DRK Güstrow : Struve: „Wir kriegen das hin“

Am 28. September konnte Gert Schmidt, Leiter des Noterstaufnahmelagers Mühlengeez (2.v.l.), Innenminister Caffier (Mitte) die Bereitschaft zur Aufnahme der Flüchtlinge melden.
Am 28. September konnte Gert Schmidt, Leiter des Noterstaufnahmelagers Mühlengeez (2.v.l.), Innenminister Caffier (Mitte) die Bereitschaft zur Aufnahme der Flüchtlinge melden.

DRK-Kreisgeschäftsführer spricht von „Ausnahmezustand“. Mehr als 100 Neueinstellungen zur Flüchtlingsbetreuung

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05. November 2015, 21:00 Uhr

Mit dem Bezug der Zimmer und Appartements im ehemaligen Lohmener Hotel ist seit Montag eine weitere Notaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Region Güstrow in Betrieb gegangen. Bis zu 100 Personen können hier unterkommen. In der privat betriebenen Einrichtung kümmert sich der DRK-Kreisverband mit fünf Mitarbeitern um die soziale Betreuung der Asylsuchenden. Weitere neun DRK-Mitarbeiter sorgen für die Verpflegung der Ankömmlinge.

Damit engagiert sich der DRK-Kreisverband Güstrow in der bereits vierten zentralen Asylbewerberunterkunft um aktuell rund 1400 Flüchtlinge. Eine fünfte, zur Aufnahme von zwölf Kindern und Jugendlichen ohne Begleitung Erwachsener, soll Mitte des Monats in Lalendorf bezogen werden.

Innerhalb von zwei Monaten hatte damit das DRK Güstrow praktisch aus dem Stand eine logistische Aufgabe zu bewältigen, wie sie es sich die Verantwortlichen vorher kaum hätten ausmalen können. So musste innerhalb von zehn Tagen die leerstehende Schule in Jördenstorf für 150 Frauen, Männer und Kinder hergerichtet werden, die nun hier in Vierer- bis Sechserbelegung pro Zimmer auf Feldbetten schlafen. Fünf Mitarbeiter sind hier hauptamtlich vor Ort.

Gar von heute auf morgen war das DRK gefragt, um ein derzeit nicht genutztes Internatsgebäude in der Güstrower Fachhochschule für die Aufnahme von 138 Flüchtlingen vorzubereiten. Hier, auf dem Gelände der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege, sind sieben DRK-Angehörige permanent im Einsatz.

Nur wenig mehr Zeit bekommen hatte der Kreisverband für die Meisterung der größten Herausforderung: Mühlengeez. „Am 16. September beauftragte uns das Innenministerium mit dem Aufbau des größten Erstaufnahmelagers in Mecklenburg-Vorpommern, und am 28. September begann der Bezug“, erinnert die Leiterin Öffentlichkeitsarbeit im DRK-Kreisverband, Manuela Hamann. Dazu wurden beheizbare Ausstellerzelte der gerade beendeten Mecklenburgischen Landwirtschaftsausstellung (Mela) genutzt und für den neuen Bedarf eingerichtet. Vier Großzelte, die jeweils rund 350 Menschen beherbergen können, wurden in Zehnerabteile parzelliert, um wenigstens eine minimale Intimsphäre zu ermöglichen. Jedes Abteil ist ausgestattet mit einem Klappbett und einem Klappstuhl pro Bewohner. Essenzelt (die Ausgabe erfolgt in drei Schichten), Spielzelt für die Kinder, Waschzelt, Quarantänestation und weitere erforderliche Einrichtungen machen das Erstaufnahmelager funktionsfähig. Bei einer Kapazität von 1250 Menschen ist es mit aktuell 1150 nahezu erschöpft. Insgesamt 88 Neueinstellungen habe das DRK allein für Mühlengeez vorgenommen, berichtet Geschäftsführer Peter Struve. Hinzu kommen etwa 180 ehrenamtliche Helfer, die in den Tagesablauf des „Lagerlebens“ eingebunden sind. Allein 35 ehrenamtliche Lehrer geben Deutschunterricht in Klassen mit bis zu 50 Schülern.

„Im September begann für uns eine neue Zeitrechnung“, beschreibt Peter Struve die Situation und spricht von einem „Ausnahmezustand“ für seinen Kreisverband. Mehr als 100 neue Mitarbeiter mussten in kürzester Zeit gewonnen werden, die Zahl der Freiwilligen liege noch weit höher. So werden auch in Lalendorf ab 15. November wieder vier Sozialarbeiter und vier Erzieher benötigt, ein Hausmeister, Deutschlehrer… Struve: „Wenn ich täglich die Fernsehbilder sehe, wo Menschen im Matsch waten und übers Meer kommen, ohne schon zu wissen, was auf sie bei uns erst im Winter zukommt, dann weiß ich, wir haben das Richtige getan und tun es weiterhin. Ich bin mächtig stolz auf unsere Mitarbeiter und die Freiwilligen. Hochachtung!“ Anlehnend an einen inzwischen sehr strapazierten Satz, ergänzt der DRK-Kreisgeschäftsführer: „Und ich bin mir ganz sicher: Wir kriegen diese Aufgaben hin.“ 

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