zur Navigation springen

Jugendliche frustriert : Statt im Jugendhaus Treff im kalten Rosengarten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Immer noch keine Entscheidung für die Einrichtung. Jugendliche fühlen sich verschaukelt. Heutiger Treff in der Förderschule abgesagt

Gestern Nachmittag am Spielplatz im Rosengarten. Es ist sehr kalt. Der Winter hat Güstrow erreicht. Tobias Spott, Vanessa Bade, Leonie Rügsegger, Michelle Böhnke, Stefan Winkler, Felix Zimmermann und Maria Conrad treffen sich hier nicht zum ersten Mal. „Wir sind sonst immer täglich im Jugendhaus gewesen. Aber das hat ja seit Ende des Jahres geschlossen. Und das, was uns versprochen wurde, dass es weiter geht, dort oder an einer anderen Stelle in der Nordstadt, ist bis heute nicht umgesetzt. Deshalb treffen wir uns auf der Straße oder hier im Rosengarten“, sagt Vanessa Bade für alle.


Es hakt in Planungen der Stadt


Im weiteren Gespräch merkt man, wie enttäuscht die Kinder und Jugendlichen sind, dass sie so alleine gelassen werden. „Wir werden nicht ernst genommen, hingehalten und somit verschaukelt. Und wir werden das Gefühl nicht los, dass keiner hinter uns steht“, sagt Nicole Zimmermann, eine engagierte Mutter, die sich für das Jugendhaus einsetzt (wir berichteten mehrfach) und gestern dazugekommen ist.

Ein weiterer Beweis, dass nichts passiert ist, wird heute wieder angetreten, denn der Termin zum Jugendhaus bzw. künftigen neuen Jugendtreff in der Nordstadt in der Förderschule ist Makulatur. Er findet nicht statt. Festgelegt wurde er vom Ausschuss für Jugend, Schule, Kultur und Sport der Stadtvertretung am 10. Januar. Hintergrund war die Umsetzung des Beschlusses der Stadtvertretung vom Dezember, das Jugendhaus bis Ende Juni weiter zu betreiben und ab 1. Juli ein Alternativangebot zu schaffen. Also Hoffnung für heute. Die zerstob aber mit einer Mail der Stadtverwaltung, dass der heutige Termin nicht stattfinde, weil er „vom Landkreis aus unbekannten Gründen abgesagt“ wurde.

Im Landkreis wurde diese Aussage mit Verwunderung aufgenommen. Dezernent Rainer Boldt erklärt: „Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises hat im November 2013 sein Konzept der Jugend- und Schulsozialarbeit beschlossen. Dazu wurde der Bedarf an Jugend- und Schulsozialarbeit kreisweit nach einheitlichen Maßstäben ermittelt. Dieses Konzept wird weitgehend in Übereinstimmung mit den betroffenen Kommunen umgesetzt. In Güstrow stimmen die Planungen der Stadt derzeit allerdings nicht mit diesen Vorgaben überein.“


Beschlussvorlage im Hauptausschuss


Insofern warte der Landkreis, so Boldt, auf die Zustimmung der Stadt und die Bestätigung der Kofinanzierung für die beschlossenen Maßnahmen. Dies sei schriftlich und mündlich mitgeteilt worden. Weitere Verhandlungen über zusätzliche Angebote seien erst sinnvoll, wenn die vom Jugendhilfeausschuss beschlossenen Maßnahmen ausfinanziert sind, sagt er weiter.

Damit stand bei diesem sensiblen Thema Aussage gegen Aussage. Bürgermeister Arne Schuldt klärt auf Nachfrage auf und räumt ein: „Da die Stadt beim Landkreis mit verschiedenen Fachämtern und Personen mündlich und schriftlich verhandelt hat, haben sich verschiedene Positionen gekreuzt.“ Er bestätigte, dass der 2. Beigeordnete, Rainer Boldt, mit Schreiben vom 7. Januar eine Entscheidung getroffen habe, die den geplanten Termin am 23. Januar ausschloss. Schuldt weiter: „Er hat eine klare Position der Stadtvertretung zur Entscheidung des Jugendhilfeausschusses eingefordert. Vorher sollte es keine weitere Prüfung von Alternativangeboten geben.“ Das könne erst nach der Sitzung der Stadtvertretung am 13. Februar geschehen. Eine vorherige Klärung sei unmöglich, schließt sich Schuldt Boldts Meinung an. Für das weitere Vorgehen der Stadt und die Klärung der Kofinanzierung für das Weiterführen des Jugendhauses bis Ende Juni und die Einrichtung eines neuen Treffs in der Nordstadt ab 1. Juli kündigt Schuldt im nächsten Hauptausschuss am 30. Januar eine Beschlussvorlage an. Endgültig zu klären sei das alles zwischen dem Jugendhilfeausschuss und der Stadtvertretung, so der Bürgermeister. Schuldt: „Die Stadtvertretung muss den Doppelhaushalt der Barlachstadt beschließen, damit die vorläufige Haushaltsführung nicht eine Lösung, die für die Stadt eine freiwillige Aufgabe darstellt, behindert. Neue Verträge für eine Zwischenlösung im Jugendhaus bis zum 30. Juni können sonst nicht finanziert und abgeschlossen werden.“ Gleichfalls sei eine klare Position der Stadtvertretung zum Beschluss des Jugendhilfeauschusses notwendig, so Schuldt.


Filmklub steht als neuer Träger bereit


Entscheidend aber ist ebenfalls, ob sich letztlich wirklich ein neuer Träger findet, denn der Internationale Bund ist mit dem vertraglichen Ausstieg aus dem Mietvertrag für das Jugendhaus zum Ende Januar endgültig aus dem Rennen. Dieser freie Träger könnte der Filmklub Güstrow sein. Der Vorsitzende Jens-Hagen Schwadt sagte gestern SVZ: „Der Filmklub steht weiter Gewehr bei Fuß. Wenn die Stadt Interesse hat, unser Angebot anzunehmen und dazu die Stadtvertretung Beschlüsse fasst, sind wir gesprächsbereit.“




zur Startseite

von
erstellt am 23.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen