Güstrow : Treff der Speedway-Legenden

Das sind die Speedwayfahrer und -legenden von einst. Vor ihnen steht ein Zweiventil-Motor, wie er früher gefahren wurde. Joachim Mell brachte ihn mit. Während des Fotos erklang das Güstrower Speedway-Lied, komponiert und aufgelegt vom Goldberger Speedway-Fan Mua. Zweiter von links: Organisator Clemens Bever.
Das sind die Speedwayfahrer und -legenden von einst. Vor ihnen steht ein Zweiventil-Motor, wie er früher gefahren wurde. Joachim Mell brachte ihn mit. Während des Fotos erklang das Güstrower Speedway-Lied, komponiert und aufgelegt vom Goldberger Speedway-Fan Mua. Zweiter von links: Organisator Clemens Bever.

Seit 1992 organisiert der Güstrower Clemens Bever die Zusammenkunft. Fahrer, Mechaniker, Funktionäre und Ehefrauen kamen am Sonnabend.

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21. März 2016, 12:00 Uhr

Die mit Titeln und Medaillen geschmückte Bahnsport-Streitmacht aus mehreren Jahrzehnten DDR traf sich am Sonnabend im Güstrower Kurhaus am Inselsee. 80 Fahrer, Mechaniker und Funktionäre folgten mit ihren Ehefrauen der Einladung. Sie kamen aus vielen Speedway- und Sandbahn-Hochburgen von jetzt und einst: Meißen, Neubrandenburg, Senftenberg, Lübbenau, Rostock, Stralsund und natürlich Güstrow. Der Meißener Norbert Gümmer, 1984 DDR-Vize-Meister, reiste aus Dänemark an, wo er seit 17 Jahren lebt. Es war die zwölfte Zusammenkunft seit 1992. Organisator ist der Güstrower Clemens Bever (70), der 16 Jahre auf den Speedwaybahnen im In- und Ausland zu Hause war. „Die Idee war, dass es nach der aktiven Laufbahn für eine der schönsten Zeiten im Leben nicht heißen sollte: aus den Augen aus dem Sinn“, erinnert er sich. Dass er damit den Nerv seiner Sportkameraden traf, zeigt die Beteiligung. Bever: „Sie ist ungebrochen, das macht mich glücklich.“ Die Gründe brachte der Güstrower Udo Bayer (71) auf den Punkt: „Bei uns dominierte bei aller Konkurrenz und beim Kampf um den Sieg Sportlichkeit, Zusammenhalt und Kameradschaft, was uns zusammen schweißte. Das haben wir nicht vergessen und das zählt bis heute.“

Das sieht auch der Stralsunder Rolf Perner (70) so. Er plauderte mit dem Bützower Fleischermeister Wilhelm Stichert (80), der von 1973 bis zur Wende die Zuschauer im Güstrower Speedwaystadion mit seinen Bratwürsten versorgte. Perner erzählte u.a. begeistert von seinen Erfolgen auf dem Teterower Bergring, auf dem er 1974 den ersten Goldhelm gewann. Rolf Perner ließ sich auch nicht unterkriegen, als er 1975 nach einem Sturz in Pardubice querschnittsgelähmt blieb. „Schon im Juli 1976 gründete ich eine Sattlerei, in der ich Westen für Rennfahrer herstellte. Die gingen sogar in die BRD. Eine trug der deutsche Weltmeister Egon Müller“, erzählte Rolf Perner.


Am Start Gegner, danach Kumpels


Seit 2010 kommt der Neubrandenburger Herbert Mussehl zu den „Benzingesprächen“. Der 59-Jährige hatte seine beste Zeit von 1990 bis 1996. Auch er freute sich, viele ehemalige Konkurrenten wieder zu sehen. Darunter der Güstrower Joachim Mell (58). Er verließ noch vor der Wende die DDR und lebt seitdem in Melsungen. In Güstrow ist er zwei- bis dreimal im Jahr. Joachen Mell ist der letzte DDR-Meister im Speedway und auf der Sandbahn. Das war 1989.

„Ich mag dieses Wiedersehen“, sagt auch Dietmar Lieschke (61), einer der erfolgreichsten Fahrer auf der Sandbahn und dem Bergring. Ein Sturz beendete seine Laufbahn. Aber Lieschke ließ sich nie unterkriegen. Der Sport gab ihm diese Eigenschaft. Der Lübbenauer sagt zu dem Treff: „Er beweist, wie es früher war. Am Start waren wir Gegner, danach wieder Kumpels.“

Aber nicht nur Fahrer waren am Sonnabend eingeladen. Dr. Detlef-Felix Schewe kam als ehemaliger Güstrower Rennarzt. Von 1972 bis 2000 stand er im Stadion bereit, um nach Stürzen sofort zu helfen. Aus Pardubice in Tschechien reist seit Jahren, weil er dort seinen neuen Lebensmittelpunkt gefunden hat, Wolfgang Godemann an. Er war 30 Jahre – von 1969 bis 1999 – Rennsekretär des MC Güstrow.

Auch wenn er nicht mehr lebt, trotzdem wird an ihn gedacht: an Fritz Suhrbier, den „Meister“, wie er genannt wurde. Udo Bayer brachte es auf den Punkt: „Ohne Fritz hätte es in Güstrow kein Speedway gegeben und seine Arbeit strahlte auf die Bahnsportszene im ganzen Land aus.“



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