Protest : Taxiunternehmen in Aufruhr

Schiebt wie viele seiner Kollegen Frust wegen der neuen Tarifordnung: Taxiunternehmer Frank Hübner.
Schiebt wie viele seiner Kollegen Frust wegen der neuen Tarifordnung: Taxiunternehmer Frank Hübner.

Neue Tarifordnung mit „exorbitanten“ Steigerungen auf Kurzstrecke / Landkreis sieht „auskömmliche“ Preisanpassung

von
18. November 2014, 23:00 Uhr

Taxifahrer sind in Aufruhr! Die neue Tarifordnung, die Landrat Sebastian Constien für ihr Gewerbe in der Schublade hat, bringt Preissteigerungen für die Kunden von bis zu 60 Prozent auf der Kurzstrecke. Frank Hübner rechnet vor: Kostet die längste Distanz quer durch Güstrow, vom Thünenweg zum Krankenhaus, derzeit 10,60 Euro, so könnten diese fünf Kilometer künftig mit 17 Euro zu Buche schlagen. „Ich fürchte, da bricht uns die Kundschaft weg. Wir leben doch von der Kurzstrecke!“, sagt Hübner, der meint, bei „90 Prozent der Kollegen“ ähnliche Befürchtungen zu vernehmen. Die Unternehmen Möller, Tetzlaff und weitere in Güstrow, Bützow oder Krakow am See, für die er sich als Sprachrohr verstehe, nennt Hübner als Zeugen.

Ganz gegenteilig soll sich der Fahrpreis auf den langen Strecken gestalten. „Über 50 Kilometer soll es kurioserweise billiger für die Kunden werden. Doch wenn wir z.B. für eine Fahrt von Güstrow zum Flughafen Berlin-Tegel vielleicht nur noch 150 Euro nehmen sollen, wäre das nicht wirtschaftlich. Da hilft auch das Argument nicht, wir könnten ab dem 50. Kilometer den Fahrpreis frei verhandeln. Wie reagiert denn darauf der Kunde?“, ist Hübner noch ratlos.


Wirtschaftlich arbeiten und kundenfreundlich


Hier steckt die Krux: Einerseits müssen Taxiunternehmen wirtschaftlich arbeiten, andererseits aber auch kundenfreundlich in den Preisen sein. Deshalb auch habe der Landkreis durchaus eine unterschiedliche Wahrnehmung bei den Taxiunternehmen zur Preisgestaltung gesehen, sagt Kreissprecher Kay-Uwe Neumann. Dass eine neue Tarifordnung in Arbeit ist, bestätigt der. Zuständig für das Tarifwerk des Taxigeschäftes ist der Landrat. Der hatte, von kleineren Korrekturen abgesehen, seit 2003 im Landkreis Güstrow und seit 2006 im Landkreis Bad Doberan keine Tarifanpassung mehr vorgenommen. Die sei also überfällig, allein schon, um im Landkreis nach der Kreisreform nun Tarifeinheit auch bei den Taxis zu bekommen.

Zusätzlich Druck mache jetzt das Mindestlohngesetz. Dass auch angestellte Taxifahrer von diesem profitieren können, ist in der Branche der 47 Taxiunternehmen im Landkreis Rostock kein Geheimnis. Frank Hübner etwa gibt an, seinen zwei fest angestellten Fahrern bei Vollzeit bereits jetzt Mindestlohn zu zahlen. Weitere Nebenverdienstmitarbeiter seien für ihn tätig, damit die vier Taxen und je zwei Miet- bzw. Kurierwagen rollen.

Um sich generell einen Überblick über die Strukturen und die Funktionsfähigkeit des Taxigewerbes im Landkreis Rostock zu verschaffen, hatte Constien ein Gutachten erarbeiten lassen, erklärt sein Sprecher. Darin seien auch Vergleiche mit anderen Landkreisen eingeflossen.

Taxiunternehmer Frank Hübner hat ebenfalls nachgeschaut, was woanders los ist. Sein Resümee: Kommt die neue Verordnung so wie der Stand jetzt ist, gehörte der Landkreis Rostock zu den teuersten Taxi-Standorten in Deutschland. „Kunden, bei denen wir schon mal vorgefühlt haben, reagierten schockiert. Das wird doch wieder Tür und Tor öffnen für neue Mietwagenunternehmen und für Schwarzfahrerei. Da geht Geld am Fiskus vorbei, und wir müssten in der Konsequenz Leute entlassen. Ich verstehe auch gar nicht, dass wir dazu nicht angehört wurden. Schließlich sind wir Taxiunternehmer, neben den Kunden, die Betroffenen“, ärgert sich Frank Hübner. Es gehe doch darum, ausgewogene Tarife zu bestimmen, die allen gerecht werden.

Der Kreissprecher stimmt bei letzterem noch zu, in einem anderen Punkt jedoch nicht. Nach Landesverordnung wären die Interessenverbände anzuhören, und „das haben wir gemacht“. Neumann nennt den Landesverband des Taxigewerbes und die IHK. „Und nur ein geringer Teil des Rücklaufs bei der Straßenverkehrsbehörde war negativ, der überwiegende positiv oder neutral.“

Noch diesen Monat will Landrat Constien seine Verordnung unterzeichnen. Die tritt dann am 1. Januar in Kraft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen