„Silver Surfer“ : Surfen mit 80 – kein Problem

Von wegen zu alt: Christel Klaus (r.) lernt mit 80 Jahren die Welt des Internet kennen.  Kerstin Giese hilft ihr.
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Von wegen zu alt: Christel Klaus (r.) lernt mit 80 Jahren die Welt des Internet kennen. Kerstin Giese hilft ihr.

Christel Klaus macht es vor: Senioren sind fit in Sachen Internet / Kerstin Giese vom Projekt „Silver Surfer“ hilft, wenn es mal klemmt

svz.de von
05. März 2014, 06:00 Uhr

Von wegen zu alt für das Internet. Von Kerstin Giese können Senioren das Surfen lernen. Eine von ihnen ist Christel Klaus. Die 80-jährige Güstrowerin hat sich im vergangenen Jahr einen Laptop zugelegt. Sie schreibt E-Mails. So kann sie problemlos mit ihrer Schwägerin in Kontakt bleiben.

„Ich habe den Entschluss gefasst, dass ich meinem Kopf etwas bieten muss, was anderes als stricken und häkeln. Das kann ich schließlich schon“, sagt die 80-Jährige selbstbewusst. So nahm sie an einem der Kurse in der Arbeiterwohlfahrt (Awo) teil, um die nötigen Kniffe im Umgang mit dem Computer zu erlernen. Die Ehrenamtlerin Kerstin Giese kommt, wenn Christel Klaus nicht mehr weiter weiß.

Seit dieser Woche ist die 53-Jährige mit einem ganz neuen Projekt unterwegs. „Silver Surfer – Senioren-Technik-Botschafter“ heißt es bei dieser Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. „Es geht hier vor allem darum, Senioren, die auf dem Land leben an das Internet heran zu führen“, erklärt die 53-Jährige. Viele der älteren Menschen kämen nicht mehr heraus aus ihrem Ort und sollten über die Technik mit anderen verbunden sein, so das Ziel. Der Startschuss für dieses Projekt ist erst vor wenigen Tagen gefallen. Im Europäischen Integrationszentrum Rostock wurde Kerstin Giese mit weiteren Frauen und Männern aller Landkreise und kreisfreien Städten als ehrenamtlicher Multiplikator ausgebildet. Ihre Leistung ist kostenfrei für die Nutzer. Lediglich das Fahrgeld bekommt sie über dieses Projekt erstattet.

Seit etwa zwei Jahren übernimmt die Ehrenamtlerin aus Wilhelminenhof bereits Computerkurse für PC-Neulinge unter dem Dach der Awo. „Die Teilnehmer dort müssen keinen eigenen PC haben, sondern können erst mal schauen, ob das etwas für sie wäre“, erklärt Kerstin Giese.

Ursprünglich studierte sie Landwirtschaft und war bis 2001 im Landeskontrollverband tätig, dann blieb sie einige Jahre wegen der Familie zu Hause. Beruflich hatte sie schon viel mit dem Computer gearbeitet, so beschäftigte sie sich auch später gern damit und besuchte einen Kurs, bei dem sie lernte Internetseiten zu gestalten und mit Programmen wie Powerpoint und Excel umzugehen.

Bei diesen Anfängerkursen habe es viele unterschiedliche Fragen der Teilnehmer gegeben. „Da bot ich dann an, auch zu ihnen nach Hause zu kommen, damit wir uns dem Programm konkret widmen konnten“, sagt Kerstin Giese.

Das Konzept hat sich bewährt und so bietet die 53-Jährige auch heute noch Schulungen für Einzelpersonen oder kleinere Gruppen bis zu drei Personen an. Von diesem Angebot profitiert nun auch Christel Klaus. Als sie im Sommer vergangenen Jahres krank wurde, bat sie Kerstin Giese, zu ihr nach Hause zu kommen. „Ich habe nicht gedacht, dass ich das so begreifen würde“, staunt Christel Klaus im Nachhinein. Mit Kerstin Giese ist sie sehr zufrieden. „Sie strahlt so eine Ruhe aus und erklärt es sehr geduldig“, sagt sie. Wenn Christel Klaus aber doch mal ein Problem mit ihrem Laptop hat, greift sie zum Telefonhörer und ruft „SOS“. Dann macht sich Kerstin Giese schon auf den Weg.



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