Blitzermarathon : Temposündern auf den Fersen

Durfte auch mal an den Laser: Andreas Müller (Foto) wollte eigentlich seinem Kollegen den Spaß lassen, kam aber auch nicht drum herum, das eine oder andere Mal abzudrücken.  Fotos: Viviane Offenwanger
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Durfte auch mal an den Laser: Andreas Müller (Foto) wollte eigentlich seinem Kollegen den Spaß lassen, kam aber auch nicht drum herum, das eine oder andere Mal abzudrücken. Fotos: Viviane Offenwanger

SVZ begleitete die Beamten Buschow und Müller der Polizeiinspektion Güstrow beim Einsatz zum deutschlandweiten Blitzermarathon

svz.de von
17. April 2015, 06:00 Uhr

10 Uhr, Polizeiinspektion Güstrow. Einsatzbesprechung: Polizeihauptkommissar und Revierleiter in Vertretung Jens Wilke weist zwei seiner Kollegen für ihren heutigen Einsatz ein. Die Beamten Buschow und Müller sollen den Bereich vor der Lüssower Grundschule im Auge behalten. Eine Aufgabe, die beim Güstrower Polizeirevier öfter anfällt. „Der Blitzermarathon ändert an unserer Arbeitsweise wenig, da wir generell viel Verkehrssicherung betreiben“, erklärt Wilke. 30 Kontrollstellen gab es gestern im ganzen Landkreis. Dabei konzentrierte sich die Polizei vor allem auf Unfallschwerpunkte sowie auf Schulen und Kitas. Wie in Lüssow.


25 Euro für einen Traum am Steuer


Die Grundschule befindet sich am Ortsausgang, die Geschwindigkeit ist auf 30 km/h beschränkt. Erfreulicherweise halten sich die Fahrer an die Begrenzung. Vielleicht auch, weil die Polizei hier öfter steht, wie René Buschow, der Kontaktbeamte am Laser, vermutet. Nur etwa eine halbe Stunde warten die beiden Beamten, die bereits seit sechs Jahren als Team zusammenarbeiten, auf Temposünder. Herauswinken müssen sie nur eine junge Dame, die mit 45 statt den erlaubten 30 km/h unterwegs ist. „Ich habe geträumt“, räumt sie ein und nimmt ihre Geldstrafe von 25 Euro an. „Ich finde Leute unmöglich, die zu schnell fahren. Da geschieht es mir ganz Recht, dass ich jetzt selbst dabei erwischt wurde“, stellt sie fest, bevor sie sich wieder auf den Weg zur Arbeit macht.

Außer einem Transporter, bei dem eines der Frontlichter ausgefallen ist gibt es in Lüssow keine Auffälligkeiten. Also machen sich die Beamten auf nach Güstrow. „An der Rostocker Chaussee ist das Verkehrsaufkommen höher, da haben wir bessere Chancen“, erklärt Andreas Müller den Umzug. Außerdem, so der 52-Jährige, hätten sie dort in den Tagen zuvor schon zahlreiche Temposünder festgestellt.


Geblitzt: heute kein Mittagessen


Sein Verdacht bewahrheitet sich. Der Laser ist gerade einsatzbereit und Kollege Buschow drückt das erste Mal ab, schon geht den Beamten der erste Temposünder ins Netz. Statt der erlaubten 50 war der Herr mittleren Alters mit 65 km/h unterwegs. Vom Blitzermarathon wusste er. „In den 30er-Zonen habe ich immer besonders aufgepasst, hier nicht mehr... Dann gibt es heute wohl kein Mittagessen“, witzelt er. Die 25 Euro Bußgeld möchte er lieber überweisen, denn er muss schnell weiter in Richtung Greifswald.

Indes diskutieren Andreas Müller und René Buschow darüber, wie hinderlich die groß angelegte Berichterstattung im Vorfeld war. „Es bringt doch nichts, wenn die Fahrer vorher schon genau wissen, wo wir stehen“, findet Andreas Müller. Sein Kollege stimmt zu: „Dann könnte man auch einen festen Blitzer aufstellen.“ Trotzdem erwischen die beiden nach nur wenigen Minuten den nächsten „Bleifuß“. Der 62-jährige Güstrower hat einen besonderen Führerschein. „Ich habe noch den alten DDR-Führerschein und den ohne Stempel“, erklärt er stolz. Das heißt, er hat nie eine Verwarnung bekommen. Seine Überschreitung von zwölf km/h rechtfertigt er mit den Worten: „Mit 200 PS ist es eben schwierig, die Geschwindigkeit einzuhalten.“ Nach den 15 Euro Verwarnungsgeld wird er vorsichtiger sein.

Übermäßig viele Temposünder konnten nicht festgestellt werden. Im Revier Güstrow gab es nur etwa 14 Geschwindigkeitsübertretungen (Spitzenreiter: 70 km/h bei erlaubten 50). Ein kleiner Trost für alle, die es doch erwischt hat: Auch die Beamten der Polizei bekommen schon mal Blitzerfotos zugeschickt. Vor dem Blitzer oder Laser sind wir eben doch alle gleich.

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