Firmenjubiläum : Tradition: Pflastern per Hand

Manfred Weißert (l.) ist seit acht Jahren bei „güstra“, Dirk Hoppe seit 19 Jahren. Hier erledigen sie die letzten Arbeiten für die Bülower Straße, die heute für den Verkehr freigegeben wird, an der Einmündung zur Gliner Straße. Fotos: Hans-Jürgen Kowalzik
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Manfred Weißert (l.) ist seit acht Jahren bei „güstra“, Dirk Hoppe seit 19 Jahren. Hier erledigen sie die letzten Arbeiten für die Bülower Straße, die heute für den Verkehr freigegeben wird, an der Einmündung zur Gliner Straße. Fotos: Hans-Jürgen Kowalzik

Die „güstra“ GmbH Güstrow besteht seit 25 Jahren. Sehr viele Vorhaben im ganzen Land wurden realisiert.

svz.de von
17. November 2015, 06:00 Uhr

Wenn heute die Bülower Straße in Güstrow nach ihrer Sanierung für den Verkehr freigegeben wird, dann hat die „güstra“ GmbH Güstrow wieder ein Straßenbauvorhaben in der Kreisstadt beendet. Es ist eines von sehr vielen im ganzen Land, das die Firma in den vergangenen 25 Jahren mit anderen Partnern realisierte, darunter der Brunnenplatz und Domplatz in Güstrow.

Einen Namen machte sich „güstra“ vor allem mit Steinsetzerarbeiten per Hand. Uwe Jacob, geschäftsführender Gesellschafter: „Damit haben wir eine alte Tradition fortgeführt, die wir in hoher Qualität anbieten und die von unseren Kunden geschätzt wird. Das macht rund 80 Prozent unserer Arbeit aus.“ Einen der besten Steinsetzer, den der Betrieb hatte, war Jürgen Kliesch, bis heute mit Jürgen Neumann ebenfalls Gesellschafter. „Jürgen hat bis ins hohe Alter über 50 Quadratmeter Steine an einem Tag gesetzt. Damit bewegte er 20 Tonnen mit der Hand, das sind vier Lkw W50 voll“, nennt Jacob gern ein Paradebeispiel für die Leistung der Arbeiter.

Die Geschichte der Firma „güstra“ begann am 3. September 1990 im damaligen VEB Kreisdirektion für Straßenbau (KdS). Damals erinnerte sich Jürgen Neumann an den historischen Vorläufer der Firma, mit der ein Neuanfang vollzogen werden sollte. Das war die PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) „Straßenbau“ Güstrow, die 1973 der VEB KdS wurde, weil es Partei und Staat so wollten. Jürgen Neumann suchte Kontakt zu ehemaligen PGH-Mitgliedern. Er fand elf, die als Gesellschafter die „güstra“ GmbH gründeten.

Was die anfangs 25 Mitarbeiter praktisch konnten, wussten sie. Vor allem waren sie auch froh, ihren Job weiter machen zu können. Weniger firm sei man gewesen, wenn es um Kalkulationen, Submissionen und Abrechnungen gegangen sei. „Hier wurden wir ins kalte Wasser geworfen, fanden aber Hilfe wie durch den Lübecker Bauunternehmer Wilhelm Peters“, erinnert sich Uwe Jacob, der sich 1996 in die Gesellschaft einkaufte. Aber „güstra“ trat die Flucht nach vorn an, denn zu tun gab es genug. Bei einem Kassenstand von Null legten die Mitarbeiter los. Allerdings noch mit alter Technik. Der erste größere Auftrag war für das Straßenbauamt der Geh- und Radweg in der Bleicherstraße.

„Bis Mitte der 90er-Jahre“, resümiert Uwe Jacob, „wurde gut verdient.“ Auch bis 2000 sei alles noch „geschmeidig“ gewesen. Als Symbol stand dafür der Neubau des Firmensitzes statt bisheriger Bretterbude in der Parumer Straße. „Das sprach für unsere solide und qualitätsgerechte Arbeit“, meint Uwe Jacob. Nach 2000 mit der Einführung des Euro begannen auch für „güstra“ die „bitteren Jahre“. Jacob: „Die öffentlichen Mittel, von denen wir bis zu 80 Prozent profitieren, flossen nicht mehr so üppig und bis 2005 hatten wir wirklich eine Saure-Gurken-Zeit.“ Kompensiert wurde das für „güstra“ mit einem Generationswechsel. „Bei dem schrumpfte unsere Belegschaft altersbedingt auf zwölf Mitarbeiter, mehr gab der Markt nicht her“, so Uwe Jacob. Eher bescheiden ging es dann weiter. Aber, so Jacob, man habe immer wieder jedes Jahr aufs Neue z.B. auch in Güstrow mit dem Straßenbau Flagge zeigen können. Mit dem Ergebnis, dass „güstra“ zwar gern mehr Aufträge hätte, aber trotzdem mit dem Status Quo ein Auskommen hat. Mit einem gesunden Schuss Optimismus blickt die Firma in die Zukunft. Uwe Jacob: „So haben wir es immer gehalten, sonst hätten wir die 25 Jahre nicht durchgestanden.“

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