SVZ-Sommertour : „Tank oder Teller“ heißt die Frage

Peter Thieme in der Gasaufbereitung
1 von 2
Peter Thieme in der Gasaufbereitung

SVZ-Sommertour startete gestern im Nawaro-Bioenergiepark in Güstrow / Leser besichtigten exklusiv Europas größte Anlage

svz.de von
25. Juli 2015, 06:00 Uhr

Mit einem Besuch des Nawaro-Bioenergieparks in Güstrow begann gestern die traditionelle SVZ-Sommertour. In der bietet die Lokalredaktion seit Jahren Lesern einen exklusiven Besuch an besonderen Orten an. Bei Nawaro hatten sie gestern Gelegenheit die größte Bioenergieanlage Europas zu besichtigen.

„Ich bin Physiklehrerin an der Thomas-Müntzer-Schule. Da interessiert mich solche Anlage besonders, weil man sich alles unmittelbar anschauen kann“, erklärte Manuela Losch ihre Teilnahme. Für sie gilt außerdem, dass die alternative Energiegewinnung immer mehr Bedeutung erlangt, weil viele Ressourcen auf der Erde endlich sind. Manuela Losch wird im neuen Schuljahr einen Vorschlag unterbreiten: Schüler der 10. Klassen könnten ihre Jahresarbeit zum Thema Bioenergie schreiben.


Strompreis bestimmt der Netzbetreiber


Der Güstrower Alois Kroschewski, Jahrgang 1931, meldete sich für die Tour an, weil ihn die Sorge treibt, dass zu viel landwirtschaftliche Nutzfläche für die Produktion von Biogas verloren geht. Er sieht das im Zusammenhang mit den vielen hungernden Menschen auf dem Erdball. „Tank oder Teller“, das wäre dann die Frage, die André Broszies, Leiter Prozessentwicklung und -optimierung, stellte. Seine Antwort: „Heute werden zwei bis drei Prozent der Energie aus Biomasse von Kulturpflanzen gewonnen, früher waren es 24 Prozent.“

Ulrich Ernst interessiert sich für Industrieanlagen. „In meinem ersten Leben war ich Techniker“, erklärte der Rentner. „Außerdem wollte ich einige ehemalige Kollegen aus der Zuckerfabrik begrüßen, die hier nach dem Abriss des Werkes einen Job gefunden haben“, erzählte er. An seiner Seite war seine Frau Angelika, die ökologisch denkt und glaubt, dass erst die Zukunft zeigen wird, wie effektiv alternativ produzierte Energie sein wird. Im Strompreis zeige sich das jedenfalls nicht, stellten mehrere SVZ-Leser fest.

Daran sei Nawaro aber nicht schuld, betonte André Broszies. Das würden die Netzbetreiber bestimmen, in deren Leitung Nawaro einspeise. Übrigens Erdgas, stellte Broszies heraus, denn das dazu veredelte Biogas sei die Besonderheit des Güstrower Werkes. Als Substrat verarbeitet Nawaro in den 20 Fermentern immer weniger Mais und immer mehr Gras-Silage. Täglich kommen von Montag bis Freitag 36 bis 40 40-Tonner ins Werk. Außerdem sind in einer Siloanlage 70 000 Tonnen gebunkert, rund 20 Prozent des Jahresbedarfs. „Denn unsere Anlage arbeitet rund um die Uhr, muss immer Nachschub haben“, so Broszies. Um eine Vorstellung über die Kapazität des Werkes zu haben, gilt die Zahl von 55 000 Haushalten, die versorgt werden können.

Kritikern hält André Broszies entgegen, dass das Werk als Vorzeigeobjekt gilt. „Wir hatten z.B. Besuch aus Japan. Dort will man Anlagen mit Seetang betreiben“, berichtete er. Erdgas ist die Hauptproduktion, Nebenprodukte für die Landwirte sind Press-Schnitzel und Flüssigdünger. Zu dem Werk gehören außerdem drei Blockheizkraftwerke, ein Holzschnitzel-Heizwerk und ein Labor. André Broszies: „Außerdem forschen wir und sind z.B. immer auf der Suche nach optimalen Substratzusammensetzungen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen