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Senkung des Krankenstandes im Güstrower Rathaus : Verwaltung "auf Weg der Besserung"

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Die Rathausmitarbeiter sind auf dem Weg der Besserung. Das will Arne Schuldt den Stadtvertreter vermitteln. Die hatten den Güstrower Bürgermeister aufgefordert, zum exorbitant hohen Krankenstand Stellung zu nehmen.

svz.de von
erstellt am 04.Jun.2013 | 05:52 Uhr

Güstrow | Die Rathausmitarbeiter sind auf dem Weg der Besserung. Diese Botschaft will Bürgermeister Arne Schuldt mit einem Schreiben an die Stadtvertreter vermitteln. Die hatten den Güstrower Verwaltungschef aufgefordert, zum exorbitant hohen Krankenstand in den von ihm verantworteten Häusern Stellung zu nehmen. Den Hintergrund lieferte ein Bericht des Landesrechnungshofes (LRH), wonach jeder Verwaltungsmitarbeiter im vergangenen Jahr 29 Tage im Durchschnitt krank war. Damit liegt Güstrow fast doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt in Verwaltungen und deutlich über drei Städten in Mecklenburg-Vorpommern, die der LRH als Vergleich herangezogen hatte (SVZ berichtete).

Nach heftiger, teilweise auch unsachlich geführter Debatte hatte die CDU-Fraktion daraufhin einen Beschluss durchgesetzt, wonach der Bürgermeister kurzfristig die Ursachen für den hohen Krankenstand analysieren sollte. Der Bericht liegt jetzt vor. Darin konnte Schuldt eine Ungereimtheit aus dem LRH-Bericht auflösen: Demnach betrug der Krankentagedurchschnitt 2012 in Güstrow nur 21,99. Nicht hervor ging nämlich aus dem LRH-Bericht, dass die dort angesetzten 29 Tage die gesamte durchschnittliche Krankschreibung pro Mitarbeiter beinhaltet (also auch Wochenenden und Feiertage), wogegen in Neustrelitz (14,14), Parchim (12,34) und Waren (18,11) lediglich die Ausfalltage in der Verwaltung durch Krankheit erfassten. Zudem verweist Schuldt darauf, dass Güstrow die - in Bezug zur Einwohnerzahl - geringste Zahl der Beschäftigten in seiner Stadtverwaltung habe. Auch deshalb sei ein Vergleich nur bedingt möglich.

Bei der Statistikanalyse habe er keine Häufung von Ausfalltagen an bestimmten Wochentagen erkennen können, erklärt Schuldt. Anders bei den Jahreszeiten: Frühjahr und Herbst wären Schwerpunkt, und zwar besonders bei Mitarbeitern mit viel Publikumsverkehr, im Außendienst und in den Kitas.

Das hohe Durchschnittsalter der Beschäftigten sieht Schuldt als Hauptgrund für eine ebenfalls überdurchschnittliche Zahl von so genannten Langzeitkranken. 19 seiner insgesamt 223 Mitarbeiter wären mehr als 30 Tage krank gewesen und schlügen mit insgesamt 1610 Ausfalltagen zu Buche - im Durchschnitt 84 Tage. "Zieht man diese Langzeitkranken von dem gesamten Krankenstand ab, ergibt sich ein Krankenstand von durchschnittlich 14,87 Ausfalltagen. Damit ist festzustellen, dass in der Stadtverwaltung der Barlachstadt Güstrow kein überdurchschnittlicher Krankenstand zu verzeichnen ist."

Wertet die CDU die vorgestellte Analyse als "ersten Schritt in die richtige Richtung", so kritisiert Fraktionschef Torsten Renz die Schuldt’sche statistische Schlussfolgerung zu Langzeiterkrankten scharf. "Ein versuchtes Schönrechnen der Statistik dient nicht der Sache", erklärt Renz, der argwöhnt, dass Schuldts Statistiktrick "wahrscheinlich das Ergebnis freundlicher aussehen" lassen soll.

Ungeachtet dessen sieht der Bürgermeister die Verwaltung auf dem richtigen Weg. Durch die Einstellung von jüngeren Mitarbeitern werde sich die Zahl der Ausfalltage verringern, ist Schuldt optimistisch. Als Indiz führt der Verwaltungschef wiederum Zahlen an: Habe es 2010 bei einem Durchschnittsalter von 49,52 Jahren noch 24,55 (nach Schuldt-Rechnung) Ausfalltage gegeben, so seien die 21,99 Ausfalltage 2012 bei einem Altersschnitt von 46,6 erreicht gewesen. Am demografischen Wandel in der Verwaltung will Schuldt weiter arbeiten. Neben der schrittweisen "Beseitigung der Überalterung" setzt der Bürgermeister auf verschiedene Maßnahmen, um den Krankenstand zu senken. Regelmäßige Mitarbeitergespräche sollen das Arbeitsklima verbessern, die Bereitschaft zur Grippeschutzimpfung verstärkt werden, Beachtung der physischen und psychischen Gesundheit der Beschäftigten bei Verwaltungsentscheidungen, Aufbau eines betrieblichen Eingliederungsmanagements für vor allem länger und wiederholt kranke Beschäftigte und zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit. Im nächsten Jahr die durchschnittliche Ausfallzeit um einen Tag zu senken sähe der Bürgermeister als Erfolg an.

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