Video verhöhnt das Opfer

Geiselnahme-Prozess von Lalendorf geht weiter: Kripobeamter und Gartenkumpane sagen aus

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13. August 2019, 05:00 Uhr

Der Geiselnahme-Prozess von Lalendorf ist am Montagvormittag vor dem Rostocker Landgericht in seinen dritten Verhandlungstag gegangen. Laubenpieper aus der Lalendorfer Gartenanlage und ein Kriminalbeamter wurden vernommen. Der die Ermittlungen hauptsächlich führende Beamte Erik B. schilderte, wie das Misshandlungsopfer Manuel L. zur Aussage erst überzeugt werden musste – vermutlich aus Angst vor den Angeklagten. Dass das Opfer mit einer Kettensäge bedroht worden sein soll, gab es erst knapp zwei Wochen später zu Protokoll.

Der Kriminalist gab zudem Einblicke in die Ermittlungsarbeit. So hätte man bei Durchsuchungen Arbeitsschuhe und einen Axtstiel gefunden, mit dem das Opfer wohl vom Hauptangeklagten attackiert wurde – allerdings keine Kettensäge. In den Ascheresten im Ofen wurden kleine Platinen gefunden, die von einem Handy stammen könnten. Das Mobiltelefon des Opfers soll noch vor Beginn des Martyriums zerstört und im Ofen verheizt worden sein. Zudem konnten auf dem Handy des Hauptangeklagten Patrick J. gelöschte Dateien wiederhergestellt werden. „Wir entdeckten auf dem Telefon Fotos eines fortwährenden Verletzungsbildes des Geschädigten und ein Video“, erklärte der Polizist.

Im Anschluss wurde das verhöhnende Video gezeigt. Darauf ist zu sehen, wie L. nackt mit einer Axt Holz hackt, sein Gesicht weist augenscheinliche Verletzungen auf. Dass das Video vom Angeklagten J. stammt, hatte dieser bereits eingeräumt. Weiterhin wertete die Kripo die Verbindungsdaten der Handys von Opfer und Täter aus. Demnach war das Telefon von J. dauerhaft in einer Funkzelle. Das vom Opfer war um 15.02 Uhr, etwa eine Stunde nach Beginn der Misshandlung, nicht mehr darin registriert.

Der Verteidiger von J. präsentierte dann einen auf dem Komposthaufen von J.s Garten gefundenen zerschnittenen Pullover des Opfers. Damit widerlegte er die Aussage von Manuel L., wonach alle Sachen im Ofen verbrannt worden seien.

Ein Gartenkumpan und Nachbar von J., beschrieb, wie er das Opfer, in eine Decke eingehüllt, vor seinem Tor liegen sah und erkundigte sich, was passiert sei. Erst später erfuhr er von dem Martyrium. Allerdings konnte er sich erinnern, vorher eine Kettensäge in der Gartenkolonie gehört zu haben. Ob diese Geräusche von J.s Gartengrundstück kamen, konnte er nicht sagen. Ein Beweisantrag der Verteidigung auf die Einholung eines medizinischen Gutachtens von Manuel L. wegen angeblich „erheblicher Zweifel an Glaubwürdigkeit des Zeugen L.“ wurde vom Staatsanwalt abgelehnt.

Der Prozess geht kommenden Montag mit dem Gutachten des Sachverständigen und den Plädoyers weiter. Außerdem will der Opferanwalt einen sogenannten Adhäsionsantrag stellen, mit dem zivilrechtliche Ansprüche im Strafprozess geltend gemacht werden könnten.

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