Der heiße Draht : Verwirrung bei Müllabfuhr

Im Landkreis gelten seit Jahresbeginn neue Regel bei der Müllentsorgung.
Im Landkreis gelten seit Jahresbeginn neue Regel bei der Müllentsorgung.

Bürger beklagen mangelhafte Informationspolitik und drastische Preissteigerung bei 14-täglicher Abfuhr

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12. Januar 2016, 06:10 Uhr

Mit reichlich Verwirrungen startet das neue Abfallentsorgungssystem für den gesamten Landkreis Rostock. Stefan Eiserle macht für seine vierköpfige Familie eine Gebührenerhöhung von rund 60 Prozent aus. Dabei hatte es doch zuvor geheißen, alles nicht so schlimm, im Durchschnitt steigen die Gebühren um rund sieben Prozent. Im Doberaner Teil des Landkreises bleiben in der vergangenen Woche Restmülltonnen an der Straße stehen, weil sie laut Abfuhrrythmus gar nicht an der Reihe sind. Größere Tonnen müssen bestellt werden, aber unter 03843/75 57 09 99 werden Anrufer vertröstet. Die Telefone dort laufen sich heiß.

Nahe der Verzweiflung war u.a. Helmut Precht, der eine neue Tonne bestellen wollte. „Man kommt nicht durch“, klagt der Breesener. „Es gehen seit Mitte/Ende Dezember am Tag bis zu 2000 Anrufe ein“, berichtet Wolfgang Kraatz. Sieben Mitarbeiter würden die Fragen beantworten. „So extrem hatten wir die Situation nicht eingeschätzt. Vielleicht hätten wir 20 Mitarbeiter einsetzen sollen“, so der Dezernent der Kreisverwaltung weiter.

Fester Rhythmus alle vier Wochen bei Restmüll

Ein Blick in den Abfallkalender hatte Stefan Eiserle aufgeschreckt. Bei 14-täglicher Abfuhr einer 80-Liter-Tonne hatte er bisher 93 Euro gezahlt. Jetzt soll er dafür 154,97 Euro zahlen. Stefan Eiserle fürchtet, dass das für manchen Bürger ein böses Erwachen wird, wenn der Gebührenbescheid ins Haus flattert. Das böse Erwachen kann aber auch kommen, wenn die Tonne nicht abgefahren wird. Denn: In der neuen Abfallsatzung wird auf eine vierwöchige Müllabfuhr orientiert. Das bedeutet für Familie Eiserle, dass sie mit einer doppelt großen Tonne (160 Liter) auf eine vierwöchige Abfuhr umschwenkt. Die kostet dann 99,24 Euro im Jahr. Anderenfalls müsste sie eine Abweichung von der Norm (alle vier Wochen) beantragen. Diese würde dann in der Tat deutlich teurer werden. Kraatz spricht von einer Zwischentour, die bei gleichem Aufwand weniger Anschließer bedienen und somit einen höheren Preis verursachen würde. „Jeder, der sich bisher nicht gemeldet hat, akzeptiert eine vierwöchentliche Abfuhr“, stellt der Dezernent fest.

Auslieferung von Tonnen verzögert sich

Stefan Eiserle hat inzwischen das Online-Bestellformular für eine 160-Liter-Tonne genutzt, wartet aber auf eine Antwort vom Abfallwirtschaftsbetrieb. Und schon macht das Gerücht die Runde, die Tonnen könnten ausgegangen sein. Dem widerspricht Kraatz auf SVZ-Nachfrage, räumt aber ein, dass sich die Auslieferung verzögere. Bei der Konzentration der Nachfragen sei der Landkreis-Partner nicht in der Lage in jedem Fall zeitnah zu reagieren.

Die Grünen: unnötig kompliziertes System

Über ein „unnötig kompliziertes System“ und eine „ungenügende Informationspolitik der Verwaltung“, klagt die Bündnis 90/Die Grünen-Kreistagsfraktion. Sie hatte sich bis zuletzt für ein „bewährtes bürgerfreundliches und flexibles System des Altkreises
Bad Doberan für den gesamten Landkreis Rostock “ eingesetzt. Sei damit im Kreistag aber nicht durchgekommen. In der Doberaner Region kam das Müllauto bis dato alle zwei Wochen. Bei 13 Entleerungen im Jahr konnte jeder frei entscheiden, wann er seine Tonne rausstellt. Entsprechend ist nun auch im nördlichen Teil des Landkreises ein Umdenken notwendig. „Ich befürchte“, ergänzt Thomas Jenjahn (Bündnis 90/Die Grünen) „dass die teilweise dilettantische Einführung eines unflexiblen und bürgerunfreundlichen Systems der Abfallentsorgung dazu führt, dass wieder mehr frustrierte Bürger ihren Abfall illegal in der Landschaft entsorgen.“

Versäumnisse bei Informationspolitik

Kraatz räumte gestern Versäumnisse in der Informationspolitik ein. Streng genommen hätte zwar jeder Bürger informiert sein können, schon der Gebührenbescheid vom Februar 2015 war mit einem Hinweis auf den festen Rhythmus alle vier Wochen ab 2016 und die Notwendigkeit, Abweichungen rechtzeitig zu beantragen, versehen. Das aber sei langen her. Die neue Satzung auf den Internetseiten des Landkreises sei „wohl nicht für jeden unproblematisch zugänglich“, meint Kraatz. Und: „Wir hätten in einer richtigen Pressekampagne stärker auf die neuen Aspekte des Abfallentsorgungssystems hinweisen sollen.“ 

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