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Streit um Glockenschlag der Krakower Kirchturmuhr : Turmuhrschlag - ein Stück Heimat

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Die gebürtige Krakowerin Alexandra Drägert wundert sich über die Diskussion um den Glockenschlag der Turmuhr: "Ich glaube kaum, dass es Krakower Bürger gibt, die der Glockenschlag der Uhr in irgendeiner Form stört."

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2013 | 05:52 Uhr

Krakow Am See | "Kommt man wieder nach Krakow zu Besuch, horcht man auf den altgewohnten Glockenschlag, den man ja Gott sei Dank in der ganzen Stadt hört. Und man fühlt sich wieder zu Hause", schreibt Cornelia Alexandra Drägert aus Breesen. Die gebürtige Krakowerin, die sich bis heute mit ihrer Heimatstadt verbunden fühlt, wundert sich über eine Diskussion um den Glockenschlag der Turmuhr. "Ich glaube kaum, dass es Krakower Bürger gibt, die der Glockenschlag der Uhr tags oder nachts in irgendeiner Form stört", schreibt Cornelia Drägert. Die Immissionsschutzbehörde des Landkreises hat die Stadt zu einer Stellungnahme aufgefordert. Der Behörde läge eine Beschwerde vor und eine orientierende Messung habe ergeben, dass diese berechtigt sei (SVZ berichtete).

"Für die meisten Krakower gehört die Glocke einfach dazu. Das ist ein Teil von Krakow am See ein Stück Heimat. Wenn alle Urlauber wieder zu Hause sind, sind wir noch hier!", stellt Frank Wiese fest. Die Beschwerde kommt aus dem Hotel "Nordischer Hof". "Die Leute können nicht schlafen, wenn zu jeder Viertelstunde die Turmuhr läutet. Das vergrault mir die Gäste", hatte Jana Ehnes, die das Hotel seit 2008 betreibt, gegenüber SVZ erklärt, nachdem unsere Zeitung das Thema aufgegriffen und öffentlich gemacht hatte. Sie sorgt sich um negative Hotelbewertungen im Internet wegen des nächtlichen Glockenschlages. Frank Wiese machte sich die Mühe und schaute die Hotelbewertungen an. "Der Ort und die Landschaft sind mit ,gut’ bewertet worden", schreibt der Krakower. Aus seiner Sicht muss es andere Probleme geben. Für ihn sehe es so aus, als ob ein ganzer Ort und besagte Uhr für Erfolg und Misserfolg in Haftung genommen werden. Drei Urlauber hätten sich im Amt und in der Touristinformation beschwert, den anderen habe es in Krakow am See gefallen. Natürlich sei die Glocke "zu laut", stellt er fest. Als sie gegossen wurde habe es noch keine Immissionsschutzbehörde gegeben, gesunder Menschenverstand habe noch eine Rolle gespielt. Wiese: "Generell muss man in MV fragen, ob Touristen das Maß aller Dinge sind und was wir dafür zu tun bereit sind?"

Kein Vergleich mit dem Lärm in Laager Flugplatznähe

"Ich bin in der Kirchenstraße aufgewachsen. Nachts haben wir im Sommer wie viele andere auch, die Fenster offen gehalten. Der Glockenschlag hat uns niemals gestört, höchstens die Kiwitt- Kiwitt-Rufe der Käuzchen im Turm. In unserer Schulzeit konnten wir auf Armbanduhren verzichten, alldieweil der viertelstündliche Glockenschlag die Pausen angekündigt hat", schreibt Cornelia Drägert. Sie kenne Hotel-Inhaberin Jana Ehnes seit etlichen Jahren aus Vietgest und erinnere sich sehr gern an gute Veranstaltungen zurück. Cornelia Drägert schätzt ein, dass man im Hotelfach im Sommer in einem Luftkurort von Touristen leben könne, aber dass die Gastronomie im Winter auch auf die Krakower Bürger angewiesen sei. Das Restaurant am Markt sei für die Familie immer die erste Adresse gewesen. "Was für 3500 Bürger eines ihrer Wahrzeichen ist, können Touristen, die ein paar Nächte hier verleben, ja vielleicht monieren, aber kein Mensch kann verlangen, dass das Geläute, wenn auch nur nachts, abgestellt wird. Ich lebe in Breesen, wo unser Flugplatz uns ganz andere Geräusche beschert", macht die gebürtige Krakowerin aufmerksam.

Jana Ehnes möchte, dass das Läuten nach 22 Uhr verstummt. Wenn es nach ihr ginge, sollte die Uhr erst wieder um 8 Uhr schlagen, schließlich würden Urlauber ausschlafen wollen. Sechs oder sieben Uhr wären ein Kompromiss. In allgemeinen Wohngebieten gelten 60 Dezibel als Grenze des Erträglichen. Eine orientierende Schallpegelmessung als erster Anhaltspunkt habe eine deutliche Überschreitung ergeben, erklärt Landkreissprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm. Der Landkreis warte nun die Stellungnahme der Stadt ab. Die Stadtvertretung hatte in der vergangenen Woche eine nächtliche Abschaltung des Geläutes mehrheitlich abgelehnt. "Die Krakower Stellungnahme werden wir als Landkreis bewerten und dann entscheiden, wie weiter verfahren wird", kündigt die Kreissprecherin an.

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