Jugendberufsagentur : Strauchelnde Jugendliche auffangen

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Jugendberufsagentur startet im Januar und setzt Arbeit der Kompetenzagentur fort / Landkreis und Jobcenter finanzieren gemeinsam

Die Zeit der Kompetenzagentur schien bis vor wenigen Tagen gelaufen. Seit 2006 kümmern sich Sozialpädagogen um Jugendliche, die sich irgendwo auf ihrem Weg ins Leben und insbesondere ins Berufsleben verirren. Die Finanzierung über den Bund aus Mitteln der Europäischen Sozialfonds (EFS) läuft zum Jahresende aus. Junge Leute zwischen Schule und Beruf müssten im Landkreis Rostock deshalb nicht auf der Strecke bleiben. Jugendberufsagentur heißt jetzt das Zauberwort. Konzept und Finanzierung für dieses kreisweite Jugendberufshilfeangebot ab dem nächsten Jahr stehen. Der Jugendhilfeausschuss hat beschlossen. Nun aber könne aus Restmitteln des EFS die Bundesförderung für ein halbes Jahr fortgesetzt werden, informierte der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg.

„Wir dürfen jetzt eine Interessenbekundung in Berlin abgeben und erklären, dass wir bereit wären, die Kompetenagentur weiterzuführen“, erklärte Manfred Müllner gestern auf SVZ-Nachfrage. Damit sei noch nichts entschieden, fügt der Geschäftsführer der BBS Start GmbH, einer der Träger, hinzu. Bilse-Geschäftsführer Rainer Schätz sieht unter den neuen Bedingungen die Chance für einen sanften Übergang von der Kompetenzagentur zur Jugendberufsagentur. Die neuen Strukturen, das bestätigt auch Kreissprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm, sollen wie geplant ab Jahresbeginn 2014 aufgebaut werden. Die zusätzlichen Finanzmittel seien willkommen.

Im neuen Konzept der Jugendberufsagentur finden sich wie bisher die Start GmbH, das Bilse-Institut und der Verein Jugendhilfe Stadt und Land aus dem nördlichen Teil des Landkreises als Träger des Hilfsangebotes wieder. Der Landkreis Rostock plant für das nächste Jahr 135 000 Euro zur Verfügung und finanziert damit drei Stellen für Sozialpädagogen und Sachkosten. Neu dabei, so betont Gabriele Hein vom Jugendamt des Landkreises, sei eine Beteiligung der Jobcenter Güstrow und Bad Doberan, die sich in zwei weiteren Personalstellen plus Sachkosten niederschlagen würde. „Wir fühlen uns jetzt miteinander für die Jugendlichen verantwortlich“, btont sie. Die fünf Sozialpädagogen würden als „Lotsen und Vermittler zu allen Menschen im System der Jugendberufshilfe“ fungieren, die jungen Leute begleiten, ihnen Wege aus einer oft schwierigen Situation mit Schulden, Drogen, psychischen Problemen oder fehlenden Schul- und Berufsabschlüssen aufzeigen. „Die Mitarbeiter werden mehr vor Ort sein, die Jugendlichen dort treffen, wo sie sich aufhalten“, informiert Gabriele Hein.


Bis zu 250 Jugendliche brauchen Hilfe auf Weg ins Arbeitsleben


Man gehe davon aus, dass es im Landkreis 200 bis 250 junge Leute gebe, die irgendwo durchs Netz fallen. Mit fünf Mitarbeitern in der Jugendberufsagentur könne man rund 150 von ihnen auffangen. Das Konzept sieht 30 Klienten pro Mitarbeiter vor.

Allerdings sind bisher sechs Mitarbeiter im Güstrower und drei im Doberaner Bereich tätig, künftig sollen es nur noch fünf sein. „Das muss in der neuen Struktur kein Verlust sein“, sagt Gabriele Hein. Heike Ahrens, Teamleiterin der Kompetenzagentur Güstrow mit den Außenstellen Bützow und Teterow, sieht durchaus den Einschnitt beim Personal. Dass insbesondere der ländliche Bereich auch mit dem neuen Konzept abgedeckt werden könne, beruhige sie. Heike Ahrens kann eine gute Bilanz der Arbeit der Kompetenzagentur ziehen. Zwei von drei jungen Leuten, die kamen, habe man helfen, sie in Bildung, in Arbeit oder in eine Therapie vermitteln können. „Wenn sie zu uns kommen, haben sie den Kopf voller Probleme“, berichtet die Teamleiterin. In der Regel brauche es ein halbes Jahr, bis die größten Problem auf dem Weg einer Lösung seien, der Kopf frei für den Blick in die Zukunft sei. „Jeder hat eine zweite und wenn notwendig noch eine dritte Chance verdient“, ist die Sozialpädagogin überzeugt. Die soll es auch künftig geben.

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