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Güstrower Anzeiger

19. Oktober 2017 | 11:24 Uhr

Mamerow : Storch „Bruno“ angeschossen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Röntgenaufnahmen der Tierklinik und des Zoos Rostock belegen das / Familie Draack fand Mamerower Adebar am 24. Mai auf der Straße

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2014 | 06:00 Uhr

Vom verletzten Mamerower Storch „Bruno“ gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute lautet: In drei Wochen wird er vermutlich wieder nahe an seinem Horst in Mamerow ausgewildert. Dann wird seine Verletzung auskuriert sein. „Bruno“ trug einen glatten Bruch des rechten Flügels davon. Wie es dazu voraussichtlich gekommen ist, ist die schlechte Nachricht. Röntgenaufnahmen in der Tierklinik Rostock und im Rostocker Zoo, wo er seit Anfang Juni aufgepäppelt wird, weisen nach, dass der Rotstrumpf angeschossen wurde. Höchstwahrscheinlich in Mamerow. Es gibt, hat SVZ erfahren, auch Vermutungen, allerdings bis heute keine Anzeige. Letzteres bestätigt der Güstrower Storchenbeauftragte, Reinhard Schaugstat. Alle weiteren Fragen unserer Zeitung wollte er nicht beantworten. „Kein Kommentar“, sagte er. Ganz anders Stefan Kroll, Storchenbeauftragter für den Nordteil des Landkreises und Mitglied des Vorstandes der Landesarbeitsgemeinschaft Störche. Der schüttelt mit dem Kopf. Für ihn ist es nur schwer zu begreifen, dass auf das Tier mit Blei geschossen wurde.

Zur Erinnerung: Die Familie Draack fand den Storchenmann aus dem Storchennest des Dorfes am 24. Mai auf dem Gehweg vor ihrem Haus. „Wir vermuten, dass er angefahren wurde“, war der erste Gedanke von Ronny Draack. Der Storch konnte nicht mehr fliegen. Beim Einfangen half Töchterchen Lisa-Marie. Die verpasste dem kranken Adebar auch gleich den Namen „Bruno“. Die Familie Draack kümmerte sich um den Rotstrumpf, informierte aber auch Reinhard Schaugstat. Der brachte ein paar Tage später „Bruno“ in die Tierklinik Rostock.

Von dort kam er in den Rostocker Zoo. Für verletzte Wildtiere gibt es eine Vereinbarung zwischen Klinik und Zoo, dass sie dort wieder gesund werden sollen. Einer der Tierpfleger auf der Stelzvogelwiese, die „Bruno“ im wahrsten Sinne des Wortes unter Fittichen haben, ist Roy Schubert. Der freut sich, dass „Bruno“ Fortschritte bei seiner Genesung macht. „Es geht ihm gut, er lässt nur noch etwas den rechten Flügel, der ja glatt gebrochen ist, hängen“, erzählte er gestern SVZ. Bis zur vergangenen Woche erhielt der Mamerower Storch auch noch Schmerzmittel. Die sind jetzt aber abgesetzt. Auch Roy Schubert glaubt, dass „Bruno“ angeschossen wurde, danach vermutlich abgestürzt ist und sich dabei den Flügel gebrochen hat. Für den Tierpfleger ist es allerdings unvorstellbar, dass da einer zu einer Luftdruckwaffe gegriffen haben soll und auf einen Vogel geschossen hat, der hinlänglich bekannt zu den beliebtesten gehört. Egal ob es ein „saudummer Jugendstreich“ oder ein absichtlicher Schuss gewesen sei, beides ist für Schubert höchst fragwürdig und wird von ihm verurteilt. Außerdem hätte das ganz schlimm ausgehen können. Roy Schubert: „Da der Schuss aus relativ kurzer Distanz abgeben worden sein muss, hätte der Storch auch tot sein können.“ Der Pfleger freut sich umso mehr, dass der Anschlag auf den Rotstrumpf doch glimpflich ausgegangen ist, denn „Bruno“ wird nach seiner Meinung mit dem Projektil im Muskelfleisch fröhlich weiter leben können. Weil es „Bruno“ so erwischt habe, werde er auch extra betreut, denn er sei schon sehr geschwächt gewesen, sagt sein Pfleger. Zu seinen Mahlzeiten gehört z.B. Ostseehering und ab und zu eine Maus. Schubert: „Eintagsküken mag er allerdings nicht, weil er es als Wildstorch nicht gewohnt ist , so verwöhnt zu werden.“

Dass „Bruno“ angeschossen wurde, hatte weit reichende Folgen, denn Mutter Storch schaffte es nicht die drei Jungstörche genügend zu füttern. Alle starben, einer fiel sogar vor Schwäche aus dem Nest. Jetzt bleibt bei den Mamerowern nur die Hoffnung auf das neue Storchenjahr und dass es so einen Vorfall nicht mehr geben wird.



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