Kindertagesstättenförderungsgesetz : Streit um Kita-Essen beigelegt?!

Zufrieden verließen Kita-Leiterin Jeannique Röthlein sowie Sylvana Cerncic und Kathleen Heuer (v.l.) vom Elternrat der Kita „Spatzennest“ in Kobrow die Sitzung der Gemeindevertretung. Für sie erscheint das Problem „Vollverpflegung“ in der Kita gelöst.
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Zufrieden verließen Kita-Leiterin Jeannique Röthlein sowie Sylvana Cerncic und Kathleen Heuer (v.l.) vom Elternrat der Kita „Spatzennest“ in Kobrow die Sitzung der Gemeindevertretung. Für sie erscheint das Problem „Vollverpflegung“ in der Kita gelöst.

Träger und Eltern finden für die Kindertagesstätte „Spatzennest“ in Kobrow einen Kompromiss

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13. November 2014, 23:30 Uhr

Für die ab Januar vorgesehene Vollverpflegung in Kindertagesstätten zahlen die Eltern, deren Kinder die gemeindeeigene Kita „Spatzennest“ in Kobrow besuchen, 4,58 Euro am Tag. So beschlossen es die Gemeindevertreter auf ihrer Sitzung am Montagabend und erteilten damit auch dem DRK als Essenanbieter den Zuschlag. Jeannique Röthlein, Sylvana Cerncic und Kathleen Heuer atmeten auf und ziehen nun einen Schlussstrich unter vielerlei Diskussionen in den vergangenen Wochen. Letztendlich seien sich alle Seiten entgegengekommen. Viel Ärger hätte man sich ersparen können, wenn man nicht so lange im Dunkeln getappt hätte, resümiert Kita-Leiterin Jeannique Röthlein.

Das Kindertagesstättenförderungsgesetz sieht ab Januar vor, dass Kinder während der Betreuungszeit eine gesunde und vollwertige Verpflegung bekommen: Frühstück, Mittag, Vesper, Obst und Getränke. Auch Eltern aus Kobrow und Umgebung wollten sich dies nicht diktieren lassen. Die Kita, so bestätigte Jeannique Röthlein, sei vom Landkreis so orientiert worden, dass Essengeld pauschal abgerechnet werden sollte. Dies bedeute, dass Eltern für die Verpflegung im Monat 17 Tagessätze zahlen, denn durchschnittlich ist ein Kind 17 Tage im Monat in der Kita. Dies gelte so bundesweit, bestätigt Rainer Boldt auf SVZ-Nachfrage. Der Landkreis sehe diese Variante als praktikabler gegenüber einer individuellen Abrechnung. Die Entscheidung aber läge bei den Kita-Trägern, so der Dezernent der Kreisverwaltung.


Eltern wünschen Flexibilität


„Wir frühstücken zu Hause gemeinsam, bevor ich zur Arbeit fahre“, berichtet Sylvana Cerncic, Mitglied im Elternrat der Kita „Spatzennest“. Diese gemeinsame Mahlzeit sei ihr sehr wichtig. „Das muss doch wohl in der Entscheidungsgewalt der Eltern liegen“, meint sie. Andererseits wolle man nicht für eine Leistung zahlen, die man nicht in Anspruch nehme. Generell habe man nichts gegen eine Vollverpflegung, betont Elternratsvorsitzende Kathleen Heuer. Flexibilität sei dabei aber wünschenswert. Für die Kita in Kobrow habe man diese nun erreicht. Morgens könnten die Eltern stets das Essen für den ganzen Tag abbestellen, wenn das Kind nicht in die Einrichtung kommt. Es könnten aber auch Frühstück oder Vesper abgemeldet werden, wenn das Kinder später kommt oder an einem Tag mal früher geht, berichtet Jeannique Röthlein. Damit seien die Eltern nun zufrieden. „Wir machen uns die Arbeit spitz abzurechnen“, sagt Bürgermeister Günter Schink. Die Gemeinde sei damit einen Schritt auf die Eltern zugegangen. „Ein Jahr lang gucken wir uns an, wie es funktioniert“, kündigt Schink an. Dann müsse man gegebenenfalls neu entscheiden.

Auch der Landkreis werde sich das „genau angucken“, sagte gestern Dezernent Rainer Boldt. Die Vollverpflegung stehe im Gesetz als „integraler Bestandteil des Leistungsangebotes“. Das bedeute, dass nicht einzelne Bestandteile abgewählt werden könnten, macht Boldt seine Position deutlich. Boldt will die Aufregung um das Thema insgesamt durchaus verstehen, setzt aber auf einen Gewöhnungsprozess. „In anderen Bundesländern ist die Vollverpflegung längst Usus“, informiert Boldt. Dort gebe es keine Diskussionen mehr.


Vollverpflegung bei Awo und VS schon Usus


Die gibt es auch kaum in den großen Kitas der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und der Volkssolidarität (VS). Auf freiwilliger Basis gebe es die Vollverpflegung in der Kita „Kinderland“ am Platz der Freundschaft in Güstrow seit 2011. Diskussionen habe es gegeben, schließlich aber einen Elternratsbeschluss es zu probieren, berichtet Inken Balla, Prokuristin beim Awo-Kreisverband. „Es ist nicht verordnet worden, sondern war ein Projekt der Kita“, macht sie den Unterschied deutlich. Dies bedeute aber auch, dass die Eltern mit dem neuen Jahr mit etwas höheren Preisen rechnen müssten. Bisher, so erklärt Balla, werde das Projekt von ehrenamtlichen Helfern in der Vor- und Nachbereitung der Mahlzeiten unterstützt. Wird die Vollverpflegung zur Pflichtaufgabe, sei dies nicht mehr möglich. Dann spiele darüber hinaus auch der ab dem nächsten Jahr geltende Mindestlohn eine Rolle. Das betont auch Monika Zöllner vom VS-Kreisverband Mecklenburg-Mitte und denkt dabei z.B. an jene, die das Essen ausfahren. „Wir haben ab 2008 in unseren Kitas die Vollverpflegung nach und nach eingeführt“, berichtet Zöllner. Dabei habe man selbstverständlich die Eltern mit einbezogen. „Es ist doch schön, wenn schon alle gemeinsam frühstücken“, sagt Zöllner und fügt hinzu, dass die gemeinsamen Mahlzeiten irgendwie auch ein Lernangebot seien.

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