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Krakow am See : Verein soll Jörnberg-Areal retten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Diskussion um Filetstück am Krakower See ist erneut entflammt. Zunächst soll die Gaststätte gesichert werden.

von
erstellt am 20.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Den Genossen reißt jetzt der Geduldsfaden. Ein Großteil des Areals rund um den Jörnberg liegt seit anderthalb Jahrzehnten brach, die ehemalige Berufsschule und das einstige Gästehaus des damaligen Rates des Bezirkes Schwerin rotten vor sich hin. Hochfliegende Pläne zweier Möchtegerninvestoren von Wellnesshotels und ähnlichem Schnickschnack in der Top-Lage erwiesen sich als hohl wie Seifenblasen. Jetzt steht das Areal erneut zum Verkauf. Angeblich will der Eigentümer 300  000 Euro haben, um sich aus der Verantwortung zu entlassen; eine kursierende Zahl. Und am Rand, aber dennoch mitten drin in der Maläse, steht die Jörnberg-Gaststätte. Bis 2020 hat Sieglinde Musialczyk das Haus noch gepachtet. Sie möchte auch danach gerne weitermachen. Die Frage ist nur: Wie?

Die Stadt, der der Gaststätten- und Pensionskomplex gehört, kann nicht und will deshalb nicht sanieren. Grundsatz in der Haushaltskonsolidierung: Reingesteckt werden kann nur, was durch die Pacht herauskommt. Und das ist dürftig. Eine Gaststätte zu betreiben ist halt nicht Aufgabe einer Kommune. Jedes Jahr setzt sich deshalb bei der Haushaltsplanung das Gezerre um notwendige Investitionen fort. In jüngster Zeit hört man sogar von Verkaufsplänen in der Stadtvertretung. Bürgermeister Wolfgang Geistert (parteilos/SPD-Fraktion) kann sich auch einen Abriss und Neubau – dann eventuell zum Verkauf – vorstellen.

„Wird das dann ein Areal für Superreiche? – Das ist nicht unsere Politik“, stellt Christoph Küsters, Fraktionsführer der Linken, klar. Zu einer öffentlichen Fraktionssitzung lud Küsters ein, und drei Dutzend Krakower und Nichtkrakower kamen und demonstrierten so, was Küsters aussprach: „Da hängt viel Herzblut dran.“ Seit 60 Jahren gebe es nun schon die Gaststätte, und nichts Nennenswertes sei bisher baulich investiert worden. Mit rund 400  000 Euro beziffere ein Ingenieurbüro den Sanierungsstau.

Wie vor 60 Jahren: Freiwillige gefragt

Wie aber rauskommen aus dem Dilemma? „Wir könnten vielleicht wieder ein NAW-Objekt machen“, sinniert Christoph Küsters, an das „Nationale Aufbauwerk“ im Osten Deutschlands erinnernd, in dessen Rahmen Ende der 1950er-Jahre die Gaststätte durch freiwillige Helfer gebaut wurde. „Da müsste sich aber jemand vorspannen“, weiß auch Küsters nur zu genau. Und findet bei Parteigenossin Heidrun Bluhm prominenten Beistand. „Wenn die Bürger einen Verein gründen, könnte der Fördermittel beantragen“, weiß die Bundestagsabgeordnete auch aus ihrer Arbeit als frühere Schweriner Bausenatorin. Ein Konzept einer öffentlichen Nutzung für die Gaststätte könnte, so denkt Bluhm auch, ein Impuls für das ganze Areal sein.

„Die Berufsschule und das Gästehaus sind eine Katastrophe. Wichtig ist erst mal die Erhaltung der Gaststätte. Ich plädiere für eine Sanierung“, fordert der frühere Stadtvertreter Erich Blumenthal, der sich als einstiger Miterbauer outete. „Sicher sollte man am besten das ganze Areal einbeziehen. Aber ich habe hier noch keinen Investor gesehen“, unkt Volker Roese und möchte klargestellt wissen: Hätte seine Lebensgefährtin die Gaststätte nicht übernommen, dann „wär auch hier heute eine Müllkippe“. Sieglinde Musialczyk, Pächterin seit zehn Jahren, würde in solch einem noch angedachten Verein jedenfalls mitmachen, sagt sie. Heike Müller aus Lalendorf, Ortsverbandsvorsitzende der Linken, will ihr beistehen, Christian Pawelke meldete sich ebenfalls spontan.

Und es gibt Rückendeckung aus ganz anderer politischer Ecke: Die CDU-Fraktion hatte zwar an dem Abend eine eigene interne Veranstaltung, sah sich durch Kathrin Lange dennoch vertreten, und die signalisierte Unterstützung. Christoph Küsters griff das gerne auf: Er wolle mit der Fraktion der Christdemokraten sprechen, zur Ehrenamtsstiftung gehen und auch dort Hilfe zu holen, um eine Vereinsgründung anzustoßen.

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