Der heisse Draht : Totes Reh am Straßenrand

Zurzeit ist wieder viel Wild unterwegs.
Zurzeit ist wieder viel Wild unterwegs.

Nach Unfall mindestens 48 Stunden in praller Sonne: Leser beklagt Verletzung der Pflicht zur Entsorgung von Wild

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13. August 2015, 06:00 Uhr

Über einen Wildunfall und in der Folge scheinbar unterlassene Pflichterfüllungen an verschiedenen Stellen berichtet unser Leser Klaus Wingeß. Der Unfall habe sich bereits am Freitagnachmittag der vergangenen Woche ereignet. Gegen 14.45 Uhr – die Uhrzeit ist noch wichtig – sei Herr Wingeß dazu gekommen, als ein Lkw zwischen Kölln und Groß Grabow gerade ein Reh überfuhr, das plötzlich auf die Straße lief. Beide hätten keine Chance gehabt – der Lkw-Fahrer nicht zum Ausweichen, das Reh nicht zum Überleben. „Daraufhin hielt der Lkw-Fahrer pflichtbewusst sofort an, um sich um das schwer verletzte Tier zu kümmern. Im unmittelbar nachfolgenden Fahrzeug stoppte auch ich als Jäger meine Fahrt, habe das Schmalreh fachgerecht abgefangen und so von seinen Schmerzen erlöst“, berichtet Klaus Wingeß.

Da ihm jedoch nicht der Jagdpächter des Reviers bekannt war und er auch nicht die Telefonnummer der Jagdbehörde zur Hand hatte, wählte Herr Wingeß die als Notruf bekannte 112. „Ein dortiger Mitarbeiter hat sich dann korrekt den Sachverhalt und die notwendigen Daten notiert, um alles weitere in die Wege zu leiten. Abschließend hat mich der Herr belehrt, dass er dafür eigentlich nicht zuständig sei und ich durch mein Telefonat die Notruf-Nummer für echte Notfälle blockiert hätte.“


Landkreis: Pächter wurde informiert


Wie aber sonst soll man als Kraftfahrer, wenn ein solches Malheur passiert, die Kreisjagdbehörde informieren, noch dazu in der Feierabendzeit?, fragt sich unser Leser.

Dies aber ist nur eine Frage, die Klaus Wingeß beschäftigt. Denn als er am Sonntag gegen 15 Uhr, also gut 48 Stunden später, an der Unfallstelle vorbeikam, habe das tote Reh, dick aufgedunsen, immer noch dort am Straßenrand gelegen. „Und das bei Tagestemperaturen von 30 bis 35 Grad in praller Sonne! Das ist unverantwortlich gegenüber der Kreatur und für den menschlichen Anblick eine Zumutung“, meint Klaus Wingeß. Für ihn ergibt sich die Frage, „wer hier äußerst verantwortungslos und schlampig gearbeitet hat, die genannten Behörden oder gar der Jagdpächter?“.

Den Unfall bestätigen kann Kay-Uwe Neumann, Pressesprecher des Landkreises. Tatsächlich sei am Freitagnachmittag die Meldung in der Kreisleitstelle eingegangen. Dies, also die Rufnummer 112, wäre auch die richtige Leitung für solche Fälle, wenn nicht ohnehin die Polizei am Unfallort gefragt sei. Wie Neumann versichert, habe der aufnehmende Mitarbeiter der Leitstelle gleich versucht, den zuständigen Jagdpächter zu erreichen. Weil dieser aber nicht ans Telefon gegangen sei, bliebe zunächst nichts weiter übrig, als auf den Anrufbeantworter zu sprechen.

Warum der Jagdpächter dann nicht reagiert hat, entziehe sich der Kenntnis. Auf jeden Fall bekommt dann, wenn es sich um ein Ereignis in der Nacht oder am Wochenende handelt, die Sachbearbeiterin im Landkreis den Bericht aus der Kreisleitstelle auf den Tisch und kümmert sich weiter um den Vorgang. Die Sache sollte also inzwischen erledigt sein, meint Neumann. Eine nachträgliche Kontrolle durch die Behörde gäbe es in der Regel nicht, betont der Kreissprecher, dazu fehle das Personal. Zudem würde ein Kontrolleur fast immer vergeblich rausfahren. Die Entsorgung von Wild, das durch Straßenverkehr getötet wird, funktioniere in aller Regel nämlich gut. Neumann: „Wir sind mit den Jagdpächtern in dieser Beziehung zufrieden.“

Bliebe der Hinweis aus der Leitstelle an Herrn Wingeß, der Notruf sei nicht dafür da, totes Wild zu melden. Gut möglich, dass hier ein Missverständnis vorliegt, räumt Neumann ein. Die 112 sei schon deshalb richtig, weil in der Leitstelle eine Liste mit den örtlichen Jagdpächtern ausliege. Jedoch könne es immer sein, dass dort auch ein tatsächlicher Notruf aufläuft. Deshalb bleibe dem Mitarbeiter nur wenig Zeit zum Gespräch, müsse die Meldung in gebotener Kürze erfolgen.  

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