Güstrower Tafel : Tafel deckte Tisch zum Fest der Familie

Verein sammelte noch am Heilig Abend Lebensmittelspenden ein und gab sie gleich weiter / Zusätzlicher Ausgabetag auch Silvester

„Oh, guck mal, Mutti, was hier ist“, sagt Tobias Laudan und strahlt. Der 11-Jährige hält eine Packung Wunderkerzen in den Händen, die er schnell wieder in den Beutel steckt, den Mitarbeiter der Güstrower Tafel ihm und seiner Mutter gefüllt haben. Fisch, Würstchen, Apfelsinen und vieles mehr, was Weihnachten auf den Tisch kommen konnte, nahm die Familie mit nach Hause. „Ich bin schon einige Zeit ohne Arbeit. Mit zwei Kindern einen Job zu finden, ist schwierig“, sagt Daniela Laudan. Über die Lebensmittel freut sich die zweifache Mutter sehr. Dass es auch noch einige Süßigkeiten für die Kinder und ein Buch für Tobias gab, sah sie als schönes Geschenk.

Die SVZ-Weihnachtsspendenaktion für die Tafeln im Land ist abgeschlossen und brachte binnen vier Wochen 53 000 Euro ein. Die Arbeit der Tafeln geht weiter. Für die zwölf Mitarbeiter der Güstrower Tafel begann sie am Heilig Abend wie immer. „Um sechs Uhr morgens ging es heute los“, erzählt Vorsitzende Gabriele Kempke. Kurz nach halb acht Uhr kam die erste Ware, die Sandro Schultz von den Märkten der Stadt abgeholt hatte. Es wurde sortiert und gepackt, damit kurz vor 11 Uhr alles für die Ausgabe fertig war. „Wir haben gestern und heute sehr viel Waren bekommen“, erzählt Sandro Schultz. Er hat einen Bürgerarbeitsplatz bei der Tafel.

Am Tresen geht es schnell vorwärts. Jeder, der etwas bekommt, trägt sich in eine Liste ein und unterschreibt. „Hier sind zwei und zwei“, sagt Gabriele Kempke zu einer Kollegin und reicht ihr einen Beutel. Sofort ist klar, es handelt sich um zwei Erwachsene und zwei Kinder, die mit Brot, Suppen, Wurst und Käse bedacht werden. Für manchen war der Gang zur Tafel nicht so leicht. „Es ist unangenehm, aber eben auch eine große Hilfe“, sagt Jacqueline Diehl.

Für alle ist es eine Erleichterung, einige Lebensmittel so günstig zu bekommen. „Für uns ist es hilfreich, so kann ich vielleicht noch etwas für den bunten Teller kaufen oder den Kindern mal was extra zum Anziehen kaufen“, sagt Claudia Endler. Lieber verzichte sie selbst auf Geschenke und wolle den Kindern etwas zukommen lassen. „Da stehe ich mit meinen Wünschen zurück“, sagt sie.

Schon eine halbe Stunde sind die Mitarbeiter gelaufen und noch immer reißt die Schlange nicht ab. „Es sind heute mehr Leute als sonst“, sagt Bärbel Beese. Auch Andrea Lemke ist emsig mit dabei. Sie ist über den Bundesfreiwilligendienst bei der Tafel tätig und selbst berechtigt, Lebensmittel zu bekommen. „Ich bin froh, dass es die Tafel gibt“. sagt die 50-Jährige. Doch sie weiß nun auch, was die Mitarbeiter leisten. „Doch wenn ich die strahlenden Gesichter sehe, geht mir das Herz auf“, sagt sie.

„Wir möchten uns bei allen recht herzlich bedanken, die uns Lebensmittel oder Geld zukommen lassen“, sagt Gabriele Kempke. Sie hofft auf eben solche Unterstützung auch im nächsten Jahr. Am Heilig Abend war für sie und die Mitarbeiter erst gegen 13.30 Uhr Feierabend. Nachdem alle mit „guten Gaben“ bedacht worden waren, gönnten sich die Mitstreiter der Tafel erst noch eine Tasse Kaffee. „Um etwas zur Ruhe zu kommen und noch einiges abzusprechen“, erklärt Gabriele Kempke. Dann konnten auch sie Weihnachten mit ihren Familien feiern. Auch am 31. Dezember werden die Mitarbeiter zusätzlich zu ihrem regulären Dienst wieder von 11 bis 12 Uhr im Einsatz sein.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen