, dass bestimmte Dinge nicht zu machen seien, weil die Leute fehlen würden.

Murrs Konsequenz: „Der Bürgermeister muss die Leistungsfähigkeit der Verwaltung erhalten. Es müssen genug Mitarbeiter da sein.“ Mit dem rapiden Personalabbau in der Vergangenheit sei offensichtlich etwas schief gelaufen. „Es müssen eventuell neue Stellen geschaffen werden, Umbesetzungen erfolgen oder befristete Mitarbeiter eingestellt werden“, sagt Murr.

Auch Kämmerin Barbara Moll bestätigte Montag auf der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Schule, Kultur und Sport Engpässe im Personal. „Die Kämmerei ist relativ gut besetzt. Wenn es aber Ausfälle gibt, kommt es zu Problemen, Aufgaben zu lösen“, sagte sie.

„Seit 2000 ist der Personalstamm in der Stadtverwaltung um 36 Prozent oder 113 Kollegen zurückgegangen. Damit hat die Anzahl der Beschäftigten einen Tiefstand erreicht“, erklärt Gunter Brüß, Vorsitzender des Personalrates, auf SVZ-Nachfrage. Für den Personalrat unterstreiche der neue Stellenplan, so Brüß, dass der Bürgermeister die Verwaltung bewusst straffe, wobei der Abbau von Stellen durch altersbedingtes Ausscheiden von Mitarbeitern bis Jahrgang 1954 abgeschlossen ist. Gegenwärtig sind in der Verwaltung 100 Mitarbeiter beschäftigt (siehe Zahlen und Fakten). Brüß betont, dass der Personalrat diesen „kontinuierlichen Personalabbau“ jedes Jahr kritisch begleite. „Wir machen immer auf die zum Teil angespannten Arbeitsplatzsituationen aufmerksam“, hebt er hervor. Die Auswirkungen der hohen Arbeitsbelastung würden sich in den zurückliegenden Jahren in der Anzahl von Überlastungsanzeigen von Mitarbeitern und einem nicht geringen Krankenstand widerspiegeln. Brüß stellt daher diese Forderung auf: „Der Personalrat erwartet Ansätze, die die Kollegen in der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers entlasten bzw. durch ein gezieltes Gesundheitsmanagement dem etwas entgegen setzen.“ Ob das im Einzelfall zu Einstellungen von zusätzlichem Personal führe, um Bereiche leistungsfähiger auszustatten, habe allerdings, so Brüß, der Bürgermeister zu prüfen. „Der Personalrat würde es schon begrüßen, wenn Stellen, die im Stellenplan zum Teil schon seit Jahren enthalten sind, besetzt werden.“ Mit 15 Stellen sei das allerdings 2013 nach externen Ausschreibungen erfolgt, räumt Brüß ein. Ebenfalls positiv bewertet er, dass es für den neuen Jahrgang wieder zwei Azubis gebe.

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