Landwirtschaft : Tolle Ernte und schlechte Preise

Ralf Kocher (Milchhof Kronskamp) begrüßte gestern  Maik Borchert, der im zweiten Jahr den Mähdrescher fährt, und lobt den Nachwuchs im Unternehmen.
Ralf Kocher (Milchhof Kronskamp) begrüßte gestern Maik Borchert, der im zweiten Jahr den Mähdrescher fährt, und lobt den Nachwuchs im Unternehmen.

Nach Regenpause steht die Ernte der Gerste in Güstrower Region vor dem Abschluss / Erlöse weit unter Vorjahresniveau

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18. Juli 2014, 06:00 Uhr

Zum Wochenende wird die Wintergerste eingebracht sein. Nach einer witterungsbedingten Pause drehen die Mähdrescher wieder ihre Runden auf den Felder und bringen eine reiche Ernte ein. Vorsichtig sprechen die Bauern in der Güstrower Region von einer durchschnittlichen Ernte. Der Ertrag könnte sich am Ende bei durchschnittlich 70 Dezitonnen je Hektar einpegeln, denkt Peter Brandt, Geschäftsführer des Bauernverbandes Güstrow. Wo die Regenmengen in den vergangenen Monaten stimmten, seien aber auch 80 oder 90 Dezitonnen Gerste vom Hektar zu holen, fügt er hinzu.

„Es macht richtig Spaß solche Erträge einzufahren“, sagt Sylvia Tetzlaff, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Landwirtschaftlichen Unternehmens Sarmstorf. Auf eine konkrete Zahl will sie sich noch nicht festlegen, noch sei nicht alles eingebracht. Auf 292 Hektar wuchs die Wintergerste. In der nächsten Woche, so denkt die Abteilungsleiterin Pflanzenproduktion, sollte die Mähdrescher in die Rapsfelder rollen. Ein Problem wollen die Sarmstorfer Landwirte bis dahin noch lösen. Durch den Regen war nach dem ersten Ernteschub viel Stroh auf den Feldern liegen geblieben. „Das muss erst trocknen, bevor es gepresst werden kann“, erklärt Sylvia Tetzlaff.

Sorge bereiten ihr wie allen Landwirten die Preise, die derzeit für Getreide erzielt werden können. „Wir geben uns mit der Produktion so viel Mühe und müssen dann zusehen, wie wir bei der Vermarktung Geld verlieren“, bedauert Sylvia Tetzlaff. Der Preis für einen Doppelzentner (100 Kilogramm) Gerste sei unter 14 Euro gefallen. Im vergangenen Jahr habe man 18 bis 20 Euro erzielen können.


Am Wochenende kommt erster Raps runter


„Es ist eine Katastrophe, was sich da abspielt“, sagt Hans-Jürgen Schlack und denkt bereits an Raps und Weizen. Die Ernte der Wintergerste hat die Produktivgenossenschaft (PG) „Am Schmooksberg“ Diekhof bereits abgeschlossen. „Alle sehen, dass ein bisschen mehr vom Hektar kommt und schon geht das Zocken an der Börse los“, klagt der Vorstandsvorsitzende der PG. Die Preise werden weltweit gehandelt und würden 30 bis 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Da die Preise schon in den vergangenen Monaten schlecht gewesen seien, habe man wenig Vorverträge abgeschlossen. Oft sei es so gewesen, dass die Preise zur Ernte doch wieder stiegen, diesmal klappt das nicht. „Für das wenige Geld nicht“, sagt Hans-Jürgen Schlack. Die Gerste, die man auf 310 Hektar erntete, habe man gleich verkauft. Was jetzt kommt, werde eingelagert und dann verkauft, wenn die Preise hoffentlich wieder steigen. Am Sonntag wollen die Diekhofer den ersten 75 Hektar großen Schlag mit Raps in Angriff nehmen. „Wir probieren es. Mal schauen wie es um die Feuchtigkeit steht“, kündigt Hans-Jürgen Schlack an.

Auch Ralf Kocher vom Landwirtschaftlichen Milchhof „Am Recknitztal“ Kronskamp hat bereits einen Schlag mit Raps bei Klein Lantow fürs Wochenende ausgewählt. Heute wollen die Kronskamper die letzte Gerste vom Feld holen. Froh ist er, dass man für einen großen Teil der Gerste Vorverträge abgeschlossen hatte. „Eine Punktlandung bekommt man nie hin“, räumt er ein, aber man versuche es immer wieder. Außerdem verfüge man über keinerlei Lagermöglichkeiten. Die seien dem Stroh vorbehalten, das man für Milchkühe und deren Nachzucht benötige.


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