Buchhandlung : Türen in Domstraße schließen sich

Schließen die Opitz-Buchhandlung in Güstrow: Karin und Conny Wilken (v.l.)
Schließen die Opitz-Buchhandlung in Güstrow: Karin und Conny Wilken (v.l.)

Nach mehr als 175 Jahren ist Schluss: Conny und Karin Wilken schließen die Opitz-Buchhandlung in Güstrow zum 30. April

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24. März 2015, 06:00 Uhr

Leicht fiel Inhaberin Conny Wilken der Schritt nicht. Aber am 30. April wird die Opitz-Buchhandlung in der Güstrower Domstraße tatsächlich zum letzten Mal öffnen. In ihrem 177. Jahr schließt dieses geschichtsträchtige Geschäft in einem der ältesten Häuser der Barlachstadt. Ab morgen beginnt der Ausverkauf. Kinderbücher, Krimis und Romane liegen hier noch für den Abverkauf bereit.

Die Gründe für die Schließung sind vielfältig. Mit viel Liebe zum Detail hatten Conny und Karin Wilken den Laden eingerichtet. Immer hatten sie versucht, individuell zu sein. „Aber das Kundenverhalten hat sich in eine Richtung entwickelt, die nicht gut für ein Geschäft wie unseres ist“, so die Inhaberin, die 2009 die Leitung des Buchhandels übernommen hat. Zu dieser Zeit war das Geschäft wieder in das ursprüngliche Gebäude in die Domstraße 2 zurückgezogen, nachdem das Haus saniert worden war.


Alle Kraft ins Geschäft gesteckt


Damals habe Conny Wilken noch geglaubt, nach einigen Jahren Arbeit würden sie auf sicheren Beinen stehen und sie beide könnten gut von den Einkünften leben. Diese Hoffnung aber habe sich nicht erfüllt. Kaum hätten sie sich Urlaub gegönnt, sondern alle Kraft in das Geschäft gesteckt. „Doch heute wird einem Klick im Internet mehr geglaubt, als uns“, mussten die Buchhändlerinnen feststellen. Wenige Kunden habe es gegeben, die ihnen Zeit für Recherche gelassen hätten. Alles müsse immer schneller und am besten sofort geliefert werden. „Manchmal bekam ich keine drei Minuten, um nachdenken zu können“, sagt Conny Wilken.

Letztlich habe sie für sich den Schlusspunkt gesetzt und so entschieden. „Ich bin 37 Jahre alt und möchte so nicht weiter leben“, sagt sie, die mit Büchern im Geschäft aufwuchs, weil ihre Mutter Karin gemeinsam mit Carola Beier 1990 der Opitz-Buchhandlung wieder Leben eingehaucht hatte. Genau durch dieses Vorbild hatte sich Conny Wilken auch für den Beruf als Buchhändlerin entschieden und die Ausbildung absolviert.

Über die Jahre hat sich das geschichtsträchtige Geschäft immer etwas gewandelt. Bis 1998 wurde das Antiquariat mitgeführt, alte und neue Drucke wurden angeboten und zuletzt gab es hier auch Karten und Geschenkpapier zu kaufen. „Wir haben wirklich vieles versucht, um die Kunden auch noch zu überraschen“, sagt Conny Wilken. Allerdings habe sie inzwischen feststellen müssen, dass dies kaum noch möglich ist. „Wir stoßen an unsere Grenzen und die Kunden wirklich zufrieden zu stellen, wird immer schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich“, fasst sie ihre Erkenntnis kurz zusammen.

Mit Wehmut schauen die beiden Frauen auf die kommenden Wochen, wenn sie in ihrem Güstrower Buchladen sicherlich viele Hände schütteln werden und Fragen beantworten müssen. Aber die Entscheidung reifte etwa ein Jahr lang und ist wohlüberlegt. Wie es für Conny und Karin Wilken weiter geht, dafür haben beide Optionen, die sie nicht verraten wollen. „Auf keinem Fall wird es etwas mit Büchern und Handel sein“, sagt Conny Wilken. Sie hat kein Vertrauen, dass es dem Handel irgendwann einmal besser gehen könnte. Letztlich gehen beide mit einem ruhigen Gewissen, ohne Verpflichtungen oder Schulden. „Wir danken unseren Kunden, die uns über Jahre die Treue gehalten haben“, so die Inhaberin.

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