Handwerk : Umzugspläne für das neue Jahr

Sattlermeister Jörg Graumann in seiner Werkstatt am Brunnenplatz. Hier bearbeitet er gerade einen Ledergürtel an seinem Werktisch.
Sattlermeister Jörg Graumann in seiner Werkstatt am Brunnenplatz. Hier bearbeitet er gerade einen Ledergürtel an seinem Werktisch.

Viele Aufträge lassen die Güstrower Sattlerei von Jörg Graumann weiter wachsen – eine Erweiterung ist für 2016 geplant.

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08. Januar 2016, 13:36 Uhr

Nur noch wenige Sattler gibt es in Mecklenburg Vorpommern – Sattlermeister Jörg Graumann aus Güstrow ist einer von ihnen. „Es gibt vielleicht noch acht bis zehn im Land“, schätzt der 52-Jährige. Seit 1998 hat Graumann, der im Jahr 2000 seinen Meister im Sattler- und Feintäschner-Handwerk in Potsdam machte, am Brunnenplatz eine kleine Werkstatt. „Der Platz reicht hier aber langsam nicht mehr aus – wir haben kaum Stell- und Lagerfläche“, erklärt Jörg Graumann bei einem Besuch in seiner Sattlerei.

Wir, das sind seine Frau Katrin und sein Geselle Steffen Lange, der auch in der Graumannschen Sattlerei seine Ausbildung absolviert hat. In ihm habe Jörg Graumann einen verlässlichen Mitarbeiter gefunden, doch eigentlich sei er nach wie vor auf der Suche nach einem weiteren Lehrling für seinen Betrieb. „Einen guten Lehrling zu finden, ist gar nicht so leicht – man muss Freude am Handwerk mitbringen, fleißig sein und viel lernen wollen“, weiß der Sattlermeister aus eigener Erfahrung.

Am liebsten würde er einen jungen Mann einstellen, denn es gäbe oftmals große und schwere Teile zu tragen, doch in den vergangenen Jahren blieb seine Suche ohne Erfolg. Daher käme auch eine junge Frau in Frage – wichtig sei das Interesse am Beruf, ein Notenschnitt von 3 und ein Realschulabschluss. „Viele interessieren sich scheinbar nicht für dieses alte Handwerk – schade, dabei ist es so vielseitig“, sagt Jörg Graumann, der im vergangenen Jahr beispielsweise das komplette Verdeck eines Saab 900 Cabrios erneuerte oder die Ledersitze für einen Mercedes SL 280 beziehen konnte. „Das sind schon immer kleine Höhepunkte für mich“, erzählt Jörg Graumann, der eine Leidenschaft für Autos und deren Innenausstattung hegt. Auch sein Meisterstück sei ein Mercedes Oldtimer gewesen. Hier habe er seinerzeit Fahrzeughimmel, Faltdach, Sitze, Türverkleidungen – einfach alles neu gemacht.

„Ein Traum wäre auch mal die Innenausstattung für einen Lkw zu machen – aber dafür braucht man eben Platz“, gibt der Güstrower zu bedenken. Und Platz ist in 2016 auch das Stichwort: „Wir wollen uns vergrößern.“ Seit rund zwei Jahren reifen die Pläne für einen Umzug inzwischen – in diesem Jahr solle es nun endlich Ernst werden, hofft der Sattler. „Zuvor stehen aber noch einige Baumaßnahmen an – hier werden wir in diesem Jahr verstärkt Kraft reinstecken müssen“, sagt Graumann weiter.

Die Arbeit in der Sattlerei kommt deshalb aber nicht zum Erliegen. So produziert der Güstrower Handwerksbetrieb weiterhin Handläufe für Fluss-Kreuzfahrtschiff des Schiffsausrüster Kaefer Schiffsausbau – einer der bisher größten und kontinuierlichsten Aufträge des Sattlermeisters. Seit 2012 arbeitet Jörg Graumann mit dem Schiffsausrüster zusammen. Die angelieferten Eisen-Rohlinge für die Handläufe werden von Jörg Graumann und seinem Gesellen zunächst mit Neopren, dann mit Leder beklebt und am Ende per Hand vernäht. Hinzu kommen noch zahlreiche weitere Aufträge – etwa das Herstellen von Planen und Befestigungsgurten oder das Aufarbeiten von Sitzmöbeln.

„So langsam schaffen wir die Arbeit nicht mehr alleine. Besonders, weil ich zunehmend zu den Kunden fahre und Kostenvoranschläge ausarbeiten muss. Darum möchten wir auch gerne einen Auszubildenden einstellen – darauf konzentrieren wir uns jetzt“, sagt Jörg Graumann. Schon am 22. Januar präsentiert sich das Handwerksunternehmen daher auf der jährlichen Lehrstellenmesse in der Regionalen Schule in Zehna. Vielleicht findet sich dort ein interessierter Schulabgänger, der nach einem einwöchigen Praktikum in den regionalen Betrieb einsteigen möchte.

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