Storchen-Bilanz : Trauerspiel auf dem Storchenhorst

Auf einem Laternenmast in Hohen Sprenz baute das Brutpaar ein neues Nest.
Auf einem Laternenmast in Hohen Sprenz baute das Brutpaar ein neues Nest.

Verheerende Bilanz 2017: nur neun Brutpaare brachten in der Region Güstrow 19 Jungtiere durch.

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26. September 2017, 05:00 Uhr

„Sag mir, wo die Störche sind. Was ist geschehen?“, fragt Reinhard Schaugstat und hat dabei die Melodie eines bekannten, eher traurigen Liedes im Ohr. Der Weißstorchbeauftragte für die Region Güstrow muss wie schon im vergangenen Jahr eine verheerende Bilanz ziehen. Neun Brutpaare haben in der Region Güstrow 19 Jungtiere großgezogen (2016: 9 Paare/16 Junge). „Das sind die niedrigsten Zahlen seit der ersten Storchenzählung im Jahr 1901“, berichtet Schaugstat und fügt hinzu: „Adler und Kranich schreiben Rekorde. Adebar als globales Vogelmonument wird in unserer lebensfeindlichen Umwelt still ausgeräumt.“

Dabei sieht Schaugstat das Problem für die Großvögel nicht nur in einem nicht mehr so üppigen Futterangebot hierzulande, sondern insbesondere auch auf ihrem langen Weg zwischen ihrem Winterquartier im Süden Afrikas und ihrem Brutrevier in MV. Ende Januar seien die Störche im afrikanischen Süden gen Norden aufgebrochen und mussten das Dürregebiet Ostafrikas überqueren. Hunderte Störche hätten das nicht überlebt. Wer es schaffte, musste auf den europäischen Zugstraßen mit einem Wintereinbruch zurecht kommen. „Und dann Fröste im April und ein Sommer, der keiner war“, fasst Schaugstat die für ein erfolgreiches Brutgeschäft denkbar ungünstigen Begleitumstände zusammen.

Schon am 6. Februar war in den Domwiesen ein Storch beobachtet worden, der mit einem Reiher um die Fischhoheit stritt. Am 19. Februar bezog Adebar sein Nest auf dem Güstrower Plaschek-Hof. Zwei Wochen später kam das Weibchen. Schon Ende März begann das Paar mit der Brut. Die beiden Jungen überlebten die Frostnächte Ende April nicht, berichtet Schaugstat. Er erinnert sich auch an das Strenzer Paar (Ankunft 22. März) und an die Störche Fritz und Margaret in Groß Ridsenow. Als er zu Ostern 40 Nester kontrollierte, waren nur vier belebt. Noch im Mai und Juni seien Störche eingetroffen, die kurzzeitig Neste besetzten. „Dann setzte plötzlich eine Horstflucht ein“, erzählt der Storchenbeauftragte.

Anfangs, so schätzt Schaugstat ein, sei die Jungenaufzucht vielerorts noch hoffnungsvoll verlaufen, doch das Tief „Paul“ (22. Juni) mit viele Regen hätten viele Jungtiere nicht überlebt In mit Wasser gefüllten Nestern seien sie vom Hunger geschwächt oder durch Unterkühlung gestorben: 13 tote Jungvögel.

Auch die traurige Geschichte eines Sprenzer Storchenkindes reiht sich in die missliche Storchensaison 2017 ein. Ein geschwächtes Junges sei im August durch Hohen Sprenz gelaufen, habe beim Fischer gebettelt, sei in eine Jauchegrube gefallen und vor einem roten Kater geflohen. Aufnahme fand er bei Familie Exler. Er kam in die Tierklinik und wurde am 2. September ausgewildert. Zwei angreifende Seeadler zerrissen ihm die Brust. Er kam erneut in die Tierklinik und starb am 5. September.

Mitte August, so berichtet Schaugstat, waren viele Nester bereits leer. Anfang September zog geschlossen die Karower Storchenfamilie fort. Ein letzter Storch äste am 9. September beim Boldebucker Busch. Gute Reise wünscht der Storchenbeauftragte Reinhard Schaugstat und ist gespannt darauf, wie viele Störche im nächsten Jahr für ihr Brutgeschäft in die Region Güstrow kommen.

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