Güstrow : Taxi-Unternehmer fast ohne Umsatz

Riesiger Einbruch beim Umsatz in der Taxi-Branche wegen der Corona-Krise: Dieter Tetzlaffs Unternehmen in Güstrow geht es mit einem Verlust von etwa zwei Dritteln noch relativ gut im Vergleich mit vielen Mitbewerbern.
Riesiger Einbruch beim Umsatz in der Taxi-Branche wegen der Corona-Krise: Dieter Tetzlaffs Unternehmen in Güstrow geht es mit einem Verlust von etwa zwei Dritteln noch relativ gut im Vergleich mit vielen Mitbewerbern.

Betriebe bangen um die Zukunft, weil etwa einen Monat lang kaum Geld verdient wurde.

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20. April 2020, 05:00 Uhr

Das Telefon hat Dieter Tetzlaff in Griffweite. Doch es klingelt fast gar nicht mehr, seit der neue Coronavirus das Leben verändert hat. Der 76-Jährige sitzt in seinem Haus an der Igelweg 17 in Güstrow. Er ist Taxi-Unternehmer, aber auch in weiteren Geschäftsfeldern aktiv. Deshalb geht es seiner Firma noch relativ gut. Die Taxi-Sparte leidet enorm. Einige Mitbewerber erreichen nur fünf Prozent des üblichen Umsatzes. Nun hoffen alle in der Branche, dass die gelockerten Einschränkungen des Alltags wieder Geld in die Kassen bringt.

„Jeder macht alles, was er kriegen kann“, berichtet Taxi-Unternehmer Günter Möde. Am Güstrower Bahnhof steige zurzeit „praktisch kein Fahrgast ein“, die telefonischen Aufträge beschränkten sich auf maximal drei im Monat. Viele Krankenfahrten fielen wegen verschobener Termine aus. Schüler würden nicht transportiert, Senioren dürften nicht in die Tagespflege. Umsatzverlust: „rund 95 Prozent“. Möde berichtet, er habe finanzielle Förderung beantragt – aber er müsse er genaue Zahlen nachliefern. Wenn also Geld überwiesen wird, dann später.

Mitbewerber Hanno Latki sieht seine Umsatzverluste ebenfalls bei bis zu 95 Prozent. „Ich hoffe, in dieser Woche läuft es besser“, sagt er. Wenn die Patienten wieder Taxis riefen und die Menschen zum Frisör gefahren werden wollten, müsste es wieder bergauf gehen. Drei Fahrzeuge hat er und zwei Mitarbeiter. Deren Gehalt zahle er weiter. Der Arbeitstag sei lang, im Portmonee lande aber wenig. Latki hofft auf bessere Zeiten. Vielleicht dadurch, dass die Schüler wegen des Abstandsgebots zunächst nicht mit dem Bus fahren dürften, aber mit dem Taxi.

„Das reine Taxigeschäft ist bei mir fast zu zwei Dritteln weggefallen“, sagt Dieter Tetzlaff. Seit 1. April hat er Kurzarbeit für seinen Betrieb angemeldet, außerdem hat er Geld beim Land beantragt. Zurzeit beschäftigt er sechs Mitarbeiter fest, zwei in Bereitschaft. Dazu kommen zwölf Aushilfen. Von ihnen ist die eine Hälfte im Ruhestand, die andere im Dienst.

Der alltägliche Taxiverkehr schwächele stark, weil Fahrten zu Restaurants, Veranstaltungen oder einfach an Wochenenden wegfallen. Auch arbeiteten viele Ärzte „mit halber Kraft“, so Tetzlaff. Schließlich sollen sich die Patienten im Wartezimmer nicht zu nahe kommen. Immerhin fahren seine Taxen Patienten zur Bestrahlung oder zur Chemotherapie.

Für Tetzlaff sind 18 Fahrzeuge auf den Straßen: als Taxen, für Kranken-, Schüler-, Behinderten- und Kurierfahrten. Sieben Kleinbusse und ein Transporter fahren auch für Speditionen, Logistik-Unternehmen und Reiseunternehmen. Für letztere bringen seine Wagen Reisende zu den Sammelpunkten, an denen Busse die Kunden weiter zu Bahn und Flughafen oder zum Reiseziel befördern. Doch dieser Geschäftszweig ist zurzeit weggebrochen – wie der Schülertransport.

Tetzlaff rechnet damit, dass die Taxibranche bis Ende Juni leidet. Sorge bereitet ihm das nicht. „Wir haben gut gewirtschaftet“, sagt er. „Und wir haben Rücklagen gebildet.“ Seine Devise: Das Geschäft laufe nicht nach dem „Prinzip billig“. Für die Neuanschaffung von Fahrzeugen, aber auch für Veränderungen des Marktes müsse ein Betrieb vorsorgen.

Auch seine Mitbewerber haben Rücklagen gebildet. Aber sie machen sich Sorgen, denn die finanzielle Vorsorge reicht nicht ewig.

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