Anwohner in Güstrow-Dettmannsdorf machen mobil : Unterschriften gegen Asylbewerber

„Ein Asylbewerberheim mit 100 Plätzen  ist für Güstrow als der mit 30 000 Einwohnern größten Stadt im Landkreis kein Problem.“ - Rainer Boldt, 2. stellvertretender Landrat
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„Ein Asylbewerberheim mit 100 Plätzen ist für Güstrow als der mit 30 000 Einwohnern größten Stadt im Landkreis kein Problem.“ - Rainer Boldt, 2. stellvertretender Landrat

Obwohl es noch keine endgültige Entscheidung gibt, das ehemalige Internat der Bahn in ein Asylbewerberheim mit 100 Plätzen umzuwandeln, machen Anwohner mit einer Unterschriftenaktion bereits gegen das Heim mobil.

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25. September 2012, 07:05 Uhr

Güstrow | Obwohl es noch keine endgültige Entscheidung des Landkreises gibt, das ehemalige Internat der Deutschen Bahn in Güstrow-Dettmannsdorf in ein Asylbewerberheim mit 100 Plätzen umzuwandeln (SVZ berichtete), machen Anwohner mit einer Unterschriftenaktion bereits gegen ein solches Heim mobil. Auch ein Flugblatt, das angebliche Fakten gegen die Ansiedelung von Asylbewerbern in diesem Stadtteil auflistet, kursiert seit einigen Tagen. Bei einem Vor-Ort-Termin mit dem stellvertretenden Landrat Rainer Boldt machten gestern einige Anwohner ihrem Ärger Luft.

Mit dabei war auch Steffen Sanewski, Geschäftsführer der unmittelbar angrenzenden Kindertagesstätte im Waldweg. "Wir als Kita werden uns an der Unterschriftenaktion beteiligen, distanzieren uns aber gleichzeitig von jeglichem rechten Gedankengut", unterstreicht er. Sanewski hatte in einem Leserbrief in unserer Zeitung als erster ernsthafte Bedenken gegen die Einrichtung eines Asylbewerberheims in Dettmannsdorf geäußert. Seiner Meinung nach ist das Heim existenzbedrohend für seine Kita. "Eine Mutter hat schon abgesagt, weil das Heim hier entstehen soll." Sanewski sieht in der Konzentration von 100 Asylbewerbern an einem Ort zudem ein "großes Konfliktpotenzial" und plädiert für eine dezentrale Lösung.

So lautet auch eine der Forderungen in dem Flugblatt, das lediglich mit "Die Dettmannsdorfer Bewohner" unterzeichnet ist. Unter anderem heißt es da, dass "100 Asylbewerber auf ein Gebäude bezogen für eine Kleinstadt wie Güstrow nicht tragbar sind". Neben ernstzunehmenden Bedenken gegen das Asylbewerberheim werden in dem Flugblatt auch plumpe Vorurteile formuliert.

Diesen Vorurteilen versuchte gestern Rainer Boldt bei der Diskussion mit den Anwohnern entgegenzutreten. "Wir hatten vor vier Jahren zwei Asylbewerberheime in Güstrow, die beide größer waren als das jetzt geplante. Es gab nie Beschwerden", sagt er. Ein Asylbewerberheim mit 100 Plätzen sei für Güstrow als der mit 30 000 Einwohnern größten Stadt im Landkreis kein Problem. In Bad Doberan mit nur 10 000 Einwohnern seien in zwei Heimen zurzeit 180 Asylbewerber untergebracht. "Güstrow ist weltoffen genug", so Boldt. Von einer dezentralen Lösung hält er gar nichts. "Es geht hier um Menschen, die nicht isoliert werden sollen." Spontan organisierte er gestern für einige Kritiker eine Besichtigung des Asylbewerberheims in Bad Doberan, um Vorurteile abzubauen.

Unterdessen würden laut Boldt die Verhandlungen mit dem Vermieter des Gebäudes in Dettmannsdorf kurz vor dem Abschluss stehen. "Die Chancen stehen gut." Das Asylbewerberheim sei dort gut angebunden. Es handele sich nicht um einen sozialen Brennpunkt, sondern um eine "gutbürgerliche Gegend". Auch der Vermieter, der auf Wunsch anonym bleiben möchte, steht auf SVZ-Nachfrage dem Vorhaben, in seinem Gebäude ein Asylbewerberheim einzurichten, nicht negativ gegenüber. "Es gibt aber noch keinen Vertrag", sagt er. Ursprünglich habe er das Objekt in Dettmannsdorf vor einem Jahr gekauft, um dort eine Pension einzurichten.

Der Landkreis ist bei der Aufnahme von Asylbewerbern unter Zugzwang. Es gebe ein "Aufnahmedefizit" von bis zu 150 Asylbewerbern, so Boldt. Deshalb mache das Land Druck. Das Land gibt zudem vor, dass solche Heime nur an zentralen Orten und nicht im ländlichen Raum entstehen dürfen.

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