Silvesterkarpfen : Traditionell Karpfen zu Silvester

Schnell ins Wasser: Karpfen, die bald über die Ladentheke gehen, werden ins klare Wasser neben dem Verkaufsstand gesetzt. Dort verleben sie ihre letzten Stündlein.
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Schnell ins Wasser: Karpfen, die bald über die Ladentheke gehen, werden ins klare Wasser neben dem Verkaufsstand gesetzt. Dort verleben sie ihre letzten Stündlein. Fotos: Janine Beyer

In der Dobbiner Forellenzucht ist der Karpfenverkauf in vollem Gange – traditionell bringen seine Schuppen Glück. Sie bringen Geldsegen im neuen Jahr.

svz.de von
29. Dezember 2016, 21:00 Uhr

Karpfen zu Silvester, das ist hierzulande eine Tradition. Eine Karpfenschuppe im Portemonnaie soll angeblich für Geldsegen im neuen Jahr sorgen. Daran glaubt in der Dobbiner Forellenzucht zwar keiner so recht, der Rubel rollt beim Fischverkauf aber trotzdem. „Speziell nach Fischschuppen hat mich allerdings noch keiner gefragt“, sagt Mitarbeiterin Nadine Franke (33) und lacht erheitert auf. Sie arbeitet seit vier Jahren am Standort Dobbin.

Ab Oktober wird es dem Karpfen zu kalt, er beißt nicht mehr an. Passionierte Angler können ab diesem Zeitpunkt nicht mehr selbst ans Werk gehen, weiß Nadine Franke. Der Fisch werde in den Wintermonaten ausschließlich zum Verkauf angeboten. Die Nachfrage nach Karpfen steige schon ab September. „Einige Menschen essen zwischendurch einfach gerne Fisch, aber tatsächlich geht schon im Herbst der Verkauf für Weihnachten und Silvester los“, erzählt die 33-Jährige. Dass Karpfen auch gerne zu Weihnachten gegessen werde, sei ein Trend, der in den letzten Jahren zugenommen habe. „Unsere Kunden stammen hauptsächlich aus der älteren Generation. Kinder scheinen Fisch nicht mehr zu mögen“, sagt sie und spielt dabei auch auf ihren eigenen Nachwuchs an. „Wenn ich es Dorschschnitzel nenne, isst meine Tochter es.“

Inhaber Maik Wuttge verkauft seinen Fisch nicht nur in der Dobbiner Teichwirtschaft, sondern auch in zwei Fischwagen in Güstrow und Krakow am See. In den Wagen befinden sich zwei große Wasserbehälter, in denen Karpfen umherschwimmen. Zwischen den Behältern steht ein Metalltisch. Von den insgesamt sieben Mitarbeitern fahren üblicherweise zwei Kollegen mit den beiden Fischwagen raus. Zu Weihnachten und Silvester werden die Wagen um jeweils einen Mitarbeiter aufgestockt, die den Karpfen auf dem Metalltisch frisch schlachten und portionieren. Ein Karpfen wiegt zwischen eineinhalb und zehn Kilogramm. „Für ein älteres Ehepaar reichen um die 500 Gramm aus“, schätzt Nadine Franke. Deshalb wird der Fisch in kleineren Stücken verkauft. Sechs Tonnen Karpfen hält Maik Wuttge jedes Jahr für seine Kunden bereit. Aus dem letzten Jahr waren noch rund anderthalb Tonnen übrig, das waren 570 Exemplare. „Die großen Karpfen kamen in die Zucht. Daraus sind wieder drei Tonnen Brut entstanden. Den Rest kaufen wir zu“, sagt Nadine Franke.

Idyllisch liegen die Zucht- und Angelteiche in der Dobbiner Landschaft. Manch einer verzichtet auf die angeblich Glück bringende Karpfenschuppe und stellt sich mit Angel und Eimer ans Wasser, um ein paar Forellen zu fangen. Trotz des Namens werden in Dobbin eigentlich keine Forellen mehr gezüchtet. „Das würde den Verkaufspreis steigern, schon das Futter ist teuer“, erklärt Nadine Franke. Deshalb werden die Forellen aus Dänemark geliefert und in die Teiche gesetzt. Gerd Kuchenbäcker ist aus Röbel angereist, sein Gast Uwe Langer kommt aus Leipzig. „Ich möchte mein Silvesteressen lieber selber an den Haken bekommen“, sagt der 62-Jährige, „das macht mir einfach Spaß.“ Immer wenn Zeit sei, komme er zu Silvester an die Dobbiner Fischteiche. Vielleicht wird daraus auch eine Tradition.

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