Güstrow : Unnötige Lücke in der Therapie

Claudia Körner (l.) und Anke During richten gegenwärtig weiter ganz nach dem Bedarf ihrer Klienten ihre Beratungsräume im Speicher im Werkweg 1 ein. Da macht die Arbeit wieder Freude.
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Claudia Körner (l.) und Anke During richten gegenwärtig weiter ganz nach dem Bedarf ihrer Klienten ihre Beratungsräume im Speicher im Werkweg 1 ein. Da macht die Arbeit wieder Freude.

Ehemalige Mitarbeiter der Volkssolidarität gründen neues Systemisches Beratungszentrum in Güstrow – Kritik am Vorgehen des Kreisverbands

svz.de von
04. Juni 2016, 05:00 Uhr

Über eine unnötige Lücke in der Therapie von Familien mit Problemen oder Kindern mit Erziehungsschwierigkeiten ärgern sich Claudia Körner (38), Diplom-Sozialpädagogin, und Anke During (46), Diplom-Pädagogin, Diplom-Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin, bis heute. Ein Streit mit dem Kreisverband Mittleres Mecklenburg der Volkssolidarität (VS) führte dazu. Statt ab 1. Februar konnten sie ihr Systemisches Beratungszentrum (SBZ) mit einer Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung, Familientherapie sowie einer Projekt-Werkstatt erst am 3. Mai im Speicher im Werkweg 1 in Güstrow eröffnen.


Es ging nur ums Geld, nicht um die Familien


Ausgangspunkt war die Schließung der Psychologischen Beratungsstelle der VS im Gertrudenhof zum 31. Januar. Genannt wurden Körner und During, die in der Einrichtung als Therapeuten arbeiteten, betriebswirtschaftliche Gründe. Das war Anfang Dezember 2015. Für beide kam das überraschend. Bei einem Gespräch mit der VS-Geschäftsführung sei es danach weder um andere Optionen noch um Ideen gegangen, sagen beide.

Zu dem Zeitpunkt hatten sie 36 Beratungen auf dem Tisch, darunter Kindeswohlgefährdung. Beide überlegten, mit dem Schritt in die Selbstständigkeit weiter zu machen, damit keine Beratungslücke für die Hilfesuchenden entsteht. Dazu schlugen sie der VS-Führung und dem VS-Aufsichtsrat vor, für den Übergang – bis zur Gründung der neuen Einrichtung – diese Fälle per Auftrag durch den bisherigen Träger VS zu betreuen. Körner: „Rechtlich ist das möglich.“ Auch hier lehnte die VS ab. Begründung: Man bleibe trotzdem in der Verantwortung, so Körner. Gleichzeitig erhielten beide im Jugendamt des Landkreises mit ihrem Konzept eine positive Reaktion. Das war Mitte Januar. Indes kam per Post die Kündigung zum 31. Januar. Claudia Körner: „Bis dahin war es nie darum gegangen, was aus den Familien wird. Sie wurden nicht einmal informiert. Das taten wir dann. Es ging immer nur ums Geld. Das stößt mir bis heute auf.“ Beide Therapeuten meinen auch: „Wenn etwas nicht funktioniert, muss man nach Lösungen suchen ehe man schließt. Wir wären eine Lösung gewesen, schon ab 1. Februar.“ Erst am 3. Mai konnten die Therapeuten aus Witzin und Rostock ihre gemeinnützige Unternehmensgesellschaft (UG) eröffnen.

Die VS reagierte auf die Kritik gelassen, zumal es sich um Interna im Kreisverband handelt. „Bei der Schließung der Beratungsstelle ist alles korrekt gelaufen. Weiter geben wir keine Stellungnahme ab“, antwortete Anken Selck vom geschäftsführenden VS-Vorstand auf SVZ-Anfrage.

Der Landkreis erklärte, dass nach der angekündigten Schließung sofort die Fallzahlen und der Beratungsbedarf erhoben wurden. Kreissprecher Michael Fengler: „Der Sozialverband hat sich aktiv an der Überleitung an neue Berater beteiligt. Nach der Prüfung wurde festgelegt, dass der Landkreis und ein weiterer Sozialverband übergangsweise beraten. In Einzelfällen wurden die Leistungen in andere Hilfeformen umgewandelt. So wurde eine lückenlose Betreuung sichergestellt.“ Der Wunsch der neuen Einrichtung, die Therapien per Beauftragung durch den Träger VS nahtlos weiter führen zu können, sei an „haftungsrechtlichen und versicherungstechnischen Gründen gescheitert“, so Fengler. Der Landkreis habe mit der neuen Beratungsstelle eine Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsvereinbarung geschlossen, um das im Landkreis sehr gute Beratungsangebot aufrecht zu erhalten und zu sichern, betont der Sprecher. Die Vereinbarung ist auf ein Jahr befristet. Aus Sicht des Landkreises, so Fengler, ist das Beratungsnetz mit der Ausrichtung Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung sowie Familientherapie mit zwei Standorten in Güstrow, jeweils einem in Teterow, Bützow, Bad Doberan und Tessin sehr gut aufgestellt. Eine weitere Beratungsstelle für den Raum Gnoien befindet sich im Aufbau.


Neustart für Claudia Körner und Anke During


Bei allem Ärger und Frust haben Claudia Körner und Anke During inzwischen ihre Arbeit begonnen und bringen sich dafür mit ihren beruflichen Qualitäten ein. In der Erziehungsberatung kümmern sie sich u.a. um Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Paare sind bei ihnen gut aufgehoben, um die Scheidung doch noch zu vermeiden. In der Lebensberatung geht es um Krisen, Beruf, Tod oder die Persönlichkeitsentwicklung. Anke During: „In der Familientherapie bitten wir alle an den Tisch, wenn nötig auch die Großeltern. Das machen wir, um Kommunikationsprobleme auszuschließen.“

Das SBZ bietet außerdem Projekte und will in Familiengerichtsverfahren Anwalt des Kindes werden. Beide Frauen freuen sich außerdem, dass sie von Karin Bobzien, Ex-Leiterin der VS-Einrichtung, die eine andere Arbeit gefunden hat, ehrenamtlich unterstützt werden.




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