zur Navigation springen

Willkommenskultur mit Hindernissen : Verwirrspiel auf Englisch

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Bürokratie und Sprachschwierigkeiten führten Asylbewerber-Familie in die Irre / Landkreis: „Es gab keine Kommunikationsprobleme“

svz.de von
erstellt am 05.Mai.2015 | 07:30 Uhr

Bürokratie und Sprachschwierigkeiten sprechen der viel beschworenen Willkommenskultur für Asylbewerber manchmal Hohn. Wenn dann, wie in dieser Woche, noch ein Bahn-Streik dazu kommt, kann das Chaos perfekt werden. So auch im Falle einer ägyptischen Asylbewerberfamilie mit zwei Kindern von sieben Monaten und drei Jahren, die in Bützow eine Wohnung zugewiesen bekam.

Sie muss sich heute morgen kurz nach 5 Uhr von Bützow aus mit dem Zug auf den Weg nach Boizenburg machen, um von dort aus dann mit dem Bus in das abgelegene Horst zu fahren. Neben der zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge und Asylbewerber befindet sich dort auch eine Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Und dorthin ist die ägyptische Familie heute um 8 Uhr zur Anhörung eingeladen.

Was Rainer Becker vom Verein „Deutsche Kinderhilfe“ für reichlich früh hält angesichts der Tatsache, dass die Familie mit den kleinen Kindern einen beachtlichen Anfahrtsweg hat. „Der zuständige Betreuer hätte ja mal beim Bundesamt intervenieren können, damit die Familie einen zumutbaren späteren Termin erhält“, meint Becker.

Doch sei dies noch das geringste Problem. Schwerwiegender sei ein offensichtliches Missverständnis, durch das die Familie beinahe statt nach Boizenburg nach Hamburg gefahren wäre. In der Annahme, dass die Anhörung im dortigen Bundesamt stattfindet. Um heute Früh nicht zu spät zu kommen, hatte sich die Familie sogar schon in einem Wohnheim in Hamburg eine Übernachtungsmöglichkeit organisiert. Doch der zuständige Betreuer habe sich darauf berufen, dass sich „die Aufenthaltserlaubnis nur auf den Landkreis Rostock erstreckt und verweigerte der Familie daher die Anreise nach Hamburg bereits am Vortag“, so Rainer Becker.

Lag’s an mangelnder Verständigung, die mit der Familie nur in Englisch möglich ist? Oder gab’s irgendwelche anderen Hürden? Die Verwirrung auf allen Seiten war gestern jedenfalls perfekt. Klarheit brachte dann nach dem SVZ-Anruf beim Landkreis erst ein kurzfristiges Gespräch mit der Familie. „Von Hamburg war nie die Rede, sondern immer von Nostorf/Horst bei Boizenburg. Ich vermag da bei uns keine Kommunikationsprobleme zu erkennen“, meinte danach Dezernent Rainer Boldt. „Wir haben auch nicht untersagt, dass die Familie am Vortag dort hinfährt. Wir haben aber darauf hingewiesen, dass die zentrale Aufnahmeeinrichtung keine Personen unterbringen kann, die in den Landkreisen Unterkunft haben“, stellt er klar.

Mit der ägyptischen Familie sei nun abgesprochen, so Boldt, dass sie heute, am Dienstag, nach Boizenburg fährt, falls eine Zugverbindung besteht. „Sollten die Züge durch den angekündigten Streik nicht fahren, wird ein neuer Termin mit dem Bundesamt angesetzt“, kündigte er an.

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen