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Notaufnahmelager Mühlengeez : Väterchen Frost wieder abbestellt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Mela-Gelände wieder an MAZ-GmbH übergeben: Notaufnahmelager Mühlengeez geräumt / Probleme? – fast null / Sechs Flüchtlinge wollten gar nicht weiter

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2015 | 14:30 Uhr

Ausgangslage herrscht rechtzeitig vor dem Fest im DRK-Kreisverband Güstrow. Die bisher größte Herausforderung für den Verband, Einrichtung und Betrieb des Notaufnahmelagers für Flüchtlinge in Mühlengeez, wurde mit Bravour gemeistert, bestätigte Innenminister Lorenz Caffier den vielen Helfern auf einer Dankeschönveranstaltung (SVZ berichtete). Inzwischen ist das Lager auf dem Gelände des Messe- und Ausstellungszentrums abgebaut, das DRK hat das Gelände vergangene Woche wieder in die Hoheit der MAZ-GmbH übergeben, bestätigt DRK-Pressesprecherin Manuela Hamann.

Unter den rund 230 Helfern, die in der Landeseinrichtung von September bis Dezember haupt- oder ehrenamtlich Dienst leisteten, waren über 100 Frauen und Männer, die beim DRK eine zeitweise Anstellung hatten. Die endet für viele zum Jahresende. Die fest angestellten Mitarbeiter würden nun wieder ihren angestammten Aufgaben beim Deutschen Roten Kreuz nachgehen. Gert Schmidt etwa, der mit seiner Erfahrung aus den 1990er-Jahren, als im Kosovo-Krieg Notunterkünfte für Flüchtlinge eingerichtet waren, hatte die Hoheit über die auf dem Felde der Landwirtschaftsausstellung Mela aus dem Boden gestampfte Einrichtung in Mühlengeez übertragen bekommen. Schmidt kann sich jetzt wieder seiner eigentlichen Aufgabe als Leiter des Bereiches Notrufdienste widmen.

Ihm zur Seite stand in Mühlengeez der Ehrenamtkoordinator des Kreisverbandes, Hilmar Fischer. „Wie ein Fels in der Brandung“ (Hamann), habe der Krakower jeden Tag organisiert, koordiniert und Absprachen geführt, um den Lageralltag am Laufen zu halten.


Gravierendster Vorfall – Frauenschutzhaus hilft


Mit allzu ernsthaften sozialen Problemen, die in einem Lagerleben mit in der Spitze 1150 Menschen ganz regelmäßig auftreten, hätten sie sich jedoch nicht herumschlagen müssen. Auch ein Ausweis für die gute Arbeit der Helfer: Irgendwelche Auseinandersetzungen innerhalb der Notunterkunft habe es nicht gegeben, versichert die DRK-Sprecherin. In einem Fall (in deutschen Familien würde man da von häuslicher Gewalt sprechen) habe man das Frauenschutzhaus um Hilfe bitten müssen. „Gravierendstes“ Vorkommnis sei eine Episode gewesen, die eher schräg anmutet, als dass sie aufgeregt hätte: Standen doch eines Tages sechs ehemalige Insassen, die nach ihrem Aufenthalt in Mühlengeez in die reguläre Aufnahmeeinrichtung nach Horst gebracht wurden, plötzlich wieder vor dem Tor in Mühlengeez! „Denen hat es offenbar bei uns besser gefallen“, vermutet Manuela Hamann mit einem Schmunzeln.

Auch außerhalb des Zaunes waren keine Klagen zu hören. Bürgermeister Karl-Heinz Kissmann jedenfalls habe keine gehört, sagt er: „Gar nichts. Da bin ich auch den Einwohnern von Mühlengeez und der Umgebung dankbar, dass alle die Ruhe bewahrt haben.“ Im Gegenteil: Von etwa 20 Einwohnern der Gemeinde Gülzow-Prüzen wisse er, die immer ehrenamtlich angepackt hätten, wo Hilfe nötig war. Einer der freiwilligen Helfer, wenn auch nicht aus dem Ort, war Berthold Gehrt. Der Güstrower, gerade erst in Rente gegangen, folgte dem Aufruf des DRK von Anfang Oktober und stand täglich „auf Abruf am Telefon“. War Not am Mann, so 15- bis 20-Mal, sei er rübergefahren nach Mühlengeez. „Mal für drei Stunden, ein andermal waren es acht Stunden“, erzählt der 65-Jährige von seinen Einsätzen, vorrangig bei der Registrierung, in der Notunterkunft.

Allerdings: Etwas Glück sei vielleicht auch im Spiel gewesen, das Wetter nämlich. „Am letzten November-Wochenende rüttelte das Sturmtief ,Nils’ doch kräftig an den Zelten. Schäden blieben gering, aber da zeigte sich, dass die Ausstellungszelte der Mela auf Dauer nicht als Unterkunft geeignet wären. Zum Glück gab es auch keinen Wintereinbruch mit Schnee.“ Genügend feste Regencapes zum Beispiel habe man bereits organisiert gehabt. Auf Eventualitäten sei man zwar gedanklich eingestellt, doch ob z.B. bei langem, hartem Frost die Heizungen genug Wärme geschafft hätten? Hamann: „Der Gedanke, dass die Menschen vielleicht bei Eis, Schnee und Regen nachts zum Toilettencontainer gemusst hätten… Ich sind froh, dass wir nicht in die Verlegenheit kamen.“ DRK-Kreisgeschäftsführer Peter Struve: „Väterchen Frost, das wir schon bestellt hatten, können wir jetzt in die regulären Flüchtlingsheime schicken.“

 

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