Alt Kätwin : Verträumtes Gutshaus wachküssen

Aus dem Gutshaus in Alt Kätwin soll ein Wohn- und Geschäftshaus werden. Fotos: REgina Mai
1 von 4
Aus dem Gutshaus in Alt Kätwin soll ein Wohn- und Geschäftshaus werden.

Eine junge Familie aus Rostock kaufte nun das Gutshaus in Alt Kätwin. Ihr Ziel: ein Wohn- und Geschäftshaus daraus machen.

von
08. Januar 2016, 14:50 Uhr

Ein alter staubiger Stuhl steht mitten im Zimmer. Aus dem kaputten Polster ragt eine Feder heraus – Sinnbild für Vergänglichkeit. Aber viel zu schade für den Sperrmüll, meinen die neuen Eigentümer des ehemaligen Gutshauses in Alt Kätwin. Der Stuhl – vermutlich Gründerzeit – soll wieder aufgearbeitet werden. Und überhaupt: Alles, was noch irgendwie zu erhalten ist, soll bleiben: Türen, Fenster, Fußböden. Die junge Familie aus Rostock geht voller Enthusiasmus, aber auch ganz ruhig an die Sanierung des aus den Jahren 1820/30 stammenden Hauses. Einen Zeitplan hat man nicht. Ein Wohn- und Geschäftshaus, in dem man selbst wohnen möchte, soll es werden. Bis dahin darf sich noch manche Idee entwickeln.


Desolate Anbauten als erstes entfernt


Schon als Kind habe sie von einem großen Haus auf dem Lande mit viel Platz drumherum auch für Tiere geträumt, erzählt die 32-Jährige, die sich mit ihrem Mann, „solange man noch nichts geschafft“ habe, nicht in der Öffentlichkeit sehen möchte. Monatelang hatten sich beide in der Region umgesehen. Als sie sich gezielt das Gutshaus in Teschow angesehen und von diesem nicht begeistert waren, schauten sie eher zufällig auch in Alt Kätwin vorbei. Das Haus stand nicht zum Verkauf. Das Interesse aber war geweckt. Der Eigentümer wurde ausfindig gemacht und wollte doch verkaufen. „Das sollte nun wohl so sein“, interpretieren die neuen Eigentümer.

Schnell musste der hintere Anbau abgerissen werden. Dort, wo er ans Haupthaus anschloss, drang jahrelang Wasser ein. Die dadurch entstandenen Schäden sind zum größten Teil bereits beseitigt. Auch ein zweiter Anbau ist zum Teil abgetragen. Ganz soll er nicht verschwinden. Ansonsten sei das Gebäude in einem soliden Zustand, der Dachstuhl in Ordnung. Mit der Neueindeckung des Daches sollen Gauben, die man von alten Fotos kennt, wieder eingebaut werden, damit der Dachraum – Potenzial für später – lichtdurchflutet wird.

Vieles machen die neuen Eigentümer selbst. Sie bezeichnet ihn, der aus dem Bereich Maschinenbau kommt, als „handwerkliches Multitalent“. Mit einem Bauingenieur im Bekanntenkreis habe man fachliche Rückendeckung, mit der Familie weitere Unterstützung sicher. „Ein bisschen verrückt muss man aber schon sein“, gesteht der 35-Jährige. Mit Standard-Denken käme man bei einer so großen Aufgabe kaum weiter. Alles, was per Hand gemacht werden kann, wolle man selbst anpacken. Voller Elan ist das Paar mit sechsjähriger Tochter dabei. Gern zeigen sie ihre „Schmuckstücke“ vor. Neben alten Dielen und Fließen sind das die Treppenanlage, die Lehmwände und zwei außergewöhnliche Decken, die eine mit Stuck, die andere mit Intarsien.

Auch der Park des Anwesens in Alt Kätwin ist schon „durchforstet“ und vom Brombeergestrüpp befreit. Bemerkenswert ist eine kleine Allee, die zu einem Gedenkstein führt. Errichtet wurde er für Carl Theodor Christian Hillmann, gestorben 1859. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen