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Ein Schlag für die Ehrenamtliche Arbeit : Verein verliert vor Finanzgericht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Urteil: Güstrower Verein „Wasser in Güstrow“ nicht gemeinnützig / Vorstand will gegen Richterspruch vorgehen / Drittes Boot

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2015 | 21:30 Uhr

Schlechte Nachrichten für den kleinen Verein „Wasser in Güstrow“: In einer Verhandlung vor dem Finanzgericht Greifswald haben die Richter die Aufhebung der Gemeinnützigkeit des Vereins durch das Finanzamt Güstrow bestätigt. „Die Richter und das Finanzamt haben sich auf unsere Satzung bezogen und sind der Meinung, dass wir mit unseren Projekten mehr den Tourismus und weniger die Interessen der Güstrower gefördert hätten“, gibt Vereinschef Hans-Andreas Reincke die Begründung wieder, um im gleichen Moment dagegen zu argumentieren: „Unser Anliegen in all den Jahren war es, das Interesse der Güstrower stärker auf den Inselsee zu lenken und Erlebnisse auf dem Wasser zu ermöglichen. Wenn das von uns mitentwickelte Projekt ‚Erlebnisvielfalt Inselsee’ auch dem Tourismus zugute kommt, ist das ein angenehmer Nebeneffekt“, findet er.

Die Auswirkungen der Aberkennung der Gemeinnützigkeit für den neunköpfigen Verein sind jedoch schlimm. „Wir haben nicht die Möglichkeit, Spenden einzuwerben. Außerdem ist es frustrierend, wenn unsere ehrenamtliche Arbeit so bewertet wird“, sagt er.

Dennoch sind die Vereinsmitglieder in diesen Tagen mit großem Eifer dabei, einen dritten Kutter für den Inselsee flott zu machen. Nachdem die Boote „Hermann Schröder“ 2009 und „Fürst Borwin“ 2014 in Dienst gestellt wurden, erwarben die Güstrower einen dritten Kutter der Reihe ZK 10 von einem Schweriner Seglerverein. „Das gute Stück hat zirka 50 Jahre auf dem Buckel, ist also ein Oldtimer“, sagt Peter Schüller, stellvertretender Vereinsvorsitzender und für die Kutterrestaurierung zuständig. Seit November treffen sich die Mitglieder abends einmal in der Woche, um an dem Boot zu werkeln. Da müssen alte und verrottete Holzteile erneuert oder noch verwendbare geschliffen werden. Auch Rudervorrichtungen müssen repariert werden. Besonders schätzen die Vereinsmitglieder den Rat und die Mitarbeit von Tischlermeister Norbert Steinbrink. Wenn die Sonne wieder höher steht, geht es ans Lackieren.

„Knapp 1000 Stunden Arbeit sind nötig, um den Kutter wieder flott zu machen“, hat Schüller ausgerechnet. Stunden, die die Vereinsmitglieder in ihrer Freizeit ehrenamtlich leisten.

Zum Saisonbeginn soll der neue Kutter, der in Schwerin unter den Namen „Weltenbummler“ lief, auf „Burgwall“ getauft und der Tourismusfirma „Wanderer aktiv-tour“ zur Nutzung übergeben werden. Dessen Inhaber Sven-Erik Muskulus freut sich schon auf den Zuwachs. „Dadurch habe ich die Möglichkeit, den Wünschen größerer Gesellschaften zu entsprechen“, sagt er. Mit den Kuttern kann man segeln, rudern oder den Inselsee mit Hilfe eines Elektromotors erkunden.

Für das vergangene Jahr zieht Muskulus vor allem für das Chartergeschäft eine positive Bilanz. Von Einheimischen und Touristen weniger gut angenommen wurden dagegen die in einem Fahrplan festgelegten Touren. „Für die neue Saison überlege ich, dieses Angebot auf die Ferienmonate zu beschränken“, sagt Muskulus. In Sachen Gemeinnützigkeit will der Verein nicht klein beigeben.

„Wir warten die schriftliche Begründung des Gerichtsurteils ab und werden dann den Kontakt zum Finanzamt suchen. Sollten wir keine Einigung erzielen, müssen wir den Verein umstrukturieren und die Satzung neu fassen“, sagt Hans-Andreas Reincke.




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