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Region Güstrow : Verschwendung beim Straßenbau?

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Wird mehr Geld als nötig beim Straßenbau bezahlt? Unsere Zeitung fragte an drei Baustellen in Plaaz, Suckow und Linstow nach. Das Straßenbauamt Güstrow widerspricht den Vorwürfen und nennt Argumente für den Bau.

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2012 | 08:41 Uhr

Plaaz/Suckow/Linstow | Werden oder wurden an den Baustellen Brückenneubau Plaaz, Einmündung B 103 Suckow und an der neuen Autobahnauf- und -abfahrt Linstow Steuergelder verschwendet? Das fragt u.a. der Plaazer Gemeindevertreter Werner Raupach das Straßenbauamt (SBA) Güstrow. Sein Vorwurf: Das Land hätte sehr viel Geld sparen können, wenn es in Plaaz nicht die neue Trasse so weiträumig bauen würde. Der Plaazer schätzt die Einsparung auf eine Million Euro. Raupach sagt: "Die alte Trasse hätte genügt, und es ist nicht nachzuvollziehen, dass sie nur wegen der neuen Entwurfsgeschwindigkeit von 70 km/h gebaut wird."

Die Gemeinde sprach sich ebenfalls für eine Zufahrt von Wendorf auf die neue Straße am gleichen Standort aus, weil dort kein Unfallschwerpunkt war. Im Planfeststellungsverfahren erklärte Raupach in ähnlicher Weise seine Einwände. Zusätzlich kritisierte er, dass die veränderte Trassenführung einen Gefahrenpunkt an der Wohnbebauung schafft, Acker als Nutzfläche verloren geht und die Zufahrt nach Zapkendorf unangemessen um 1,40 Meter angehoben wird. Dazu kam sein Vorschlag, den Knoten zur Zufahrt nach Zapkendorf einschließlich der Anlieger straße zu zwei Gehöften zu belassen wie sie ist. Raupach sieht aber auch unnötige Kosten auf die Gemeinde zukommen. Zur langen Zufahrt Wendorf sagt er: "Da können wir für den Winterdienst ständig einen Radlager stationieren." Unzufrieden ist er, dass das SBA die Wendeschleife für die Zufahrt zu einem Lkw-Parkplatz - Kosten rund 2000 Euro - nicht realisiert.

Ronald Normann, Dezernent des SBA, widerspricht jedem Vorwurf Steuergelder zu verschwenden und verweist auf strafrechtliche Folgen. Dabei bezog er sich gestern bei einem Gespräch, das SVZ vermittelte, auch auf die Erwiderung der Behörde zu Werner Raupachs Einspruch. Normann erklärte, dass das SBA nach Richtlinien und Gesetzen arbeite. Sollen diese geändert werden, müsse man sich an die Politik wenden. Außerdem sei das der Stand der Technik. Danach sei zu verfahren. Wenn nicht, verstoße man gegen Haushaltsprinzipien, so Normann. Er erklärte weiter, dass der Beschluss zur Planfeststellung auf der Grundlage eines genehmigten Bauentwurfs erfolgt sei. Dieser wiederum auf der Grundlage des derzeit gültigen Regelwerkes.

Normann: "Es sind mehrere Varianten untersucht worden. Die jetzige Variante stellt eine Optimierung dar und ist auch eine wirtschaftliche Lösung." Kosten: eine sechsstellige Summe. Gleichzeitig verwies er darauf, dass dem Wunsch der Gemeinde, die Zufahrt Wendorf von 3 auf 5,50 Meter zu verbreitern, nachgekommen wurde. Die Wendeschleife, so Normann, müsse die Gemeinde bauen. Für das Areal müsse es eine Ausgleichsfläche geben. Das verlange die Untere Naturschutzbehörde.

Suckow: Stromleitungen für Bioenergiewerk waren schuld

Gesprächsstoff in die gleiche Richtung liefert immer noch - daher passt es zu dem Thema - das SBA, weil es im Frühjahr an der Einmündung Suckow auf der B 103 wieder mit Bauarbeiten begann, obwohl die im Herbst beendet wurden. Hier grassiert bis heute Unverständnis unter vielen Bürgern mit der Frage "Wer hat da wieder einen Fehler auf Kosten des Steuerzahlers begangen?" Die Frage ist bis heute nicht beantwortet. Das stimme, räumt Normann ein, aber an das SBA sei das nie herangetragen worden. Dem Vorwurf in der Frage widerspricht der Dezernent. Er bestätigt zwar die neuen Arbeiten, aber er hat eine Erklärung. Schuld waren Stromleitungen für das Bioenergiewerk. Die seien nicht so verlegt worden wie genehmigt. Daher habe man die Rohrleitung mit dem vorgeschriebenen Gefälle zum Entwässern der Gräben nicht einbauen können.

Zwei Entscheidungen standen zur Debatte. Erstens die Baustelle bis zum Frühjahr ruhen zu lassen, was Mehrkosten verursacht hätte. Oder zweitens erst einmal Verzicht auf die Rohrleitung, Abschluss der Bauarbeiten im Herbst und eine neue Planung im Frühjahr ohne Umverlegung der Stromleitungen. Letzteres wurde entschieden. Normann: "Dadurch, das können wir nachweisen, wurde das zu einem Nullsummenspiel." Bei beiden Varianten gehe es um 70 000 Euro und die Mehrkosten der Baustellen-Stillstandszeiten seien verhindert worden, so der Dezernent.

Kosten für Minikreisel und Knoten gleich

Bleibt Vorwurf 3, die Autobahnauf- und -abfahrt Linstow. Hier geht es um den Kreisel vor dem Dorf und zur Polizei. Bauarbeiter und Einwohner meinen, der Kreisel sei so überflüssig wie ein Kropf und hätte mehr gekostet als eine abbiegende Hauptstraße. Normann bestätigt, dass man die Variante auch bedacht hatte. Aber verkehrstechnische und Sicherheitsgründe hätten zum Bau des Minikreisels geführt. Dessen Kosten belaufen sich wie ein Knoten auf 23 500 Euro. Normann: "Der Kostenrahmen ist nicht gesprengt. Wir haben durch den überfahrbaren Kreisel eine Verkehrsberuhigung und mehr Verkehrssicherheit."

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