Stadtarchiv Güstrow : Verkehrsgeschichte unter der Lupe

Doris Dieckow-Plassa, Annaliesa Soltwedel und Barbara Zucker (v. l.) sichten Material für die Ausstellung.  Fotos: christian Menzel
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Doris Dieckow-Plassa, Annaliesa Soltwedel und Barbara Zucker (v. l.) sichten Material für die Ausstellung. Fotos: christian Menzel

Das Güstrower Stadtarchiv ist beim bundesweiten „Tag der Archive“ am 5. und 6. März dabei

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01. März 2016, 05:00 Uhr

Im Güstrower Stadtarchiv „Heinrich Benox“ laufen die Vorbereitungen auf den bundesweit 8. Tag der Archive, der am 5. und 6. März im Kalender steht, auf Hochtouren. Der vom Verband der deutschen Archivare initiierte Tag läuft in diesem Jahr unter dem Motto „Mobilität im Wandel“. Doris Dieckow-Plassa und Barbara Zucker erarbeiten dazu, unterstützt von der ehrenamtlich tätigen früheren Stadtarchivarin Annaliesa Soltwedel, eine Ausstellung „Straßen, Wege, Plätze (1850 bis 1950)“. Präsentiert werden Streiflichter und Episoden aus 100 Jahren Güstrower Verkehrsgeschichte. „Dazu stellen wir eine Auswahl von Akten, historischen Karten, Stadtplänen, Fotografien, Zeitungsausschnitten und anderen Materialien zusammen“, sagt Dieckow-Plassa.

Gleich im ersten Raum findet sich ein von Emanuel Raspe entworfener Bebauungsplan der Stadt Güstrow aus dem Jahr 1928. Darin schlägt der Vermessungsingenieur in Zusammenhang mit der Bebauungs- und Stadterweiterung drei Umgehungsstraßen vor. Die Vorschläge wurden allerdings nicht realisiert. Einen Schwerpunkt in der Ausstellung nimmt der Abriss der Stadttore, der Ende des 18. Jahrhunderts begann, ein. Im Laufe der Zeit verschwanden immer mehr dieser Eingangspforten, weil sie für den sich entwickelnden Verkehr ein Hindernis darstellten.

Genau zum Anfang des gewählten Ausstellungszeitraums passt die Eröffnung des Güstrower Bahnhofs. Zwar war er 1850 noch nicht ganz fertig gestellt, aber die Strecke Güstrow – Bützow wurde in diesem Jahr eingeweiht. 1864 wurde die Verbindung nach Neubrandenburg in Betrieb genommen, Jahre später die nach Plau.

An weiteren Stationen wird an den Güstrower Wagenfabrikanten Carl Millahn erinnert, der ab 1903 ein Geschäft in der Lindenstraße 7/8 betrieb, oder an die Aktivitäten des Fremdenverkehrsvereins, der in den 1920er- und 30er-Jahren die Ankurbelung des Fremdenverkehrsvereins auf seine Fahnen geschrieben hatte.

Ein Höhepunkt der Ausstellung dürfte das Material über die Landung des Zeppelin-Luftschiffs „Hansa“ 1914 in Güstrow sein. „Dieses Ereignis, das die Stadt zwischen dem 6. und dem 21. Juni in Atem hielt, können wir lückenlos in der Güstrower Zeitung nachvollziehen“, weiß Dieckow-Plassa. Es begann mit einer Annonce, mit der Mitreisende von Güstrow nach Teterow für 100 Mark – was damals viel Geld war – gesucht wurden. Die Landung des aus Potsdam kommenden Luftschiffs musste wegen des ungünstigen Wetters verschoben werden. Die Zeitung druckte damals zwei Gedichte von Lesern ab: eines, das die Verschiebung wortreich bedauerte, und ein zweites, in dem das Ereignis euphorisch gefeiert wurde.

Kommenden Sonnabend und Sonntag haben Besucher die Möglichkeit, zwischen 11 und 16 Uhr die Ausstellung im Güstrower Stadtarchiv zu besichtigen und Einblicke in die historischen Zeitdokumente zu nehmen.




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