SVZ-Serie „Min Lütt Dörp“ : Verwurzelt und auf „Durchreise“

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In Wozeten, Gemeinde Wardow, leben 45 die Ruhe liebende Menschen.

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14. August 2016, 12:00 Uhr

Wer in Wozeten wohnt, der schwärmt von der Ruhe, die man dort genießen könne, muss dann aber doch einräumen, dass es auch nicht immer mucksmäuschenstill ist – Flugzeuge, laute Musik, Fahrzeugverkehr. Doch der Reihe nach. 45 Frauen, Männer und Kinder leben in dem Ortsteil der Gemeinde Wardow. Öffentliche Einrichtungen gibt es hier nicht. Ein Landwirtschaftsbetrieb ist ansässig. Ansonsten ist es ein reiner Wohnort.

Seit mehr als 50 Jahren lebt Gertrud Mundt (79) in Wozeten. Ihr Mann war Melker. Sie selbst habe u.a. im Feldbau gearbeitet. Noch heute bewirtschaftet sie ihren Gemüsegarten und hat ein paar Hühner. So habe man immer etwas zu tun, sagt Gertrud Mundt. Sie weiß es zu schätzen in einem Dorf zu wohnen, wo man sich kennt und miteinander plaudert, wenn man sich trifft. In der Natur der Sache liege es, dass die Alten nach und nach gehen. „Aber es kommen auch junge Leute ins Dorf“, erzählt die 79-Jährige.


Junge Familie mit Auslauf und etwas zu tun


Vor zwei Jahren entschieden sich Sören (34) und Laura (34) Hilgendorf mit den Kindern Benjamin (7) und Dominik (2) nach Wozeten zu ziehen. Das Reihenhaus war ihnen zu eng geworden. Bei den aktuellen Grundstücks und Immobilienpreisen fiel die Wahl auf ein kleines Dorf jwd (janz weit draußen, wie der Berliner sagt). Auslauf und etwas zu tun, wollte Sören Hilgendorf, der auf dem Fliegerhorst in Laage arbeitet, haben. Einen Grund für die Entscheidung für die Doppelhaushälfte in Wozeten zeigt er gern am Ende des Grundstückes. „Der Blick in die Landschaft – 180 Grad“, schwärmt der 34-Jährige, der in Neu Strelitz großgeworden ist und dort auch seine Frau Laura, die aus Litauen kommt, kennen lernte. „Wenn man etwas erleben will, ist man auch schnell in Rostock und Warnemünde“, sagt sie. „Wenn man allerdings die Milch beim Einkaufen vergessen hat, fährt man nochmal sieben Kilometer“, benennt Sören Hilgendorf einen Nachteil. Alt wolle er in Wozeten wohl eher nicht werden, aber in der gegenwärtigen Situation als Familie mit kleinen Kindern sei es wunderbar in dem kleinen Dorf. Und zu tun habe er hier reichlich. Man kaufte ein sanierungsbedürftiges Haus. Für Sören Hilgendorf als Handwerker ist das kein Problem. Er kann vieles selbst machen. Das aber brauche seine Zeit, betont er.


Der Jäger und sein Lebenstraum


Ein herrschaftliches Haus ließ sich Klaus Hamker (65) am Dorfeingang errichten. Seine Großeltern und seine Mutter hatten bis Mai 1945 in Wozeten gelebt. Das Gutshaus aber war Ende der 1980er-Jahre abgerissen worden. „Meine Mutter ist gleich nach der Wende zurückgekommen, hat erst Flächen gepachtet und wieder mit der Landwirtschaft begonnen“, berichtet Klaus Hamker. Seine Mutter habe mit Herzblut an dem Ort und der Geschichte gehangen. Nach und nach habe man Flächen erworben, so dass der Landwirtschaftsbetrieb heute wieder so groß sei, wie damals das Gut Wozeten. „Es ist ein arrondierter Betrieb, keine BVVG-Flächen dazwischen“, sagt der 65-Jährige. Bewirtschaftet werden Ackerland und Wiesen. Vieh habe man nicht mehr. Großgeworden auf einem Hof im Osnabrücker Land sei er verbunden mit der Landwirtschaft, von Beruf aber Kaufmann. In Wozeten erfüllt sich der leidenschaftliche Jäger seinen Lebenstraum. „Ich genieße jede Stunde hier, die einsame Lage, die Ruhe“, betont Klaus Hamker. Und das solle so bleiben. Vehement wehrt er sich gegen den Ausbau eines Weges über Jahmen-Ausbau nach Prebberede und weiter nach Teterow. „Damit zieht man nur Verkehr ins Dorf“, schimpft der 65-Jährige. „Es gibt hier Wachteln, Rebhühner, Schreiadler, eine wunderschöne Natur. Die möchte ich erhalten“, erklärt er seinen Standpunkt.


Ohne Hilfe in Wozeten eher verloren


Adolf Werner (75) kennt die Argumente, hätte aber dennoch gern einen Ausbau des Landweges, glaubt aber nicht, dass es etwas wird. Mit seiner Frau Else (76) betreibt er „eine kleine Landwirtschaft“ auf gut 2000 Quadratmetern, wie er es formuliert. Hühner, Enten, Gänse und Katzen leben auf dem Hof. „Früher waren es viel mehr Tiere“, betont Else Werner. Im Garten wachsen Gemüse, Kartoffeln und Futterpflanzen für die Tiere. „Ich habe auch noch einen Traktor auf dem Hof“, sagt Adolf Werner und freut sich, dass er bei schweren Arbeiten gar nicht mehr ran müsse. Sein Enkel helfe. Überhaupt könnten die Werners ohne die Unterstützung der Kinder und Enkel kaum weiter in Wozeten wohnen. Oft müsse man die Hilfe in Anspruch nehmen, um zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen. „Aber hier habe ich meine Ruhe“, sagt die 76-Jährige. In der Stadt zu wohnen, könne sie sich nicht vorstellen, höchstens am Stadtrand. „Hier habe ich vor Jahrzehnten die Bäume gepflanzt – auch an der Straße –, damit der Wind uns nicht wegpustet“, sagt sie und zeigt auf die Bäume. Hier sind sie, die in Vipernitz aufwuchs, und er, aus Klein Ridsenow, verwurzelt.

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