Feuerwehr im Einsatz : Unwetter sucht Güstrow heim

Der Ginkgo auf dem Schlossgelände hielt Wind und Wasser nicht stand und brach um.  Fotos: Eckhard Rosentreter
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Der Ginkgo auf dem Schlossgelände hielt Wind und Wasser nicht stand und brach um. Fotos: Eckhard Rosentreter

Böenwalze mit 105 km/h und 63 Liter Regen in einer Stunde. 100 Feuerwehrleute aus der ganzen Region in der Kreisstadt im Einsatz

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26. Juni 2016, 21:00 Uhr

Das Unwetter, das am Sonnabendabend über die Barlachstadt hinwegzog, hielt die Güstrower Feuerwehr in Atem. „Wir stehen Kopf!“, meldete Matthias Klich ab Alarmierungszeitpunkt 17.21 Uhr aus der Zentrale in der Landesbrandmeister-Bever-Straße. Gemeinsam mit Wehrführer Markus Paschen hatte Klich alle Ohren und Hände zu tun, um die ohne Unterlass eintreffenden Schadensmeldungen überhaupt registrieren zu können. Zum Glück trafen im Minutentakt nicht nur alle verfügbaren 40 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Güstrow ein, sondern nacheinander auch Kameraden der Wehren aus Laage, Karcheez, Karow/Lüssow, Bützow und Krakower Ortsteilen mit personeller und technischer Verstärkung. Auf der Stelle bekamen die sich anmeldenden Truppführer ihren ersten Einsatzort zugewiesen, die ordnungsgemäße statistische Erfassung musste zunächst provisorisch bleiben. Insgesamt 100 Einsatzkräfte konnte Paschen so entsenden.

Viele Bäume umgestürzt

Aus dem gesamten Stadtgebiet wurden umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste, überflutete Keller und Straßen, abstürzende Dachziegel gemeldet, komplette Straßenzüge waren mit herabgefallenen Ästen, Zweigen und Blättern geradezu übersät. Unmöglich, überall gleich zur Stelle sein und helfen zu können. Die Abwendung von Personenschäden stehe an erster Stelle, dann gelte es, den öffentlichen Raum zu sichern, erläutert Markus Paschen knapp, als er einmal kurz Luft holen kann. Prompt kommt eine Notmeldung rein: Eine Frau habe eine offene Unterschenkel-Fraktur erlitten, als sie eine Kellertreppe herabstürzte. Unverzüglich beordert Paschen einen Rettungstransportwagen in den Distelweg.

Die Güstrower Nordstadt trifft es offenbar am heftigsten, ebenso die Südstadt. Im Norden stand das Wasser noch gestern in der Platanenstraße so hoch, dass Kinder ihren Spaß beim Durchwaten hatten. Da war die größte Gefahr schon vorbei, nachdem beherzte Bürger die teilweise unsichtbar verstreuten Absperrgitter einer Baustelle herausfischten. Zuvor sollen Autos schon drübergefahren sein. In einem anliegenden Block drang das zurückgestaute Wasser in die Keller ein, Augenzeugen berichten, auch in unteren Etagen durch die Toiletten. An anderen Stellen drückte die Kraft des nicht abfließen könnenden Wassers Gullydeckel heraus.

In Teilen der Südstadt gab es einen knapp einstündigen Stromausfall. Wer da die Rollläden elektrisch runtergelassen hatte, stand so bei den anstehenden Wischarbeiten ultimativ im Dunkeln. Ein Baum war in Primerburg in die Freileitung gefallen, gab Stadtwerke-Geschäftsführer Edgar Föniger gestern Auskunft. Feuerwehrleute hätten erst für Abhilfe sorgen müssen. Kollegen vom Städtischen Abwasserbetrieb wären nach dem Unwetter pausenlos auch den Sonntag im Einsatz gewesen, um Keller auszupumpen und Abflüsse freizulegen.

Auch im Stadtzentrum hinterließen Sturm und Regen ihre Spuren. So werden heute viele Güstrower den Ginkgo vermissen, der am Schloss eigentlich gar nicht wegzudenken war. Der Baum hielt dem Druck nicht stand, knickte ab. Mit 105 km/h fegte der Sturm in einer Linie von etwa Lohmen – Zehna nach Tessin und Graal-Müritz über Güstrow hinweg, berichtet Thomas Daniels von der Güstrower Wetterwarte. Es sei jedoch kein Tornado gewesen. Daniels spricht von einer Böenwalze. Dazu habe er innerhalb einer Stunde 63 Liter Regenwasser auf dem Quadratmeter gemessen – die durchschnittliche Niederschlagsmenge eines sonst gesamten Monats Juni! „Bei dieser Windlast von Stärke 11, gepaart mit solch extremem Niederschlag ist der Druck auf die Bäume enorm“, erklärt Daniels. Und örtlich habe die Regenmenge sogar noch höher gewesen sein können. Zugleich registrierte der Wetterexperte einen Temperatursturz von zehn Grad, verbunden mit einer gegen null gehenden Sicht.

Neben dem Güstrower Stadtgebiet mit rund 100 Einsatzstellen für die Feuerwehr war insbesondere die Landesstraße 17 betroffen. Bis in die Nacht hinein waren Feuerwehrleute hier im Einsatz, um umgestürzte Bäume von der Fahrbahn zu räumen, berichtete die Polizei. Gegen 15 Uhr endlich konnte Wehrführer Markus Paschen gestern seinen letzten Kameraden ins Wochenende schicken.  

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