Liessow : Tante Gitti geht in Rente

Jessie Schumacher, Ben Willi Lenz und Natalie Hoffmann lieben ihre Tante Gitti – Brigitte Göde – ,die mit dem Jahreswechsel in den Ruhestand geht und ihre Kita an Christina Labuzinski übergibt.
Jessie Schumacher, Ben Willi Lenz und Natalie Hoffmann lieben ihre Tante Gitti – Brigitte Göde – ,die mit dem Jahreswechsel in den Ruhestand geht und ihre Kita an Christina Labuzinski übergibt.

In Liessow übergibt Brigitte Göde ihre privat geführte Kindertagesstätte zum Jahreswechsel an Christina Labuzinski.

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27. November 2017, 05:00 Uhr

Noch ist nicht unbedingt Zeit für Gefühle. Der ganz normale Alltagsstress muss bewältigt werden. Eines aber weiß Brigitte Göde (65) schon sehr genau: „Die Kinder werden mir fehlen. Aber man muss auch loslassen können – leichter gesagt als getan.“ Tante Gitti, wie sie alle nennen, geht in den Ruhestand. Die von ihr seit 2003 privat geführte Kindertagesstätte in Liessow übergibt sie an Christina Labuzinski (35) aus Spoitgendorf.

Brigitte Göde ist Erzieherin mit Leib und Seele. „Das ist kein Beruf, es sollte besser eine Berufung sein und aus dem Bauch kommen. Die Kinder spüren das“, ist sich die nun 65-Jährige sicher und denkt, dass es ihr ganz gut gelungen ist. Schließlich habe sie manche Kinder zehn Jahre lang begleitet, mit ihnen gelernt und gespielt, ihnen – besonders den Hortkindern – nach der Schule Freiraum eingeräumt, mit ihnen Hausaufgaben gemacht und Gedichte gelernt, ihnen aber auch Regeln vermittelt. „Für mich stehen die Kinder immer an erster Stelle. Das, denke ich, haben sie auch gespürt“, sagt Brigitte Göde. In ihren Augen habe sie es gelesen.


Ohne Familie in der Hinterhand undenkbar

Dabei war auch im Arbeitsleben der Liessowerin nicht alles Gold, was glänzt. In Liessow geboren, machte sie Abitur und studierte an der damaligen Pädagogischen Hochschule in Güstrow. Eine Krankheit vermieste ihr den Berufsstart als Lehrerin für Deutsch und Russisch. So wechselte sie in die Kinderkrippe in Liessow und absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin. Nach einem Exkurs in die Sozialarbeit – sie kümmerte sich um Missbrauchsopfer – kam sie 1997 in die Kindertagesstätte nach Liessow, deren Träger damals ein Verein aus Zarnevanz war, zurück. Brigitte Göde erinnert sich an ein mühseliges Tun. In der Kita war die Zeit stehen geblieben. Ein neues Konzept musste entwickelt, Mobiliar erneuert, alles heller und freundlicher gestaltet werden. Fünf Jahre später ging der Verein in die Insolvenz. Die Kita stand vor dem Aus. In Liessow konnte man sich ein Dorf ohne Kindertagesstätte nicht vorstellen. „Du machst das schon“, habe sie von vielen gehört. Sie tat es. Einfach sei es nicht gewesen. Manches Mal habe sie sich gefragt, warum sie sich das angetan hat. „Ich habe Fehler gemacht und daraus gelernt“, sagt sie heute. „Und ich hätte es nie geschafft, wenn nicht meine Familie hinter mir gestanden und immer mit angepackt hätte.“ Logisch, dass die Familie immer wieder zurückstecken musste. Das darf sich nun ändern.

„Auch mal an mich denken, Bücher lesen, verreisen“, sprudelt es auf die Fragen nach dem, was kommt, aus Brigitte Göde heraus. „Und vielleicht auch erst einmal gar nichts machen“, fügt sie hinzu und ist sich bewusst, dass sie in diese Ruhestandssituation erst wird hineinfinden müssen. Sie lasse es auf sich zukommen. Ihr Mann, zwei Kinder und drei Enkelkinder werden dabei sicher helfen.


Kooperation mit Glasewitz denkbar

Ändern wird sich auch das Leben von Christina Labuzinski, die jetzt die Kita in Glasewitz in Trägerschaft einer Elterninitiative leitet. Den Job will sie auch nicht aufgeben, sondern beides unter einen Hut bekommen. Denkbar sei ein Kooperationsvertrag zwischen den beiden kleinen Tagesstätte: Kapazität in Liessow 38 Kinder, in Glasewitz 36 Kinder. Christina Labuzinski war im Außendienst tätig und lernte so auch Kindertagesstätten kennen. Sie ließ sich zur Erzieherin ausbilden und orientierte sich neu. Praktikums absolvierte sie in Liessow. So kam man zueinander. „Es ist ein großer Schritt. Ich gehe ihn mit Freude“, betont die 35-Jährige. Natürlich werde sie nach ihren Vorstellungen manches verändern. Auch die Betreuungskosten müssten neu verhandelt werden, räumt sie ein. Die recht günstigen und seit Jahren unveränderten Beiträge seien nicht mehr zu halten. „Wenn ich jetzt nicht aufhören würde, hätte auch ich neu verhandeln müssen“, sagt Brigitte Göde.
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