Bellin : Steine erzählen Dorfgeschichte

Nach 30 Jahren werden Gräber in Bellin in der Regel abgeräumt. Pastor Jonas Görlich duldet aber auch einige alte Grabstätten, erzählen sie doch ein Stück Dorfgeschichte. Fotos: Regina Mai
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Nach 30 Jahren werden Gräber in Bellin in der Regel abgeräumt. Pastor Jonas Görlich duldet aber auch einige alte Grabstätten, erzählen sie doch ein Stück Dorfgeschichte. Fotos: Regina Mai

Gottesdienste und Andachten morgen zum Ewigkeitssonntag – Friedhöfe im ländlichen Bereich nur mit Kreativität zu erhalten.

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25. November 2017, 05:00 Uhr

Morgen vor 10 Uhr werden in Bellin die Glocken zum Gottesdienst rufen. Am Totensonntag wird insbesondere der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht, eine Kerze für jeden entzündet. Pastor Jonas Görlich lädt dazu alle ein – Christen und Atheisten. Der Friedhof ist in der Zuständigkeit der Kirchengemeinde, doch für alle da. Wie vielfach auf dem flachen Land ist auch der Gottesacker in Bellin eigentlich zu groß, bei wenigen Bestattungen genau genommen zu teuer, konfrontiert mit einer im Umbruch befindlichen Bestattungskultur und doch ein wichtiger Teil im Dorf, ein öffentlicher Ort der Trauer und der Erinnerung.

„Im Bewusstsein des Ortes spielt der Friedhof eine wichtige Rolle“, weiß Pastor Görlich. Ohne ihn würde in Bellin etwas fehlen. Hier weiß er auch Menschen, die sich kümmern, nennt als ersten Richard Rennert. Als er ganz frisch im Amt war und ein Unwetter auch auf dem Friedhof gewütet hatte, habe er diese Verbundenheit gespürt. Anders wird es auch in Zukunft nicht mehr funktionieren, fürchtet Görlich. „Es ist unser hehres Ziel alle Dorffriedhöfe zu erhalten“, betont er und weiß doch, dass es schwierig wird. Sechs Friedhöfe zählt die Kirchengemeinde Lohmen: Bellin, Kirch Rosin, Lohmen, Badendiek, Zehna und Kirch Kogel. Während man hier und dort finanziell noch eben so über die Runden käme, sei z. B. in Kirch Kogel mit einer Beerdigung alle zwei Jahre schon Kreativität notwendig.

Görlich denkt, dass man auf den viel zu großen Dorffriedhöfen die künftigen Grabstellen wird in einem Bereich konzentrieren müssen. Damit sie auch weiterhin angenommen werden, reagiere man bereits auf die sich ändernde Bestattungskultur. Angeboten werden Gemeinschaftsgrabanlagen und Rasengräber, die eine traditionelle Erdbestattung ermöglichen und dennoch pflegeleicht sind. „Es hat gedauert, bis diese Formen angenommen wurden“, berichtet der Pastor. In Bellin selbst sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis es auch dort Gemeinschaftsanlagen geben wird. „Viele Menschen wissen nicht, wer ihr Grab pflegen wird, wollen niemandem zur Last fallen“, kennt der Pastor die Gründe für den Wandel.

Lohmens Pastor möchte nicht auf die Daseinsfürsorge der Kommunen pochen, freut sich aber verständlicherweise über ein Miteinander der kirchlichen und der politischen Gemeinde. „In Kirch Rosin haben wir mit Bürgermeister Ulrich Blau einen guten Partner gefunden“, betont Görlich. Gemeinsam habe man jetzt Projekte (Wegebau, Wirtschaftshof) angestoßen. In Lohmen habe man die Friedhofskapelle gemeinsam saniert. Görlich: „Es ist schön, wenn man sich in einem Ort einig ist und wir als Kirchengemeinde nicht allein gelassen werden. Das macht uns deutlich, warum wir die Friedhöfe erhalten wollen.“

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