Güstrow : Störche: Futternot und Hungertod

Jahrelang war das Nest verwaist. Diesmal brüteten wieder Störche in Striggow. Archiv
Jahrelang war das Nest verwaist. Diesmal brüteten wieder Störche in Striggow. Archiv

Die Zahl der Störche in der Region Güstrow verharrt auf niedrigstem Niveau, ziehen ehrenamtliche Weißstorchbetreuer eine ernüchternde Bilanz.Das Problem ist klar: es fehlt an Grünland und Feuchtgebieten.

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07. November 2012, 11:50 Uhr

Güstrow | "Unsere Süd-Ost-Zieher dürften jetzt südlich der Sahara rasten", sagt Reinhard Schaugstat. Der ehrenamtliche Weißstorchbetreuer in der Region Güstrow legt diesmal spät eine ernüchternde Bilanz vor. "Die Zahl der Störche veränderte sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum und verharrt auf niedrigstem Niveau", schätzt Schaug stat ein. Nachdem anfänglich fast 40 kurzzeitige Horstpaare gesichtet worden waren, besetzten dauerhaft 24 Paare ihre Nester. 21 davon brüteten erfolgreich und zogen 49 Junge groß.

Das Problem ist seit Jahren benannt: Wo der Storch immer weniger Nahrung findet, macht er sich rar. Es fehlt an Grünland und Feuchtgebieten. Die intensive Landwirtschaft mit viel Mais bietet den Adebaren keine Nahrungsgrundlage. Schaugstat notiert für 2012 ein langes und turbulentes Storchenjahr. Am 8. März sei der bekannte Zehnaer Ringstorch schon durch die Dorfkoppeln geschritten und das Güstrower Paar feierte Hochzeit. Dann stoppte der Zug. "Tausende Adebare ,standen vor den anhaltenden Gegenwinden in Polen fest", berichtet der Güstrower Storchenvater. Erst um Ostern traf das Gros der Brutpaare ein.

Bei dürftigem Nahrungsangebot habe sich Aggressivität und Kanibalismus zunehmend bemerkbar gemacht. In Lüssow, Mistorf, Schweez und Tolzin seien hungernde Junge verendet und teilweise an die Geschwister verfüttert worden. Die Strenzer Störche zerhackten ihr schwächstes Nesthäkchen.

"Das Storchenjahr 2012 war geprägt von unsteter Rast, Horstplatzhatz, von Futternot und Hungertod, aber auch von zärtlichen Storchengeschichten", berichtet Schaugstat und erzählt von Kankel, wo Adebars dieses Jahr Drillinge großzogen. Familie Heinrich habe stets ein Auge auf die Tiere. Zuvor war dort 1995 der letzte Jungstorch aufgewachsen. Auch in Striggow brüteten erstmals wieder Störche. Der Hund der Familie Dinnebier in Lüssow entdeckte in den Strenzer Mühlbachwiesen einen abgemagerten, flugunfähigen Altstorch. Die Familie brachte ihn in den Natur- und Umweltpark. In Mistorf habe eine tiefe Sommerfreundschaft die Dörfler mit ihren Jungstörchen verbunden. Nach dem plötzlichen Tod des Brutweibchens, so berichtet Schaugstat, habe der Storchenmann unermüdlich für die Jungen gesorgt. Die Familien Huckstorf und Theuermeister hätten dabei geholfen. "Sie bewachten ständig ihre ,Kinder, legten Futter in den Hühnerhof, mähten die Weide und vertrieben mit der Peitsche knallend die Raben", erzählt der Weißstorchbetreuer und dankt seinen vielen Helfern in den Dörfern.

Bleibt noch "eine freche Storchenliebe auf dem Kernicke-Hof in Suckow". Nachdem die Adebar-Familie ihr Sommerhaus verlassen hatte, sprang ein zurückgebliebenes hungerndes Junges vom Nest. Es habe den dicken Kater verdrängt und eine eigene Silberschale mit Fleisch- und Fischkeks bekommen. Dankend habe der Kleine den Pflasterhof weiß gekalkt. Am Ende brachte Schaugstat das noch unflügge Storchenkind in den Güstrower Nup.

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