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Bahnhof Güstrow : „Tor zur Stadt“ steht zum Verkauf

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Die Deutsche Bahn sucht Kaufinteressenten für das Güstrower Bahnhofsgebäude. Bürgermeister Arne Schuldt sieht den Verkauf kritisch.

von
erstellt am 26.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Wer schon immer mal ein altehrwürdiges „Tor zur Stadt“ besitzen wollte, kann jetzt zuschlagen: Die Deutsche Bahn (DB) bietet das denkmalgeschützte Güstrower Bahnhofsgebäude zum Verkauf an. Über den Kaufpreis schweigt sich die Bahn aus, auch darüber, ob es bereits Interessenten gibt. Nur soviel: „Der Preis ist Verhandlungssache“, sagte gestern Bahn-Pressesprecher Burkhard Ahlert auf SVZ-Nachfrage. Mit dem jetzt zum Verkauf stehenden Güstrower Bahnhof setzt die DB ihren bundesweiten Ausverkauf von Bahnhöfen fort. Waren es zuerst kleinere Stationen, kommen jetzt auch größere Bahnhöfe dran. 2014 war bereits das Bützower Bahnhofsgebäude verkauft worden.

„Wir brauchen diese Gebäude einfach nicht mehr“, sagt Ahlert und fordert zu Kaufangeboten auf. Aufgrund der Technisierung, wie z. B. durch Fahrscheinautomaten, hätten die Gebäude selbst keine Funktion mehr für die DB. Die Grundstücksfläche wird im Internet von der DB-Immobilien mit ca. 2538 Quadratmetern angegeben. Das Verkaufsgrundstück ist neben dem dreigeschossigen Bahnhofsgebäude mit einem alten Lagergebäude bebaut. Das Bahnhofsgebäude selbst besitzt eine Nutzfläche von ca. 1645 Quadratmetern. Laut DB würden über den Kaufgegenstand neun Mietverträge mit einer Jahresnettomiete von 81 852 Euro bestehen. Die Mietverträge seien im Rahmen des Verkaufs vom Käufer zu übernehmen. Zudem bestünden drei Mietverträge mit Bahn-Konzernmietern. Diese seien kündigungsgeschützt, heißt es. So u.a. das DB-Reisecenter, das erhalten bleiben soll, informiert Ahlert. „Desweiteren wird bei Verkauf ein Wegerecht zum Bahnsteig im Grundbuch dinglich gesichert.“

Das mehrfach umgebaute und denkmalgeschützte Güstrower Bahnhofsgebäude sei sehr repräsentativ, sagt der Güstrower Historiker Dieter Kölpien. Und auch wenn der 1850 mit der Eröffnung der Bahnstrecke Bützow-Güstrow errichtete Bahnhof in jüngster Zeit verkehrstechnisch an Bedeutung verloren habe, sei das Gebäude unbedingt erhaltenswert. „Wer es kauft, muss die Geschichte des Gebäudes im Blick haben. Das äußere Erscheinungsbild darf nicht wesentlich verändert werden“, sagt Kölpien.

Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt ist überrascht von dem Verkaufsangebot. „Davon habe ich nichts gewusst“, sagt er. Und das obwohl die DB nach eigenem Bekunden Bahnhofsgebäude immer zuerst der Stadt oder der Gemeinde anbieten will, bevor das Objekt ausgeschrieben wird, wie es jetzt der Fall ist. „Ich sehe den Verkauf des Bahnhofsgebäudes sehr kritisch und habe arge Bedenken. Die Bahn entzieht sich ihrer Verantwortung in der Fläche“, so Schuldt. „Wir wollen, dass der Bahnhof auch weiter ein Bahnhof bleibt“, unterstreicht er. Der Bürgermeister geht weiter davon aus, dass die DB das Bahnhofsgebäude eigentlich benötigt und verweist auf die unkündbaren Mietverträge mit den drei Bahntöchtern in der Ausschreibung.  

Geschichte des Bahnhofs
Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Bützow-Güstrow 1850 wurde auch der Güstrower Bahnhof eröffnet. Das Erscheinungsbild des Bahnhofs änderte sich wesentlich Ende der 1920er-Jahre. 1926 begannen die Bauarbeiten am Tunnel von der Bahnhofsvorhalle zu den Bahnsteigen und auch die Umbauarbeiten am Empfangsgebäude. 1928 wurde dann der heute noch bestehende Flachbau für die Fahrkarten- und Gepäckabfertigung errichtet, der auch eine Gastwirtschaft beherbergte. 1954 erhielt der Bahnhof ein Gleisbildstellwerk und Ende der 1950er-Jahre waren ca. 550 Beschäftigte am Güstrower Bahnhof tätig. 1996 wurde die Innenhalle umgebaut.  Der Schalter für Gepäck- und Expressgut wurde geschlossen und es entstanden das Reisezentrum und die Buchhandlung. 2004 kam es schließlich  zur Eröffnung des Güstrower „Umweltbahnhofs“. Dabei wurde der Busbahnhof auf dem Vorplatz komplett modern umgestaltet.

 

 

 

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