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Hospizdienst : Stille Begleiter am Ende des Lebens

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Regina Graw und Dietlinde Schöttler sind ehrenamtlich im Ambulanten Hospizdienst tätig. Weitere Ehrenamtler gesucht.

von
erstellt am 28.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Sie habe schon immer eine soziale Ader gehabt, sagt Dietlind Schöttler aus Sternberg. Und so sei es jetzt auch ihr großes Glück, ehrenamtlich im Ambulanten Hospizdienst mitwirken zu können. Es sei gerade dieses Spannungsfeld zwischen Leben und Tod, zwischen Freude und Trauer, das dieses Ehrenamt präge. Und dafür suchen die Caritas und der Diakonieverein, die Träger des Ambulanten Hospizdienstes „Christophorus“ mit Sitz in Güstrow sind, weitere Mitstreiter.

Die Zeit des Sterbens sei nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für die Angehörigen äußerst schwer, sagt Regina Graw. Die Krankenschwester aus Bützow ist selbst seit 2003 im Ambulanten Hospizdienst ehrenamtlich tätig. Seit März koordiniert sie nun die Gruppen der Ehrenamtler für den Bereich Güstrow, Bützow, Schwaan, und Sternberg hauptamtlich. „Außerdem arbeite ich zeitweise auch noch auf der Palliativstation in Bützow. Das ist mir wichtig, um weiterhin nah an der Praxis dran zu sein“, sagt Regina Graw.


Mit sich selbst im Reinen sein


Denn die Arbeit im Hospizdienst sei nicht einfach. Es sei eine Ausnahmesituation. Betroffene und Angehörige hätten Angst und seien unsicher. „Manchmal sind Angehörige auch wütend auf die ganze Situation“, sagt Regina Graw. Hier setzen die Ehrenamtlichen an. Die Frauen wollen einfach da sein, helfen, unterstützen, ohne sich jedoch aufzudrängeln. Der Grat dazwischen ist ein ganz schmaler, erfordert Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen. „Manchmal hilft bereits ein Augenkontakt oder eine Geste, keine Wort“, sagt die Bützowerin. Oder die Ehrenamtler verhelfen den betreuenden Angehörigen auch einmal zu einer kleinen Auszeit, zu einem Spaziergang oder einem Friseurbesuch oder sie sind da, wenn der Angehörige einfach einmal reden möchte. „Wir holen die Betroffenen oder Angehörigen da ab, wo sie sich gerade befinden“, sagt Dietlind Schöttler.

Voraussetzung, sich dieser Lebensaufgabe zu stellen, anderen Menschen in ihrer letzten Lebensphase zur Seite zu stehen, sei, dass der Ehrenamtliche mit sich selbst im Reinen ist. „Ich bin es“, sagt Dietlind Schöttler. Sie habe sich bewusst für diese Aufgabe entschieden. „Als meine beiden Söhne erwachsen wurden, habe ich mich daran erinnert, dass ich so etwas immer machen wollte“, sagt die Sternbergerin. Hilfreich sei dabei, dass sie bereits seit mehr als 20 Jahren mit behinderten Kindern an der Förderschule zu tun hat. Doch das sei es nicht allein. „Es ist eine Wertschätzung des eigenen Lebens“, sagt die 53-Jährige. Und sie sei froh, jetzt „die Zeit dafür zu haben, nicht auf die Uhr schauen zu müssen“. Auf der anderen Seite dürfe das Ehrenamt auch nicht auf das eigene Leben zu stark Einfluss nehmen. „Es sind zwei verschiedene Welten“, sagt Dietlind Schöttler. Ist sie bei einem Patienten, dann widme sie sich voll und ganz dieser Aufgabe, für ein, zwei Stunden. Dann ist da das andere Leben, das als Mutter und Ehefrau. Sie reise gerne mit ihrem Mann, sie besuchen gemeinsam Konzerte. Sie selbst sei als berufene Bürgerin im Sternberger Stadtparlament aktiv und treibe Sport.

Diese Balance – zwischen dem Ehrenamt im Ambulanten Hospizdienst und der anderen Zeit – zu finden, zwischen Nähe und Distanz, sei ungemein wichtig, sagt Regina Graw. Auch deshalb werde der Einsatz als Ehrenamtler sehr genau vorbereitet und begleitet. „Wir führen zunächst Gespräche mit den Interessenten, ob sie für diese Aufgabe geeignet sind“, sagt die Bützowerin.


Die letzte Zeit mit Leben erfüllen


Dann gibt es ganz viele Kurse und Weiterbildungen, um die Ehrenamtler vorzubereiten. Was zudem ganz wichtig sei, ist das gute Miteinander unter den Ehrenamtlern. Es gibt gemeinsame Veranstaltungen und auch mal einen Wochenendausflug. „Einerseits schalten wir da ab, andererseits sprechen wir auch über das, was uns bewegt“, sagt Dietlind Schöttler.

Am Ende steht die eine große Aufgabe: „Die letzte Zeit, die der Mensch hat, mit Leben zu erfüllen, mit einer liebevollen Begleitung“, sagt Regina Graw. Und da wäre sie auch froh, wenn nicht nur Frauen, sondern auch Männer vielleicht in diesem Ehrenamt eine Bereicherung für das eigene Leben finden würden.

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