Dorfkinder : Treffen im „Kinderparadies“

Die Dorfkinder von Dersentin genossen die gemeinsame Zeit. Fotos: Sieglinde Seidel
Die Dorfkinder von Dersentin genossen die gemeinsame Zeit. Fotos: Sieglinde Seidel

Renate Kaufmann und Bernd Werner luden ehemalige Dersentiner Dorfkinder zum Treffen ein / 60 aus ganz Deutschland folgten der Einladung

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11. September 2015, 06:00 Uhr

„Weißt du noch, damals…?“ oder „Was machst du denn heute?“ – Dies waren zwei der wohl am häufigsten gestellten Fragen beim jüngsten „Dorfkindertreffen“ in Dersentin. Mädchen und Jungen der Jahrgänge 1947 bis 1959 wurden von Renate Kaufmann, Bernd Werner und Marie-Luise Kerschke ausfindig gemacht und angeschrieben.

„Von einigen wussten wir die Adresse, andere kannten wieder weitere – so konnten wir viele erreichen“, sagte Renate Kaufmann. Die 61-Jährige ist selbst in Dersentin aufgewachsen und wohnt inzwischen wieder dort. Als sie vor kurzem Bernd Werner wieder traf, verabredeten sie, ein solches Treffen zu organisieren. Am vergangenen Wochenende war es so weit. Mehr als 60 ehemalige Kinder hatten die Einladung angenommen und waren ins Dersentiner Gutshaus gekommen. So mancher musste gar gut überlegen, wer das Gegenüber wohl sein könnte.

Vor allem aber wurden Geschichten aus vergangenen Tagen aufgefrischt. „Wir waren eine gute Truppe, haben viele Dummheiten gemacht, aber auch immer zusammen gehalten“, sagt Bernd Werner. Der 64-Jährige habe zum Beispiel „Plumpsklos“ gleich neben dem Gutshaus, in dem damals viele Menschen ein Zuhause gefunden hatten, zugenagelt.

„Wir haben uns jeden Tag getroffen, sind in den Wald gegangen“, erzählt Harald Lange. Der heutige Anästhesist wohnt in Demmin und hat für das Treffen die 850-Jahr-Feier in seinem Wohnort sausen lassen. Das Treffen in Dersentin sei ihm einfach wichtiger gewesen. Die Gäste sprachen über alte Zeiten, als im Gutshaus noch Kinofilme gezeigt oder auch Theater gespielt wurde. Radrennen habe es immer zum 1. Juni in Dersentin gegeben und viele Erntefeste wurden gefeiert.

Auch Ingelore Festeling, geborene Abel, aus Mierow gefiel die Idee zu dem Treffen: „Einige habe ich wohl 50 Jahre nicht mehr gesehen.“ Auch Siegrid Claus, geborene Zander, war sehr angetan: „Ich fahre zwar alle zwei bis drei Jahre durch Dersentin durch, doch dann sehe ich meist keine Leute.“ Eishockey hätten sie früher viel gespielt, mit einem Puck aus einer zertretenen Blechdose. „Wir hatten so viel Freiheit, es war ein Kinderparadies“, so die jetzige Leipzigerin. Fast sieben Stunden Fahrt hatte Lydia Pinzer, geborene Neiß, hinter sich gebracht. Sie kam extra aus Schwandorf, bei Regensburg angereist, wo sie seit 25 Jahren zu Hause ist. „Im Dersentiner Gutshaus wurde ich geboren und 1967 verheiratet“, erzählt sie. Es sei ein guter Zusammenhalt im Ort gewesen, erinnert sie sich noch gut.

Das sei bis heute so geblieben, weiß Renate Kaufmann zu berichten. Noch heute würden Neuankömmlinge im Ort unterstützt und durch nachbarschaftliche Hilfe willkommen geheißen. Nun ging es aber mehr um frühere Zeiten. Darum hatte auch jeder Fotos mitbringen sollen, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Gut möglich, das es bald eine Neuauflage des Dorfkindertreffens in Dersentin geben wird.

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