20 Fragen an… : „Uhrmacher“ träumt von Delphi

Mit seinen Büchern an einem seiner Lieblingsplätze: Dieter Kandzia in seiner Werkstatt
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Mit seinen Büchern an einem seiner Lieblingsplätze: Dieter Kandzia in seiner Werkstatt

20 Fragen an Dieter Kandzia, den Mann, der für den Gang der Uhren auf Schloss und Pfarrkirche sorgt

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22. März 2014, 06:00 Uhr

Nach Güstrow kam Dieter Kandzia unfreiwillig. Als Fünfjähriger überlebte er 1943 an der Hand der Mutter den Feuersturm nach dem Bombenhagel auf Hamburg, seiner Geburtsstadt. Ausgebombt, fand die Familie in Güstrow, in notdürftig hergerichteten Baracken in der damals neuen Hamburger Straße Zuflucht. „Hier bin ich große geworden, und Güstrow ist mir meine Heimat geworden“, sagt der 76-Jährige, der unweit wohnt. Der gelernte Stellmacher und Karosseriebauer hatte als Anschlussbahnleiter öfter beim damaligen Rat der Stadt zu tun und erfuhr so von der alten, kaputten Schlossuhr, um die sich keiner kümmerte. Dieter Kandzia holte sich das mechanische Werk in seine Werkstatt und erneuerte es Stück um Stück. Nach vier Jahren hatte er es wieder funktionstüchtig – und für sich ein Plaisir gefunden, das der Stadt zudem zwei Kleinode bewahrte. Denn auch die Uhr der Pfarrkirche wartet er seit 30 Jahren. Noch heute hat Dieter Kandzia diese beiden historischen Uhren in seiner Obhut.


Wo ist Ihr Lieblingsplatz?

Es gibt mehrere: die Werkstatt, die Natur, im Winter die gute Stube.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?

Vielleicht mehr Bäume pflanzen und weniger absägen.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?

Zu Hause in der Werkstatt.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

1953 als Lehrling.
Wofür haben Sie es ausgegeben?

Ich habe es zu Hause als Kostgeld abgegeben; es war eine schwere Zeit damals.
Was würden Sie gerne können?

Ich hätte wohl gar keine Zeit für mehr.
Was stört Sie an anderen?

Schlitzohrigkeit.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Ich lache jeden Tag, gerade jetzt wieder, da ich über die Antworten nachdenke.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?

Ich hatte Feuer im Garten gemacht, ohne daran zu denken, dass das ja noch nicht erlaubt war. Prompt stand das Umweltamt bei mir im Garten, da war mir der Fehler sofort bewusst.
Wer ist Ihr persönlicher Held und warum?

Helden kommen mir verdächtig vor.
Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich lese mehr in Büchern. Jetzt gerade in Alexander Unzickers „Auf dem Holzweg durchs Universum“.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Kreibohm, den Wetterfrosch. Und oft sehe ich naturwissenschaftliche Sendungen.
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?

Bei keinem von beiden.
Wen würden Sie gerne mal treffen?

Keinen konkreten, aber einen Geologen, mit dem ich mich über die katastrophale Ausbeutung unserer Erde unterhalten würde.
Wenn Sie kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?

Es kommt nicht oft vor, aber wenn ich koche, dann norddeutsche Eintöpfe oder auch mal eine Soljanka.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?

Es gibt so viele schöne Melodien, die ich auch selbst auf dem Akkordeon spiele. Aber eine einzelne…?
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?

An viele von meinen sechs Enkeln. Ein besonderes davon ist ein Flaschenöffner, den mir eines als goldene „Medaille“ schenkte.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Delphi sehen und den Apollotempel mit dem Spruch „Gnothi seauton“, also „Erkenne dich selbst“.
Wie gestalten Sie ihre Freizeit als Rentner?

Wir fahren oft weg, gerne in die Berge.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?

Dieter Kölpin, der ein sehr vielseitig interessierter Mensch ist.

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