Gast in Taizé : Über Glauben und sich viel erfahren

Konrad Goeritz aus Dehmen verbrachte neun Monate im französischen Taizé

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04. März 2015, 06:00 Uhr

Konrad Goeritz aus Dehmen möchte Pastor werden. Jetzt verbrachte er nach seinem Vordiplom neun Monate im französischen Taizé. Diesen Wunsch wollte sich der 24-Jährige erfüllen, bevor er sein Studium beendet.

Die Eindrücke aus dem Burgund sind Konrad Goeritz noch sehr lebendig. Etwa 100 Kilometer nördlich von Lyon hatte der 24-Jährige in Taizé verbracht. Er lebte in der Communauté de Taizé, einer ökumenischen Kommunität, auf deren Gelände im Sommer etwa 5000 Menschen, vor allem Jugendliche, beherbergt werden. „Es ist ein Anlaufpunkt für Leute, die für meist eine Woche sehr einfach leben, täglich in der Bibel lesen und gemeinsame Gebete und Messen feiern“, erklärt Konrad Goeritz. Für den Dehmener gab es daneben in dem Dreivierteljahr auch Arbeit. Denn er war dort mit Freiwilligen, im Sommer etwa mit 300 und im Winter etwa 30, für den reibungslosen Ablauf und die Versorgung der Gäste zuständig.

In Dehmen ist Konrad Goeritz aufgewachsen, ging in Diekhof und Güstrow zur Schule und legte sein Abitur in Schulpforte (Sachsen-Anhalt) ab. Dort hatte er den Schwerpunkt auf Musik gelegt. Nicht nur Gesangsunterricht, sondern auch Klavier-, Orgel- und Trompetenunterricht hatte er genossen. So ist es nicht verwunderlich, dass er in Rostock in einem Theologen-Posaunenchor integriert war. Für die Theologie-Richtung im Studium sind auch gute Samen gelegt. „Zwei meiner Onkel und beide Großväter waren bzw. sind Pastoren“, erzählt Konrad Goeritz. In deren Fußstapfen wolle er treten, soviel stand für ihn nach Schulzeit und Zivildienst in der Kirchgemeinde Laage fest.

Der Gedanke, sein Studium noch einmal zu unterbrechen, keimte bei Konrad Goeritz erstmals im Jahr 2013 auf, als er selbst eine Woche lang in Taizé als Gast verbrachte. „Ich hatte das Gefühl, dass ich dort noch länger bleiben könnte“, sagte er. Also reiste er im März vergangenen Jahres wiederum nach Taizé. „Vorher hatte ich einen der Brüder kontaktiert, verbrachte zuerst eine Woche als Gast“, erzählt Konrad Goeritz. Erst danach wurde geschaut, ob es passt und nach weiteren vier Wochen die Aufenthaltsdauer besprochen.

„Zuerst ist alles spannend und neu“, sagt Konrad Goeritz. Er wurde zuerst für die Lagerhalle eingeteilt und war für die täglichen Lieferungen und die Aufteilung von Lebensmitteln zuständig. 5000 Menschen zu versorgen ist eine logistische Herausforderung. Dank der zahlreichen Freiwilligen aus aller Welt gelingt dies gut. Dreimal täglich wird zum Gebet gerufen. Dazu sind nicht nur die Gäste, sondern auch alle Freiwilligen angehalten. Für den angehenden Pastor war das selbstverständlich. „Allerdings wird die Arbeit dann auch in dem Moment fallen gelassen, wenn das Zeichen ertönt, und das war schon gewöhnungsbedürftig“, erzählt er.

Die Communauté de Taizé hat sich bewusst für ein Leben in der Nachfolge Christi und die Ehelosigkeit entschieden. Sie bestreitet ihren Unterhalt allein, hauptsächlich durch Töpferware, aber auch durch die Herstellung von Holzarbeiten. Man lebt aber nicht abgeschieden von der Welt, sondern lädt ein, das Leben zu teilen. „Das spricht Jugendliche an“, weiß Konrad Goeritz.

Nachdem Goeritz sein sehr bescheidenes Zimmer zuerst mit vier Jugendlichen teilen musste, wurde die Beherbergung nach einigen Wochen etwas komfortabler. Zuletzt war er in einem Einzelzimmer untergebracht. Dafür gab es auch rund um die Woche Arbeit. Vor allem, als er im Empfang tätig war. Schließlich kamen insbesondere sonntags viele Menschen an und wollten ihre Herberge für die nächsten Tage kennen lernen.

Konrad Goeritz hat diese Zeit dort nicht bereut. „Es war für mich eine Glaubenserfahrung. Aber ich habe auch viel über mich selbst erfahren und es war interessant, mit vielen Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen zu leben“, sagt er. Zum Abschied erhielt er eine „Ikone der Freundschaft“ von den Brüdern, die er in Ehren halten wird. Und er hat sich vorgenommen, noch einmal nach Frankreich zu fahren. Denn vom Land selbst hat er außerhalb des Geländes von Taizé nicht viel gesehen. Jetzt aber steht zuerst einmal das Theologie-Studium an erster Stelle.

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