Lebensgeschichte : Stück Kuchen darf nie fehlen

Christel und Werner Stern haben gern in der Bäckerei gearbeitet, und sie lieben den Garten.
Christel und Werner Stern haben gern in der Bäckerei gearbeitet, und sie lieben den Garten.

Seit 50 Jahren Konditormeister: Werner Stern mit Christel Stern / Ein erfülltes Bäckerleben

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13. August 2015, 06:00 Uhr

Gerade mal 25 Jahre alt war Werner Stern, als er seine Meisterprüfung in Sachsen ablegte. Danach hat er nicht nur die Bäckerei in Laage von seinem Vater übernommen, sondern zuvor auch Christel geheiratet, die bis heute an seiner Seite steht. Jetzt schauen sie gemeinsam auf das 50-jährige Meisterjubiläum des Konditormeisters zurück.

Christel (66) und Werner (75) Stern genießen inzwischen ihren Ruhestand. Gern sind sie im Garten aktiv, hin und wieder zieht sie es auch auf Reisen in ferne Länder. Gemeinsam haben sie die harten Jahre, bestimmt von viel Arbeit und unnatürlichen Arbeitszeiten, erlebt. In einer Backstube begann der Arbeitstag um halb ein Uhr in der Nacht. Auch abends gab es immer noch etwas zu tun – ein regelmäßiger Feierabend war in diesem Job nicht möglich.

Geboren in Schneidemühl in Pommern war Werner Stern mit seiner Mutter und drei Geschwistern nach Laage geflüchtet. Hier ging er zur Schule, 1948 kehrte sein Vater aus der Gefangenschaft zurück. Da der Vater schon in Schneidemühl als Bäckermeister gearbeitet hatte, übernahm er auch in Laage eine Bäckerei. Die vier Kinder wuchsen also mit Teig, Kuchen und Mehlsorten auf, bekamen frühzeitig mit, wie schwer diese Arbeit damals noch war.

Werner Stern liebte es Bäcker zu sein. Dennoch war sein Ziel ein ganz anderes gewesen. „Mein Traum war ein eigenes Café“, gibt der 75-Jährige zu. Deshalb hatte er nach seiner Bäckerlehre in Laage zwei Lehrjahre zum Konditor in der Rostocker Konsumbäckerei angehängt. Er arbeitete danach in Dresden in der Konditorei am Blauen Wunder und absolvierte im schönen Sachsen seine Meisterausbildung in dieser Fachrichtung.

„Ich war aber der älteste Sohn in der Familie. Es wurde erwartet, dass ich in die Fußstapfen des Vaters trete“, erzählt Werner Stern. Er kehrte also von Dresden zurück nach Laage, arbeitete im elterlichen Betrieb mit. Schließlich übernahm er 1976 die Bäckerei von seinem Vater. 130 verschiedene Obst- und Cremetorten wurden damals hergestellt. „Auch zu Weihnachten haben wir über 100 Torten produziert. Stollen ging hier in Mecklenburg erst nach und nach“, erinnert sich der Konditormeister. Schwer sei es damals gewesen, manche Rohstoffe zu bekommen. Die Rosinen wurden also schon im Sommer gehortet und Persipan wurde hin und wieder auch aus Erbsen ersatzweise hergestellt.

1968 hatte Werner Stern seine Christel geheiratet. Sie zog mit, war als Tochter eines Schlachtermeisters das Arbeiten gewohnt. „Eine Frau ist die Seele des Geschäftes. Zusammen muss man an einem Strang ziehen, sonst funktioniert es nicht“, ist Werner Stern sicher. Wenn zum Beispiel nur mal ein Geselle krank war, wurde die Ehefrau geweckt und sie stand genauso in der Backstube wie am Vormittag im Verkaufsladen.

Wie sie zusammen arbeiteten, konnte das Ehepaar aber auch feiern. „Es wurde immer Frühlings- und Herbstfest gefeiert mit allen Bäckern“, erzählt er. Noch heute treffe man sich mit einigen regelmäßig.

Man braucht Lust und Liebe zum Beruf, da sind sich beide einig. Die konnten die Sterns weitergeben an Sohn Peter, der übernahm Anfang 2000 die Bäckerei. Was allerdings auch heute noch, längst im Ruhestand, nicht fehlen darf: ein Stück Kuchen zum Kaffee am Nachmittag.

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