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Krakower Glockenstreit : Turmuhr schweigt jetzt nachts

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Streit um Glockenschlag der Krakower Kirchturmuhr endgültig beendet: Von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens herrscht Ruhe

von
erstellt am 25.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Die Turmuhr der Krakower Stadtkirche läuft wieder rund – und schweigt erstmals nachts. Mit der jetzt abgeschlossenen aufwendigen Instandsetzung der Uhr ging auch eine Regulierung des Glockenschlags einher. Von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens herrscht jetzt Ruhe in der Krakower Altstadt. Damit geht auch ein langjähriger Streit im Luftkurort endgültig zu Ende.

Bereits 2011 hatte sich die ehemalige Besitzerin des Hotels „Nordischer Hof“ gegenüber der Kirche über die nächtliche Lärmbelästigung für ihre Gäste durch den Glockenschlag der Turmuhr beklagt (SVZ berichtete mehrmals). Stadt und Stadtvertretung lehnten eine nächtliche Abschaltung ab. Der Streit eskalierte. Der Landkreis forderte die Stadt auf, die Glocke nachts abzuschalten, weil sie die zulässige Dezibelhöhe überschreite. Dagegen klagte die Stadt, nahm die Klage aber zurück, als sie die Aussichtslosigkeit erkannte und entsprach der Forderung des Landkreises.


Trotz Rechtslage „grober Unfug“


Der Krakower Elektriker Volker Stelzl hatte sich als CDU-Fraktionschef in der Stadtvertretung damals vehement gegen eine nächtliche Abschaltung ausgesprochen. Heute ist er der Turmuhrwart und muss unter anderem dafür sorgen, dass die Turmuhrglocke nachts Ruhe gibt. „Ich bin immer noch dagegen, wie auch die Mehrheit der Krakower. Das ist grober Unfug. Aber so ist nun einmal die Rechtslage“, sagte er gestern bei der Abnahme der Uhr. „Man kann alles regulieren, muss es aber nicht.“ Stelzl pflegt die Turmuhr regelmäßig und muss sie alle vier Tage aufziehen.

Der Schwaaner Uhrmachermeister Helmut Langner hatte die mehr als 100 Jahre alte Turmuhr seit Oktober restauriert. Mit dem Anfang des Monats erfolgten Wiedereinbau installierte er auch eine Zeituhr, die dafür sorgt, dass die Glocke nachts nicht schlägt. „Die Instandsetzung war extrem umfangreich. Die meiste Arbeit, die ich bisher mit einer Uhr hatte“, sagt er. Er musste das Uhrwerk komplett ausbauen, in seine sämtlichen Einzelteile zerlegen, säubern und ausbessern und dann im Uhrhaus auf dem Dach der Krakower Stadtkirche wieder einbauen. „Zwei neue Lager musste ich anfertigen, die Antriebsseile erneuern und die Pendelfeder ersetzen“, schildert Langner nur einen Teil seiner Arbeit. Gleichzeitig sei das Hammerlager defekt gewesen. Der Hammer sei nach dem Schlagen auf der Glocke liegen geblieben. Das habe gescheppert und nachgeklungen. „Das ist jetzt weg und die Glocke klingt etwas sanfter“, sagt er. Diese Verbesserung habe aber nichts mit dem Streit um die nächtliche Abschaltung zu tun.

Mit der erfolgten Generalüberholung der Krakower Turmuhr dürfte die Uhr jetzt richtig rund laufen. „Bei entsprechender Pflege kann sie für die nächsten 100 Jahre laufen“, versichert Uhrmachermeister Helmut Langner.  

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