Nach dem Überfall : Trotzdem war alles anders

Diese Bäckerei-Filiale wurde am Montagmittag überfallen.
Diese Bäckerei-Filiale wurde am Montagmittag überfallen.

Gestern war die Bäcker-Filiale in der Güstrower Weinbergstraße wie immer geöffnet. Und trotzdem war alles anders. Denn am Montag wurde sie mit Waffengewalt überfallen. Aber eine Mitarbeiterin verkaufte tapfer Brot und Kuchen. Die Polizei sucht weiter Zeugen.

svz.de von
23. Juli 2014, 06:00 Uhr

„Zwei Doppelte, ein Urfladen, zwei Berliner.“ In der Filiale der Hornung-Bäckerei in der Güstrower Weinbergstraße lief gestern auf den ersten Blick alles wie sonst. Kunden kamen und gingen. Auch die Sonne schien wie am Montag. Und trotzdem war alles anders. Denn das beherrschende Thema war der brutale Überfall auf das Geschäft. Am Montag gegen 13.30 Uhr hatte ein maskierter Mann die 23-jährige Verkäuferin mit einer Pistole bedroht. Er verlangte Geld. Die Mitarbeiterin gab ihm mehrere 100 Euro aus der Ladenkasse. Danach verschwand der Mann so schnell wie er gekommen war. Er hinterließ eine geschockte junge Frau. Wie SVZ erfahren hat, ist sie krank geschrieben und soll die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch nehmen, um ihre Seele wieder einigermaßen ins Gleichgewicht zu bekommen. Fest soll allerdings schon stehen, dass sie in dieser Filiale nicht wieder arbeiten wird. Zu sehr wäre sie mit den Gedanken an diesen schrecklichen Überfall beschäftigt.

Die Kollegin, die gestern im Laden bediente, hatte es wahrlich nicht leicht zum Tagesgeschäft überzugehen. Aber das Arbeitsleben kann hart sein. Hatte die Filiale nach dem Überfall geschlossen, wurden die Kunden mit einem Zettel an der Tür informiert, dass das Geschäft ab Dienstagmorgen wieder wie üblich die Kunden erwartet. Aber die Mitarbeiterin schlug sich gestern tapfer, bediente korrekt und höflich. Allerdings konnte man hier und dort Tränen in ihren Augen beobachten, wenn sie immer wieder auf den Überfall angesprochen wurde. Sie litt einfach mit ihrer Kollegin – wie auch alle anderen – mit.

Zumal sie diejenige war, die unmittelbar vor dem Überfall ihre Schicht beendet und gegen 13 Uhr den Laden verlassen hatte. Sie hatte dann noch einige Dinge zu erledigen und sah kurze Zeit später in der Neuen Straße viele Polizeifahrzeuge fahren. Kein Gedanke sei ihr da gekommen, dass das mit ihrer Arbeitsstelle in der Weinbergstraße zu tun haben könnte, erzählte sie.

Viele Kunden beschäftigten sich mit dem Warum und Wie des Überfalls in einer ruhigen Ecke im Güstrower Süden. Dort ein Überfall? Nein, das konnten sich bis Montagmittag nur wenige vorstellen. Vermutet wurde von vielen, dass der Überfall geplant war. Er geschah in einer Zeit, in der der Kundenstrom gering ist. Zu gute kam dem Täter, dass die Filiale nur mit einer Mitarbeiterin besetzt ist.

Die Polizei hatte gestern noch keine neuen Erkenntnisse. Weiter werden Zeugen gesucht (Telefon 0 38 43/26 60). Ermittelt wird wegen räuberischer Erpressung. „Ein Verbrechenstatbestand, der nicht unter einem Jahr Gefängnis bestraft wird“, so Gert Frahm, Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow.

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