Barlachstiftung Güstrow : Unbekanntes Werk von Barlach

Museumsleiter Volker Probst hat gut Lachen: Durch Zufall entdeckte er eine Mutz-Vase von Ernst Barlach und konnte sie für die Stiftung erwerben. In der Ausstellung „Auf dem Weg in die Moderne“ ist sie erstmals öffentlich zu sehen.
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Museumsleiter Volker Probst hat gut Lachen: Durch Zufall entdeckte er eine Mutz-Vase von Ernst Barlach und konnte sie für die Stiftung erwerben. In der Ausstellung „Auf dem Weg in die Moderne“ ist sie erstmals öffentlich zu sehen.

Mutz-Vase aus der Altonaer Zeit für die Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow erworben und in die Ausstellung aufgenommen.

Zur gegenwärtig laufenden Sommerausstellung der Ernst-Barlach-Stiftung „Auf dem Weg in die Moderne“ gibt es einen sehr wesentlichen Nachtrag anzumerken. Die Schau beleuchtet Barlachs Schaffen zwischen 1902 und 1908, die als „keramische Phase“ des Künstlers bezeichnet wird. In dieser Zeit arbeitete Barlach mit der renommierten Kunsttöpferei Mutz zusammen, zunächst in Altona mit Hermann Mutz, später mit dessen Sohn Richard in Berlin. Aus verschiedenen Sammlungen Norddeutschlands und aus Privatbesitz hat die Ernst-Barlach-Stiftung eine Vielzahl von für Barlach ungewöhnlich farbintensiven und fantasievoll gestalteten Vasen, Krügen und Plastiken für die Ausstellung in Güstrow zusammengetragen.

Die Schau war gerade eröffnet, der informative, reich bebilderte und mit viel Lob bedachte Katalog gedruckt, da erreichte Museumsleiter Dr. Volker Probst ein Telefonat aus Hamburg. Der Anrufer erklärte, im Besitz einer Mutz-Vase zu sein, die von Barlach sein dürfte. Probst ließ sich Details schildern und beschloss, den Sammler persönlich aufzusuchen. „Ich fand eine äußerst selten gearbeitete Vase in Kalebassenform mit den für Barlach typischen Masken an beiden Seiten vor“, schildert Probst seine ersten Eindrücke. Im Boden fand sich die kursiv gesetzte Bezeichnung „Mutz“ und dahinter „Altona“ als Ortsbezeichnung. „Diesen Stempel benutzte die Kunsttöpferei Mutz in den Jahren 1902 bis 1913. Also in der Zeit, in der Barlach in Altona gewirkt hat“, erklärt der Museumsleiter. Da man aus Briefen wusste, dass dies in den Jahren 1903 bis 1904 war, datierte Probst die Arbeit in diesen Zeitraum.

Auch die Herkunft des Gefäßes bestätigte Probst in seiner Annahme, dass die Vase von Barlach sein muss. Sie war jahrzehntelang in Familienbesitz und gehörte einem Lehrerpaar, hatte er herausgefunden. In keinem der bekannten Werkverzeichnisse Barlachs oder zur Werkstatt Mutz taucht die Vase auf. „Nicht bei Laur und nicht bei Schult“, bestätigt Probst.

Durch Zufall wurde so ein bisher unbekanntes Werk Ernst Barlachs entdeckt und konnte durch die Stiftung erworben werden. Inzwischen wurde die Vase in die Ausstellung „Auf dem Weg in die Moderne“ integriert und ist dort noch bis zum Ende der Ausstellung am 4. September erstmals öffentlich zu sehen.

Ob Barlach über diese Entdeckung glücklich gewesen wäre, bleibt offen. Hatte der Bildhauer doch in späterer Zeit radikal formuliert, dass er gern getilgt sehen würde, was er vor seinem 36. Lebensjahr – also dem Jahr seiner in seinem künstlerischen Leben einen Wendepunkt darstellenden Russlandreise – geschaffen hatte. Als er die Kalebassen-Vase schuf, war er 33 oder 34 Jahre alt und – auf dem Weg in die Moderne.
 

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