Rettungsdienst Güstrow : Tarifvertrag für Rettungsdienstler

Stufenplan bis 2018 zur Lohnangleichung an Öffentlichen Dienst. Langjähriger Konflikt beigelegt.

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15. März 2016, 12:00 Uhr

Die 91 fest angestellten Mitarbeiter des Rettungsdienstes des DRK-Kreisverbandes Güstrow werden in zwei Jahren genauso entlohnt wie ihre Kollegen im Öffentlichen Dienst. Dies ist der Kernpunkt eines Haustarifvertrages, den die DRK Rettungsdienst gGmbH Güstrow jetzt mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi unterzeichnet hat. Für die Angleichung der Gehälter gebe es für die 91 Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und Notfallsanitäter einen Stufenplan, der rückwirkend ab 1. Januar dieses Jahres gelte, gibt Andreas Bojarra, Geschäftsführer der gGmbH, auf SVZ-Nachfrage Auskunft. Von 90 Prozent in diesem Jahr über 95 Prozent 2017 werde 2018 auf 100 Prozent der jeweils gültigen Tabelle aufgestockt. Verdi-Vertreter Johannes Brückner: „Endlich gilt wieder der Grundsatz ,gleiches Geld für gleiche Arbeit’.“

Die Anlehnung des Lohngefüges an den Öffentlichen Dienst war Hauptforderung von Mitarbeitern des Rettungsdienstes, der sie vor knapp zwei Jahren bis ins vergangene Jahr hinein mit wiederholten Arbeitskampfmaßnahmen Nachdruck verliehen hatten (SVZ berichtete). Der Konflikt schwelte bereits seit 1998, als der DRK-Kreisverband aus wie es hieß wirtschaftlichen Gründen aus dem Tarifvertragswerk ausscherte. Seither hinkten aus Sicht der Mitarbeiter die Löhne und Gehälter der allgemeinen Entwicklung in zunehmendem Abstand hinterher.

Der Weg an den Verhandlungstisch zwischen Gewerkschaft und DRK-Kreisvorstand war hart gepflastert. Von „kriegsähnlicher Rhetorik“ war zwischenzeitlich die Rede, die Geschäftsführung ging auf dem Rechtsweg gegen die Arbeitsniederlegungen vor. Die Geschäftsführung monierte eine ungleiche Behandlung aller DRK-Mitarbeiter, falls es für die Rettungsdienstler gesonderte Vereinbarungen gäbe. Einen Tarifvertrag für die Mitarbeiter des gesamten Verbandes lehnte Vorstand Peter Struve dagegen kategorisch ab. In der Konsequenz gliederte der Kreisverband Mitte des vergangenen Jahres den Rettungsdienst als eigenständige gemeinnützige Gesellschaft aus. Alleiniger Gesellschafter ist der DRK-Kreisverband Güstrow. Alle Mitarbeiter, so erklärt Bojarra, hätten des Angebot zur Übernahme in die GmbH angenommen.

Mit dem Haustarifvertrag, der Ende Februar unterzeichnet wurde, sind noch einige weitere Punkte neu geregelt. So sind jetzt – unter bestimmten Vorbehalten – 24-Stunden-Dienste möglich, was ohne Tarifvertrag untersagt gewesen sei. Damit werde die Besetzung speziell der kleineren Rettungswachen effektiver gestaltbar sein. „Das ist auch für die Mitarbeiter vorteilhaft“, meint Bojarra unter Verweis auf durchschnittlich nur zwei Einsätze (Rettungswache Krakow am See) oder zweieinhalb (Gnoien) pro Tag. Die Wachen in Güstrow, in Teterow und in Bützow kommen dagegen auf etwa sieben Tageseinsätze im Jahresdurchschnitt. Allerdings würde es künftig Abstriche an der Jahresleistung geben, auch zähle Nachtarbeitszeit jetzt ab 21 Uhr und damit eine Stunde später. Geschäftsführer Bojarra: „Beide Seiten mussten Kompromisse machen.“

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